Tag der Regionalgeschichte: Heimatverein im Gründerzeitmuseum

2020 wird Mahlsdorf 675 Jahre alt

02.10.2019, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Mahlsdorf. Zum Tag der Regionalgeschichte lädt der Heimatverein Marzahn-Hellersdorf e.V. am Sonnabend, 12. Oktober, in das Gründerzeitmuseum Mahlsdorf ein. Schon seit 1987 gab es im damaligen Bezirk Hellersdorf den Tag der Heimatgeschichte. Die Tradition wurde weiterentwickelt und hat sich bis heute gehalten. In jedem Jahr widmet sich dieser Tag einem anderen Thema.

Vom Rittergut zum Gutshaus und Gründerzeitmuseum

2019 steht ein nahendes Jubiläum im Mittelpunkt. Denn im kommenden Jahr wird der Ortsteil Mahlsdorf 675 Jahre alt. Am 25. Januar 1345 war Mahlsdorf zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt worden. Der Ritter Thyle Ryteling hatte gegen Barzahlung dem Ritter Otto von Kethelitz das Dorf „Malterstorp“ mit allen Rechten und Pflichten verkauft. Das wurde damals vom Landgrafen mit einer Urkunde bestätigt. Somit weiß man heute, dass es bereits vor 675 Jahren ein Rittergut gegeben hat. An dieser Stelle steht heute das Gutshaus Mahlsdorf mit dem Gründerzeitmuseum am Hultschiner Damm.

Vor 15 Jahren begann die Sanierung

So wird auch die Sanierung des inzwischen 200-jährigen Gutshauses im Mittelpunkt des Tages der Regionalgeschichte stehen. Über die Schwierigkeiten und die Erfolge wird Museumsleiterin Monika Schulz-Pusch berichten. In einem Vorab-Gespräch mit LiMa+ betont sie, wie bedeutsam für den Förderverein Gutshaus Mahlsdorf e.V. die Tage Anfang Oktober vor genau 15 Jahren waren. Denn im Oktober 2004 begann die Sanierung des Hauses.

Das Glück der Tüchtigen

„Es war wieder einmal ein Zufall. Lehrlinge des Oberstufenzentrums für Holztechnik waren zu Gast im Museum“, erzählt Monika Schulz-Pusch. Bei einem Gespräch erzählten sie, dass sie auch alte Häuser denkmalgerecht sanieren können. Wenige Wochen später standen die Azubis im Museum auf der Leiter und sanierten die französischen Doppelkasten-Fenster. Für die angehenden Handwerker war es der Ausbildungsabschnitt „Denkmalgerechte Sanierung“. Für das Museum war es ein glücklicher Zufall. Rund 60 Lehrlinge erhielten in den folgenden Monaten im Museum einen wichtigen Teil ihrer praktischen Ausbildung. Zum Abschluss ihrer Arbeiten bekamen sie alle ein Zertifikat für die denkmalgerechte Sanierung von Fenstern.

Ein langer Weg

„Die Dachsanierung war das größte und vordringlichste Aufgabe“, sagt Monika Schulz-Pusch. „Es bestand die Gefahr einer Beschädigung der Decken in den Museumsräumen.“ Bis zu dem schicken Haus von heute war es noch ein langer und schwieriger Weg. „Nachdem uns die Freitreppe am Mittelrisalit gesperrt wurde, standen wir wieder vor einem riesigen Problem.“

Viele Spender halfen

Sie lernte den Geschäftsführer von Getränke Hoffmann, Mario Benedikt, kennen. Er vertrat die Auffassung, dass sich ein Unternehmen aus dem Ort auch für die Erhaltung der historischen Schätze engagieren müsse. Die Firma spendete 30.000 Euro für die Sanierung der Freitreppe. Aber durch Komplikationen verdoppelten sich die Sanierungskosten auf 60.000 Euro für die Fertigstellung des Mittelrisalits. Da im Gutshaus seit 1998 Trauungen stattfinden, war die Gesamtgestaltung des Haupteinganges optisch wichtig.

