Das marode ehemalige BVG-Bad soll künftig tierischen Spaß bieten

Swimming Dogs

01.04.2015, Birgitt Eltzel

Fotos: Emmanuele Contini (1-4), Freunde Hauptstadtzoos (5), Andrea Scheuring (6). Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Lichtenberg. Regenwasser, Schmutz und Gerümpel im 50-Meter-Becken, doch der Sprungturm steht noch. Das frühere BVG-Bad an der Siegfriedstraße (gut versteckt hinter dem Stadion) vergammelt seit mehr als 25 Jahren. Das soll sich ändern. Denn für das marode Freibad, das etliche Lichtenberger und Alt-Hohenschönhausener noch aus ihrer Jugend kennen, hat sich endlich ein Investor gefunden. Der Verein Swimming Dogs will ein Spaßbad für den Menschen und seinen besten Freund einrichten – künftig sollen dort Hunde und ihre Halter gemeinsam ihre Bahnen ziehen können.

Das Vorbild, das auch dem Verein seinen Namen gab, kommt aus den USA. Dog Swimming ist insbesondere in Portland (Oregon) beliebt, dafür wurden dort extra Strände ausgewiesen. In Berlin bekommt der 2014 gegründete Verein immer mehr Zulauf, nachdem Gewässer wie der Schlachtensee für Hunde gesperrt wurden und mit dem neuen Hundegesetz die Tiere sogar noch überall in der Stadt an die Leine sollen. „Wir wollen den Hunden und ihren Besitzern deshalb eine neue Form von Agility bieten“, sagt Ernst Mai, der erste Vorsitzende des Swimming Dogs e.V. Schließlich müssten die Tiere sich ja auch körperlich auspowern können, um ein ordentliches Sozialverhalten an den Tag zu legen. „Was ist da besser als Schwimmen in einem extra dafür vorgesehenen Bad, wenn sie kaum noch Auslaufgebiete haben?“ Die Einrichtung wäre die erste ihrer Art in Berlin.

10 Millionen Euro Kosten
„Die Investitionskosten veranschlagen wir mit 10 Millionen Euro“, sagt Mai. Denn das Freibad müsse von Grund auf instand gesetzt werden. Er glaubt jedoch, dass sich die Summe, die vor allem aus Bankkrediten kommen soll, schnell amortisiert. Nicht nur, weil sich bekanntlich viele Hundebesitzer Unterhaltung für Bello, Fiffi und Co gern etwas kosten lassen. „Mit einem viel diskutierten Spaßbad am Tierpark wird es wohl so schnell nichts werden, wenn überhaupt“, sagt der Vereinsvorsitzende. Und im Einzugsbereich bis nach Marzahn-Hellersdorf gebe es außer dem im Sommer oft überfüllten Strandbad Orankesee keine offizielle Bademöglichkeit. Mai schätzt, dass es sich angesichts der Freibadmisere im Berliner Osten auch etliche Nicht-Hundebesitzer nicht nehmen lassen werden, an der Siegfriedstraße im Sommer den Sprung ins erfrischende Nass zu wagen. Zu den Eintrittspreisen macht er noch keine Angaben. Nur so viel: „Ein wenig teurer als bei den Bäderbetrieben wird es wohl werden, aber nicht wesentlich.“

Zunächst wollen die „Swimming Dogs“ das Bad nur für den Sommerbetrieb als Becken ohne Heizung herrichten ähnlich dem Kaltwasserbecken im Kreuzberger Prinzenbad. „Wenn es sich, wie wir fest glauben, rentiert, dann werden wir die Einrichtung auch winterfest gestalten“, sagt Mai. Ein Problem besteht allerdings noch: Geklärt werden muss die Frage der Hygiene beim gemeinsamen Schwimmerlebnis Hund-Mensch. Mai denkt nicht nur an spezielle, keimtötende Zusätze im Wasser, sondern auch an entsprechende Duschen. Zudem dürften nur Hunde in die Einrichtung, deren Halter nachweisen können, dass die Tiere alle erforderlichen Impfungen bekommen haben und entwurmt seien. „Dazu gibt es ja den Haustierpass vom Tierarzt.“ Ansonsten sieht Mai die Hygiene als nicht als so gravierend an: „Viele Hundebesitzer lassen ihren Liebling ja auch mit ins Bett.“

Prominenter Berater
Der Verein hat sich einen kompetenten Ratgeber für das Projekt gesichert. Der Berliner Noch-Bäderchef Ole Bested Hensing, der zum 30. Juni von seinem Posten zurücktritt, wolle mithelfen, das Spaßbad an historischer Stätte zu realisieren. „‚Das geht bestimmt schneller als mit den städtischen Behörden etwas Neues zu planen‘, hat er uns gesagt“, erzählt Mai. Wie berichtet, hatte Hensing erst kürzlich den vom Bäderkonzept des Senats abweichenden Vorschlag erneuert, ein Spaßbad im Tierpark zu bauen (LiMa+ berichtete). Dafür hatte er nicht nur Wohlwollen geerntet. Tags darauf erklärte er überraschend seinen Rücktritt, „aus famililären Gründen“.

 

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden