Beschwerliche Wege zur Bahn in Kaulsdorf und Mahlsdorf

Stufen und Umwege

18.06.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Kaulsdorf/Mahlsdorf. Wer aus Richtung Süden zu den S-Bahnsteigen des Bahnhofs Kaulsdorf will, muss einen ziemlichen Umweg auf sich nehmen. Mangels einer Brücke über die Gleise ist der Weg durch den Tunnel nahe dem Kreisverkehr angezeigt. Leute mit Kinderwagen, Rollatoren oder Rollstühlen allerdings können diesen nicht ohne fremde Hilfe nutzen, er ist nicht barrierefrei. Sie müssen über den sogenannten Galgen, die langgezogene Straßenbrücke, zum S-Bahnhof laufen bzw. rollen. An dessen hinterem Ende können sie dann einen Fahrstuhl benutzen.

Besserer Zugang von Süden gefordert

Lange schon wird eine Brücke gewünscht, damit der S-Bahnhof Kaulsdorf auch von Süden her barrierefrei erreichbar wird. Sie wird auch deshalb gebraucht, weil auf dem bisher brachliegenden Gelände des alten Kohleplatzes am Wilhelmsmühlenweg ein Nahversorgungszentrum mit Handels- und Dienstleistungseinrichtungen entstehen soll. Aktuell wurde laut Mitteilung des aus Marzahn-Hellersdorf stammenden Abgeordneten Kristian Ronneburg (Linke) ein Bauantrag auf Errichtung eines Wohn- und Geschäftshauses mit Tiefgarage und ebenerdigen Parkplätzen gestellt. Ronneburg hat kürzlich eine Schriftliche Anfrage zur Notwendigkeit des Brückenbaus ins Abgeordnetenhaus eingebracht. Staatssekretär Holger Kirchner (Grüne) bestätigte, dass auch die Verkehrsverwaltung den Bau einer barrierefreien Fußgängerbrücke zur Verbesserung der Situation als geeignet ansieht. Allerdings ist eine solche Maßnahme bisher weder geplant noch finanziell untersetzt. Der Eigentümer des Kohleplatz-Grundstücks, für das es bereits seit 2008 einen Bebauungsplan gibt, kann zur Beteiligung an den Kosten für den Brückenbau nicht herangezogen werden.

Planfeststellungsverfahren erforderlich

„Vor diesem Hintergrund sollte das Land Berlin sich nun endlich dafür entscheiden, eine Fußgängerbrücke zu errichten“, sagt Ronneburg. „Wie mir Staatssekretär Kirchner auf meine Nachfrage bestätigt hat, würde sich dann das Land Berlin mit einem Bestellschreiben für einen zusätzlichen barrierefreien Zugang an die Deutschen Bahn Station und Service AG wenden. Danach wäre ein Planfeststellungsverfahren erforderlich. Über den dann notwendigen Kosten- und Zeitrahmen kann der Senat noch keine Aussage treffen.“ Aktuell wäre es möglich, wie der Senat bestätigt habe, die zusätzliche barrierefreie Erschließung des S-Bahnhofs Kaulsdorf in das Förderprogramm „Bahnhofsverschiebung, Zugänge, Aufgänge“ (Teilansatz in Kapitel 0730, Titel 89102) aufzunehmen.

Weiteres Provisorium in Mahlsdorf

Das bedeutet: So schnell wird es wohl mit einem Brückenbau in Kaulsdorf nichts werden. Etwas besser sieht es am Bahnhof Mahlsdorf aus. Dort wurde der Regionalbahnhalt bekanntlich im Dezember vergangenen Jahres in Betrieb genommen. Der Bahnsteig inklusive seiner Zugänge ist allerdings nicht richtig fertig. Noch gelangen die Fahrgäste nur über eine provisorische Metalltreppe hinauf (Vorsicht Frauen: Es ist nicht ratsam, diese mit Pfennigabsätzen zu betreten!). Einen Aufzug gibt es nicht.

Endgültige Fertigstellung im Dezember

Ebenfalls auf eine Anfrage von Ronneburg antwortete Staatssekretär Kirchner: Im modifizierten Bauablaufbahn habe die Deutsche Bahn AG mitgeteilt, dass „nunmehr den Rahmenbedingungen nach erfolgreicher Inbetriebnahme“ Rechnung getragen werde. Zunächst werde ein weiterer provisorischer Zugang errichtet. Dieser solle Anfang Juli in Betrieb gehen. Anschließend sollen der Rückbau des derzeitigen Treppenzugangs sowie die Errichtung der endgültigen Zugangstreppen, des Aufzugs und des Bahnhofsdachs erfolgen. Die Fertigstellung des Regionalbahnsteiges ist nach Bahnangaben zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 geplant – ein Jahr nach Inbetriebnahme des Halts.

 

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