Ausstellung im Museum Lichtenberg über den Bildreporter Wulf Olm

Tiere – Menschen – Sensationen

21.05.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Lichtenberg. Wie hätte er es wohl gefunden, nun im Museum gelandet zu sein? „Verrückt, wa?“, hätte er, bestimmt heftig berlinernd, gesagt. „Icke?“ Stolz wäre er auf jeden Fall  gewesen. Denn Wulf Olm, viel zu früh verstorbener Fotograf und Bildreporter und ein mir sehr lieber Kollege, wollte mit seinen Fotos nicht nur irgendeinen Augenblick bannen, sondern die Menschen berühren. Mit Bildern, die das Leben zeigen, die großen und die kleinen Leute, die Tiere und die Menschen und auch immer wieder mal Situationskomik, die ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Einige der vielen tausend Fotos aus seinem umfangreichen Schaffen sind seit Freitag, 17. Mai, in einer Sonderausstellung unter dem treffenden Titel „Tiere – Menschen – Sensationen“ im Museum Lichtenberg zu sehen.

Mehr als bloße Illustrationen

Die Idee dazu war Dr. Thomas Thiele, dem Museumsleiter, gekommen. Bereits 2017 hattedas Museum ein „Kalenderblatt des Monats“ Wulf Olm gewidmet. „Immer wenn ich Fotos aus den letzten Jahrzehnten gebraucht habe, bin ich auf seinen Namen gestoßen“, erzählt Dr. Thiele. Ob Bilder vom Aufbau der Großsiedlung Neu-Hohenschönhausen, wo der gebürtige Karlshorster Olm bis zu seinem Tod lebte, oder Fotos aus dem Tierpark Berlin – er hatte ein nahezu unerschöpfliches Archiv. Der gelernte Fotolaborant, der später die renommierte Hochschule für Grafik und Buchkunst absolvierte, arbeitete mehr als 40 Jahre lang für auflagenstarke Tageszeitungen. Erst für die Junge Welt, dann für die Berliner Zeitungen. Machte er sich zunächst als Sportreporter einen Namen, waren seine Fotos aus den 1990er-Jahren zu den Reportagen von Alexander Osang in der „Berliner“ mehr als bloße Illustrationen. Text und Bild gingen dort eine Symbiose ein.

Der flirtende Orang Utan

Später arbeitete Olm im Lokalen (wir berichteten anlässlich seines zehnten Todestages) und wandte sich immer mehr der Tierfotografie zu. Auch in dem bemerkenswerten Katalog zur Ausstellung sind eindrucksvolle Aufnahmen zu sehen: Da ist der Orang-Utan Kevin, der mit dem Betrachter zu flirten scheint. Schlüpfende Gänse im Brutkasten und einige Tage später als Passagier im Federkleid der schwimmenden Mutter, der flauschige Nachwuchs des Habichtskauzes. Es sind Hingucker, die den Blick fesseln und verweilen lassen. „Nicht nur, weil Wulf Olm gebürtiger Karlshorster ist, seine Fotos die Entstehung Neu-Hohenschönhausens festhalten, die Tiere im Friedrichsfelder Tierpark und im Tierheim Falkenberg in überraschender Schönheit und Nähe sichtbar werden lassen und das Renngeschehen auf der Trabrennbahn einfangen, ist dem in Hohenschönhausen Ansässigen mit dieser Ausstellung und dem Katalog ein besonderes Dankeschön Lichtenbergs gewidmet“, schreibt Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) im Vorwort.

Wiederentdeckung eines genialen Fotografen

Viel zu früh ist Wulf Olm im Jahr 2007 an einer heimtückischen Krankheit gestorben. Er wurde nur 64 Jahre alt. Die Ausstellung im Museum an der Türrschmidtstraße ist eine Wiederentdeckung eines genialen Fotografen, der immer mehr war als nur ein Abbilder der Wirklichkeit. Mit seinen Bildern erzählte er Geschichten. Manchmal sagten sie mehr als die Worte dazu.

Wulf Olm ist auf dem Evangelischen Friedhof Karlshorst an der Robert-Siewert-Straße 57/67 bestattet. Sein umfangreicher Nachlass ist jetzt von seinem Freund Gerd Engelsmann, ebenfalls Bildreporter bei der Berliner Zeitung, nun freier Fotograf, und seinem Bruder Dr. Uwe Olm dem Museum Lichtenberg übergeben worden.

Ausstellung „Tiere – Menschen – Sensationen“ bis zum 3. November 2019. Der Eintritt ist frei. Das Museum Lichtenberg, Türrschmidtstraße 24 (nahe S-Bahnhof Nöldnerplatz), ist dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, sonntags ebenfalls von 11 bis 18 Uhr. Kuratorin der Exposition ist Petra Schröck, Kunsthistorikerin und Autorin, Leiterin der BrotfabrikGalerie Berlin. Den Katalog zur Ausstellung gibt es im Museum für eine Schutzgebühr von 10 Euro.

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