Zeit für Wünsche, Träume und Ideen zu einem Kulturstandort

Theater am Park soll saniert werden

23.01.2020, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Biesdorf. Das Theater am Park kann saniert werden. Der Senat hat die Mittel dafür zur Verfügung gestellt. Für Lutz Kühling und Helmut Kontauts vom Vorstand des TaP e.V. ist das eine frohe Botschaft. Seit fast drei Jahrzehnten halten sie mit dem TaP e.V. das Theater am Leben. „Es sind vor allem Kulturveranstaltungen, die in dem Hause laufen“, macht Lutz Kühling deutlich. „95,5 Prozent aller Veranstaltungen sind Kulturprojekte.“

Biesdorf hat gute Voraussetzungen

Helmut Kontauts beleuchtet die Hintergründe für die Senatsentscheidung: „Der Grundgedanke ist, das Theater zu einem Magneten für Touristen werden zu lassen.“ Die Innenstadt ist überlaufen, in die Randbezirke verlaufen sich nur wenige Touristen. Deshalb sollen interessante Standorte zu Anziehungspunkten für Berlinbesucher ausgebaut werden. Biesdorf hat gute Voraussetzungen, um Gäste in den Bezirk zu locken. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich die Gärten der Welt, das Schloss Biesdorf, die Marzahner Bockwindmühle und das Gründerzeitmuseum Mahlsdorf.

Tourismus ist Wirtschaftsfaktor

Das rechtfertigt auch, dass Mittel aus der Wirtschaftsförderung (GRW-Mittel) für die Sanierung des Theaters am Park eingesetzt werden. Bereits im Dezember 2018 waren 8,5 Millionen Euro GRW-Mittel im Gespräch LiMa+ berichtete. Offenbar hat der Senat erkannt: Auch der Tourismus ist ein Wirtschaftsfaktor. Zu den vorteilhaften Bedingungen in Biesdorf zählt ebenfalls die gute Erreichbarkeit aller Örtlichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Mit U- und S-Bahn – ist man selbst von der City aus schnell an allen Biesdorfer Standorten. Auch die Anfahrt mit Bussen und privaten Verkehrsmitteln aus der Innenstadt funktioniert relativ zügig.

Nächster Schritt: Zielstellungsplanung

Mahrzahn-Hellersdorfs Wirtschaftsstadträtin Nadja Zivkovic (CDU) fasst die Aufgaben zusammen, die jetzt vor dem Bezirk und dem TaP e.V. stehen: „Bis zum 3. Quartal soll eine Zielstellungsplanung erarbeitet werden“, sagt sie. Darin sollen alle Ideen und Vorstellungen des Vereins und auch der anderen Nutzer des Theaters am Park zusammengeführt werden. Erst wenn dieser Plan fertig sei, könne man Aussagen über die Kosten treffen und die entsprechenden Anträge beim Senat stellen. Diese Zielstellungsplanung soll sozusagen Licht ins Dunkel bringen, was alles gemacht werden muss. Dann könne man auch über konkrete Zeitabläufe sprechen, meint Nadja Zivkovic.

Größter Theatersaal im Bezirk

Für Helmut Kontauts und Lutz Kühling steht der große Saal im Vordergrund. Bis zum Jahr 2003 gab es dort viele Konzerte, Tanztheater und Schauspiel. Am 31. August 2003 fiel nach einem Konzert der letzte Vorhang. Es ist der größte Theatersaal im Bezirk mit 340 Plätzen, einer großen Bühne und einem Orchestergraben. Aus brandschutztechnischen Gründen musste der Saal geschlossen werden. Denn es fehlt für den Fall der Fälle ein eiserner Schutz-Vorhang vor der Bühne. Auch eine Rauchabzugsanlage muss noch eingebaut werden.

