BIM beantragte für viele Container weitere drei Jahre Laufzeit

Tempohomes doch länger temporär

16.01.2020, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn-Hellersdorf/ Lichtenberg. Als im Jahr 2015 insgesamt 55.001 geflüchtete Menschen nach Berlin kamen und 2016 noch einmal 16.889, (Quelle: Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten, LAF, Berlin), war zunächst die Not groß, für alle eine Unterkunft zu finden. Turnhallen, leer gezogene Kindertagesstätten und Schulen mussten vorübergehend als Notunterkünfte mit herhalten. Doch je länger sie genutzt wurden, desto größer wurden die Konflikte, die mit der unwürdigen Unterbringung einhergingen. Es mussten andere Lösungen her. Schnell. Aus der Not entstand die Idee, Tempohomes zu bauen.

Container waren besser als Turnhallen

Die Containerdörfer, die bereits ab 2014 errichtet wurden, und die Tempohomes, die Berlin ab 2016 in mehreren Bezirken bauen ließ, waren besser, denn:

Die Bauzeit war kürzer als bei Umbauten bestehender Immobilien.
Sie gehörten dem Land Berlin.
Sie waren sehr einfach eingerichtet und boten den geflüchteten Menschen dennoch mehr Komfort als zuvor. Durch ihre Errichtung konnten die zahlreichen Turnhallen, in denen Geflüchtete ohne individuelle Wohnfläche lebten, wieder leergezogen werden.

Der Name Tempohomes sollte jedoch nicht primär die Schnelligkeit beim Bau verdeutlichen, sondern vielmehr aufzeigen, dass auch diese Form der Unterbringung nur eine temporäre Lösung sein konnte. Unter anderem deshalb waren die Bau- und Nutzungsgenehmigungen für die Wohncontainer auf drei Jahre begrenzt. Die sind nun um.

Tempohome Zossener Straße vor dem Rückbau

Die temporäre Unterkunft an der Zossener Straße in Hellersdorf beispielsweise wurde am 12. September 2019 geräumt. Wie das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf mitteilte, sei es erfolgreich gelungen, „eine Vielzahl der mehr als 200 Bewohnerinnen und Bewohner in bestehende Unterkünfte des Bezirks zu verlegen.“ Soziale Kontakte, Kita- und Schulplätze, medizinische Betreuung und gewohnte Anlaufstellen im Bezirk blieben ihnen dadurch erhalten.

Nun sollen die Container dort rückgebaut werden. Denn schon ab Februar will die Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU mit den Bauvorbereitungen für den ersten Abschnitt des Bauvorhabens „Stadtgut Hellersdorf“ beginnen. Bis 2023 sollen auf dem 72.500 Quadratmeter großen Areal am historischen Stadtgut Hellersdorf rund 1.250 neue Wohnungen entstehen (LiMa+ berichtete).

Auch das Tempohome an der Dingolfinger Straße in Biesdorf, dort gab es 256 Plätze für geflüchtete Menschen, ist freigezogen. In welchem Zeitraum die Baufreiheit für einen Schulneubau geschaffen wird, steht noch nicht fest.

Senat: Rückbau soll kein Automatismus sein

An anderen Standorten geht es nicht so schnell. Dazu teilt die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales mit: „Die Containerstandorte und Tempohomes sollen nach Freizug der Geflüchteten nicht automatisch zurückgebaut werden, sondern in unterschiedlicher Art weitergenutzt werden.“ Für jede Art der Weiternutzung, egal ob für Geflüchtete oder zum Beispiel als Stadtteilzentrum oder für die Kältehilfe, sei eine Baugenehmigung erforderlich. „Daher wurden von der BIM (Berliner Immobilienmanagement GmbH, die Redaktion) entsprechende Anträge für eine weitere Laufzeit von drei Jahren gestellt.“

Das heiße jedoch nicht, dass „über den gesamten Genehmigungszeitraum eine faktische Nutzung zur Unterbringung für Geflüchtete“ erfolge. Der dauerhaften Nachnutzung für soziale Infrastruktur (Wohnen, Schule, Kita) werde Vorrang eingeräumt.

Unterkunft am Blumberger Damm bis Januar 2021

Der Containerstandort am Blumberger Damm mit seinen rund 400 Plätzen (Baubeginn war am 5. Mai 2015) soll längstens bis zum Januar 2021 als Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete weiter genutzt werden. Dann, so der Plan, ist die derzeit im Bau befindliche Unterkunft am Murtzaner Ring fertig. Was mit den Containern am Blumberger Damm passiert, das wird noch geprüft.

Laufzeitverlängerungen für Tempohomes auch im Nachbarbezirk

Auch in Lichtenberg werden Container und Tempohomes länger als bis zu der ursprünglich festgelegten Laufzeit für die Unterbringung geflüchteter Menschen genutzt:

Der Containerstandort am Hausvaterweg in Falkenberg mit 280 Plätzen wird bis Juni 2021 für Geflüchtete genutzt. Anschließend sollen die Container für „temporäre Zwischennutzungen durch Dritte“ offen sein.

Das Tempohome an der Hohenschönhauser Straße (256 Plätze) dient bis August 2020 weiterhin als Unterkunft für Geflüchtete. Dann soll eine Nachnutzung für eine Schule und Sportflächen erfolgen.

Und das Tempohome an der Wollenberger Straße (256 Plätze) in Hohenschönhausen wird bis Juni 2021 weiterhin für die Unterbringung von Geflüchteten genutzt. Im Anschluss sollen am Standort Wohnungen, eine Schule und eine Kita gebaut werden.


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