Dokumente von ReachOut werden vorgestellt

Tatorte rechter Gewalt

10.03.2014, Klaus Tessmann

Foto: Klaus Tessmann. Zum Vergrößern bitte in das Bild klicken.

Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg. Vom heutigen Montag, 10. März, bis zum 23. März finden die diesjährigen Internationalen Wochen gegen Rassismus mit vielen Veranstaltungen, Diskussionsrunden und Ausstellungen statt. In Marzahn-Hellersdorf ist dabei auch eine Ausstellung über Orte in Berlin zu sehen, wo es zu rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Angriffen kam.

Betroffene berichten
Den Auftakt der Woche bildet ein Fachgespräch zum Thema „Rassismus geht uns alle an“ am heutigen Montag um 15 Uhr im Haus Babylon, Klausdorfer Straße 8. Es wird dabei über die Geschichte des Internationalen Tages gegen Rassismus (21. März, 1967 durch die Uno eingeführt) und der Internationalen Wochen gegen Rassismus informiert, Betroffene sprechen über ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus. Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) spricht das Grußwort, für den musikalischen Auftakt sorgt das Duo Oana Kitzu /Dejan Jovanovic mit Roma-Liedern aus dem Balkan.

Seit 2002 Vorfälle dokumentiert
Am Donnerstag, 13. März, um 17 Uhr eröffnet Kulturstadträtin Juliane Witt (LINKE) im Alten Rathaus Marzahn, Helene-Weigel-Platz 8, die Ausstellung „Berliner Tatorte Dokumente rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt“. Seit dem Jahr 2002 dokumentiert das Projekt von ReachOut gewalttätige Angriffe mit rechtem, rassistischem und antisemitischem Hintergrund in einer berlinweiten Chronik. Zum ersten Mal wurde diese Dokumentation im August 2011 im Rathaus Lichtenberg gezeigt. Seitdem ist die Dokumentation als Wanderausstellung durch die Berliner Bezirke unterwegs.

Bilder in Schwarz-Weiß
Die Dokumentation hat der Lichtenberger Fotograf Jörg Möller in Bilder umgesetzt. Dabei stehen nicht die Täter oder die Opfer im Mittelpunkt. Der 48-jährige Fotograf wollte bewusst die Orte von rechtsextremen Taten in Szene setzen. „Ich möchte den Besuchern zeigen, dass es auch in ihrer Straße zu solchen Taten kommen kann“, sagt Jörg Möller. Er hat Anfang der 90er-Jahre in Leipzig Fotografie studiert. Vor zehn Jahren hat Möller sein Studium als Meisterschüler beendet. Im Rahmen seiner Diplomarbeit kam er mit dem Verein ReachOut in Lichtenberg zusammen. „Es gab die Überlegung, die reine Polizeistatistik mit Fotografien zu belegen“, erklärt der Fotograf. Nach den Polizeiberichten hat er den Tatort in einem Schwarz/Weiß-Foto festgehalten. Die Fotografien mit begleitendem Text zeigen, wie häufig diese Form von Gewalt in unserem Alltag vorkommt.

Zum Nachdenken auffordern
Es sind inzwischen weit über 200 Dokumente geworden. In der Ausstellung werden diese Bilder mit einer kurzen Beschreibung gezeigt. „Ich habe die Orte aus einem Blickwinkel fotografiert, den man sonst vielleicht nicht hat“, erklärt Jörg Möller. Er möchte mit seinen Bildern die Betrachter zum Nachdenken auffordern. „Nicht ich als Fotograf stehe im Vordergrund, es steht die Tat im Blickpunkt.“ Möller verweist darauf, „es geht mir um gesellschaftliche Zustände, hier gab es Opfer, denen muss man Respekt zollen.“ Der Fotograf hat bei seiner Arbeit auch festgestellt, dass sich rechtsextreme Übergriffe an bestimmten Stellen häuften. „Beispielsweise vor einem Imbiss in der Weitlingstraße im Bezirk Lichtenberg. Dort gab es allein fünf rechtsextreme Übergriffe.“ Jörg Möller wird seine Arbeit fortsetzen. Gemeinsam mit ReachOut sollen weitere Bilder entstehen. Für den Fotografen ist  die Ausstellung ein Appell an die Besucher. Sie sollen nicht wegzuschauen. „Sie sollen sich einmischen und Hilfe holen.“

Die Ausstellung ist bis zum 26. März im Rathaus Marzahn zu sehen. Weitere Informationen zur bundesweiten Aktionswoche gegen Rassismus: www.internationale-wochen-gegen-rassismus.de.

 

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