Viele Auflagen zum Brandschutz hat der Verein schon erfüllt. So wurden beispielsweise neue Fluchtwege gebaut. Für den großen Saal braucht auch noch eine neue Heizungs- und Lüftungsanlage. Kontauts und Kühling haben den großen Wunsch, dass es wieder täglich eine Theateraufführung im großen Saal geben wird. Das wäre dann nicht nur ein kulturelles Angebot, sondern auch die wichtigste Einnahmequelle für das Theater am Park.

Wunsch nach Einbau eines Ranges

Und wenn die beiden Vorstandsmitglieder schon dabei sind, Wünsche zu nennen, dann können sie sich auch vorstellen, einen Rang in den Theatersaal einzubauen. Das würde die Attraktivität noch erhöhen. „Wenn es wieder ein Spieltheater werden soll, dann müssen wir außerdem unbedingt den Orchestergraben erhalten“, erklärte Kühling. Dazu ist jedoch der Bau eines zweiten Zugangs notwendig.

NVA tanzt schon lange nicht mehr

Das Theatergebäude wurde in den Jahren 1966 bis 1968 für das damalige Tanz- und Gesangsensemble der Nationalen Volksarmee (NVA) errichtet. Seit mehr als 26 Jahren betreibt der Verein Theater am Park e. V. das Haus erfolgreich als Treffpunkt im Statdteil und vor allem als kulturell-künstlerisches Zentrum in Biesdorf.

Die Sanierung des Gebäudes zur Erhaltung eines wichtigen Kulturstandortes in Marzahn-Hellersdorf ist inzwischen zu einer dringlichen Angelegenheit geworden. Das betrifft besonders die Fassade mit Fenstern und Türen, die Dächer mit Blitzschutz und die technische Gebäudeausrüstung unter anderem mit Heizung, Wasser und Abwasser. Herzstück muss natürlich die Wiederherstellung und Modernisierung des großen Theatersaales sein. Der TaP e.V. möchte gern an die vielseitige künstlerische Arbeit vor seiner Schließung anknüpfen.

Besucher sollen weiter kommen

Das Haus bietet Theaterensembles aus der ganzen Bundesrepublik sowie auch internationalen Formationen gute Möglichkeiten für Auftritte in der Hauptstadt.

Für die Zukunft hat sich der TaP e.V. schon einen Partner an die Seite geholt. Die Marzahner Institution FW4-Kulturbetrieb UG ist bereit, den Theaterbetrieb zu unterstützen.

Bis alle Fragen zur Sanierung geklärt sind, wird das Theater am Park wie bisher weiter arbeiten. „Wir haben den Anspruch, dass Besucher auch weiter zu den Veranstaltungen kommen können“, erklärte Lutz Kühling. Die vielen Nutzer und Gäste müssten zudem Gewissheit bekommen, dass ihr Theater nach der Sanierung wieder für sie geöffnet hat.

Wirtschaftsstadträtin sagt: Zuerst Ziele formulieren

Für das weitere Verfahren hat Wirtschaftsstadträtin Nadja Zivkovic eine Idee: Erst wenn der Verein und der Bezirk die Ziele für das Theater am Park formuliert haben, geht es an die konkreten Planungen und Ausschreibungen. Beispielsweise müssen Architekten und Baufirmen gefunden werden. Diese Aufgaben könne der Bezirk aber nicht übernehmen, erklärte Nadja Zivkovic. Stattdessen sollte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung federführend sein. Die Wirtschaftsstadträtin erinnert daran, dass im Nachbarbezirk Lichtenberg das Theater an der Parkaue ebenfalls von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung saniert worden ist.

Die Stadträtin ist überzeugt, dass das Theater am Park als Ort der kulturellen Bildung ausgebaut werden muss. Es soll ein Zentrum für Tanz und Ballett, ein Theater- und Konzertstandort sowie ein Veranstaltungsort für Lesungen und Filmvorführungen werden. Dann, so Zivkovic, werde es auch eine Attraktion für Touristen.

Weitere Infos: www.tap-biesdorf.de.


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