1,2 Millionen Euro kamen zusammen

Von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bekam der Förderverein im Juli 2008 einen Scheck über 25.000 Euro. Insgesamt spendete die Stiftung 50.000 Euro für die Dachsanierung. „Hauptsponsor war die Deutsche Stiftung Klassenlotterie Berlin. Des Weiteren unterstützten uns das Landesdenkmalamt Berlin, das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, die Untere Denkmalbehörde Marzahn-Hellersdorf und viele private Spender“, fasst Monika Schulz-Pusch die Liste der Sponsoren zusammen. Der gesamte Sanierungsbedarf bis heute beläuft sich auf rund 1,2 Millionen Euro.

Sanierung bei laufendem Betrieb

Die Sanierungsarbeiten wurden bei laufendem Museumsbetrieb durchgeführt. Die Museumsleiterein ist auch heute noch darauf stolz, dass das Museum an keinem Tag schließen musste. Im Gegenteil, die Besucher hatten voller Freude die Instandsetzungen beobachten können. „Für unsere Vereinsmitglieder bedeutete es viel Arbeit. Vor und während der schrittweisen Baumaßnahmen mussten viele Räume aus- und wieder eingeräumt werden“, sagt sie. Das war ein enormer Aufwand. Auch das Reinigen und die fachgerechte Pflege der Sammlung erfolgte liebevoll und mit großem Einsatz der Vereinsmitglieder.

Charlotte hätte sich gefreut

„Wenn ich heute durch die Museumsräume gehe, denke ich oft, hätte doch Charlotte von Mahlsdorf sehen können, wie schön das Gutshaus saniert wurde“, meint die Chefin des Hauses. Charlotte von Mahlsdorf hatte 1958 das Gebäude besetzt und so vor dem Abriss gerettet. In mühevoller Kleinarbeit hatte sie aus der Ruine ihr Gründerzeitmsuem Mahlsdorf geschaffen. Charlottes Bemühungen für eine Sanierung belohnte die Stadt Berlin damit, dass das Haus 1971 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Weitere Themen am Tag der Regionalgeschichte

Mitglieder des Heimatvereins haben sich seit dem Tag der Regionalgeschichte 2018 auch mit vielen anderen Themen beschäftigt. So wird Dr. Christa Hübner über die Entwicklung des Dorfes Mahlsdorf in den ersten Jahrhunderten nach seiner Gründung sprechen. Karl-Heinz Gärtner beschäftigt sich mit den Gaststätten und Ausflugslokalen im alten Mahlsdorf. Davon gab es viele. Für die alten Mahlsdorfer sind „Tegelitz“, der „Heidekrug“ oder „Hubertus“ zu einer Legende geworden. Dr. Monika Rank beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Bauhausgeschichte auf das Siedlungsgebiet. Sie wendet sich dabei Bruno Taut zu mit seinen Ideen für den Mahlsdorfer Siedlungsbau. Und schließlich wagt der Architekt Prof. Dr. Wolf R. Eisentraut einen Vergleich zwischen Mahlsdorf und Zehlendorf.

Jahrbuch zur Geschichte Marzahn-Hellersdorfs

Da die Plätze im Museum sehr begrenzt sind, werden wohl nicht alle Interessenten zum Tag der Regionalgeschichte 2019 kommen können. Der Vorsitzende des Heimatvereins Wolfgang Brauer kündigte deshalb an, dass es nach der Veranstaltung ein Jahrbuch zur Geschichte Marzahn-Hellersdorfs geben wird. Darin sollen auch alle Beiträge des Tages der Regionalgeschichte veröffentlicht werden.

Gründerzeitmuseum Mahlsdorf
Hultschiner Damm 333 Telefon: 5 67 83 29
www.gruenderzeitmuseu-mahlsdorf.de
Öffnungszeiten: Mittwoch und Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Gruppen können sich auch außerhalb dieser Zeiten anmelden.


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