Hund + Katz

Tauschgeschäfte

16.06.2019, Birgitt Eltzel

Foto: Birgitt Eltzel

Als Terriermischling Rudi noch ein junger Hund war, wollten wir bei seiner Erziehung natürlich alles richtig machen. Deshalb sind wir mit ihm in die Welpenschule gegangen, gefolgt vom Junghunde-Training (quasi ein Aufbaulehrgang für Teenager). Er hat dort den Rückruf gelernt (klappt etwa zu 90 Prozent sicher), bei-Fuß-Gehen (wegen Nachlässigkeit der Halter eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit) und Abgeben von Sachen, die er nicht fressen soll (funktioniert allerdings meist nur, wenn wir diese zuerst sehen). Für letzteres brachte uns die Trainerin das Tauschen bei. Nach dem Motto: Gibst Du mir, gebe ich Dir.

Immer Leckerli in den Taschen

Mittlerweile hat der Hund das Geschäft perfektioniert. Denn wenn wir ihn abends noch einmal kurz in den Garten lassen, bringt er immer ein, zwei Kienäpfel mit und legt sie nachdrücklich auf den Teppich: Wollt Ihr wirklich, dass ich die hier fein säuberlich zerlege oder rückt Ihr freiwillig was raus? Anfangs stürmten wir dann immer zum Leckerli-Kasten. Mittlerweile ist uns aber der Kieferndreck ziemlich egal. Schließlich haben wir uns kürzlich einen Staubsauger-Roboter angeschafft. Und Robby kriegt auch die kleinsten Krümel…

Die Enttäuschung von Rudi ist dementsprechend groß. Guckt mal, ich hab doch was, winselt er, wenn unsere Reaktion gleich Null ist. Und stupst uns an: Tausch! Na ja, meistens siegt dann das Mitleid – der Kienapfel wandert in den Mülleimer und ein Hundekeks in Rudis Maul.

Fressen gegen Liebe

Kater Winnie hält nichts von dieser Prozedur. Er nimmt sich, was er kriegen kann (schleckert zum Beispiel gern unachtsam in der Küche abgestellte Milchkännchen leer oder stiehlt Fisch vom Tisch, wenn wir nicht aufpassen). Hergeben tut er seine Beute nicht. Lediglich ein unvorsichtiges Mäuschen brachte er immer mal zur Freude aller ins Wohnzimmer, in dem  dann eine wilde Jagd vonstatten ging. Doch das ist lange her. Der Kater hat mit den Jahren ersichtlich an Leibesumfang zugelegt, die wilden Zeiten sind vorbei. Jetzt beobachtet er Rudis Tauschgeschäfte gern vom weichen Sofa aus. Die jungen Leute, mag er denken. Müssen so einen Aufriss machen. Dabei wird doch die Futterschale immer wie von Zauberhand gefüllt. Und wenn das nicht reicht: Wozu sind schließlich Nachbarn da? Bei denen kläglich mauzend um die Beine streichen, wirkt Wunder. Nach dem Motto: Fressen gegen Liebe ­– auch nur eine andere Version des Tauschgeschäfts.


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