Hochschulprojekt-Projekt fragt Hellersdorfer nach Lieblingsorten

Eine Annäherung

03.06.2020, Regina Friedrich

Fotos: Lanarkshire Council, Scotland, UK 2011, Gernot Bubenik , station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf , Regina Friedrich

Hellersdorf. Ein Foto vom Lanarkshire Council zeigt den Abriss des Glencairn Tower in Schottland im Jahr 2011. Gewaltige Betonmassen stürzen in sich zusammen. Ein metaphorisches Bild. Denn Großsiedlungen werden vor allem von Außenstehenden oft als unwirtlich und abweisend empfunden. Doch diese sind nicht nur eine Zusammenballung von Riesenhäusern, sondern auch Orte, in denen Menschen leben und lieben.
Studentinnen und Studenten der Alice-Salomon-Hochschule (ASH) wollen jetzt wissen, welche Lieblingsorte die Menschen in Hellersdorf haben und wie kinderfreundlich sie ihren Bezirk empfinden. Zusammen mit dem Projekt „Die Pampa lebt!“ , das vom Quartiersmanagement Boulevard Kastanienallee gefördert wird, haben sie ein Konzept erarbeitet, um das Projekt medial zu begleiten. Wer einen Lieblingsort im Ortsteil hat und davon ein Foto machen kann sowie einige Fragen beantworten möchte, kann sich unter der E-Mail-Adresse von kottizucotti@gmail.com melden. Einsendeschluss ist der 12. Juni 2020.

Für Kids wenig geeignet?

Eine zweite Fragestellung der Studentinnen und Studenten ist das Thema „Kinderfreundlichkeit in Hellersdorf“. Sie wollen mit Kindern, Eltern oder Großeltern ins Gespräch kommen, um Fragen zu klären wie „Was tut die Nachbarschaft für Ihre Kinder? Und der Bezirk? Fühlen Sie sich als Familie in Hellersdorf gut aufgehoben?” Anhand der Antworten werden Studierende eine Fotoreihe von Orten machen, die als nicht kinderfreundlich empfunden werden. Wer sich daran beteiligen möchte, kann sich bis 12. Juni 2020 per E-Mail melden und wird dann an die Studierenden weitergeleitet. Die Antworten und die Fotos werden anonymisiert.

Plakate werden in Hellersdorf und Kreuzberg gezeigt

Mit dem Projekt sollen Plakate gestaltet werden, die neben Hellersdorf auch in Kreuzberg zu sehen sein werden. In Hellersdorf werden sie ab 11. Juli donnerstags und samstags zwischen 15 und 18.30 Uhr auf dem „Place Internationale“ an der Maxie-Wander-Straße gezeigt, gegenüber der Gemeinschaftsunterkunft. Das ist der Sommerstandort der station, wo im und um den blauen Container Veranstaltungen stattfinden. Entstanden übrigens mit tatkräftiger Hilfe von geflüchteten Kindern und Jugendlichen, die sich den Ort als Treffpunkt eingerichtet haben. Dieser steht nun allen Bürgern zur Verfügung.

Mit den Einwohnern ins Gespräch kommen

Die Idee für die Zusammenarbeit kam Frau Prof. Dr. phil. Andrea Plöger von der ASH während einer Ausstellungseröffnung in der station urbaner kulturen . Bei Adam Page vom Team der Einrichtung traf sie dabei auf offene Ohren. „Berlin ist für viele Studierende und Lehrende ein Magnet. Die Geschichte der Stadt steht für viele Entwicklungen in Deutschland und auch in der Welt. Hellersdorf ist Teil dieser wechselvollen Geschichte und trotzdem für viele erstmal ein unbekanntes Terrain, das sie beziehungsweise wir nach den Seminaren wieder Richtung Mitte verlassen“, erklärt Andrea Plöger, die an der ASH eine Professur für Soziale Kulturarbeit mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik innehat. “Die Pampa lebt” sei für die Studentinnen und Studenten genau der richtige Ansatz, sich dem Bezirk anzunähern und dabei auch etwas mehr von der Stadt, ihrer Geschichte und Gegenwart zu verstehen. „Diese Geschichte wiederum ist eng verbunden mit Alice Salomon und der Gründung der Hochschule bzw. der Begründung der Sozialen (Kultur-) Arbeit. Und hier schließt sich dann der Kreis.“

Spaziergänge mit Gesprächen

Es ist nicht die erste Zusammenarbeit mit der ASH. Bereits vor drei Jahren kamen Studentinnen und Studenten auf Spaziergängen mit der Künstlerin Diana Lucas-Drogan mit Menschen auf den Straßen Hellersdorfs ins Gespräch. Damals forschten sie nach: „Wer und was ist Hellersdorf?“ und „Welche Spuren hinterlassen die Menschen in ihrem Alltag?“ Nun also wird nach Orten gefragt, wo die Menschen und besonders die Kinder sich wohl- oder unwohl fühlen.

Ausstellung zu Kindern in Großsiedlungen

Das Lebensumfeld von Kindern steht auch im Mittelpunkt der neuen Ausstellung der station urbaner kulturen. „Kreise ziehen 4“ ist zu sehen ab 11. Juli auf dem „Place Internationale“ an der Maxie-Wander-Straße, gegenüber der Gemeinschaftsunterkunft. Sie setzt sich mit künstlerischen Positionen zum Thema „Kinder und Jugendliche in der Großsiedlung“ auseinander. Die Arbeitsgruppe „Spielclub“ zeigt historische Fotografien einer Spielstadt, die 1971 im Märkischen Viertel von Künstlerinnen und Künstlern mit und für Kinder entstand. Kunstschaffende aus Litauen, Ungarn und Großbritannien werden im Sommer auf der Grünfläche eine Arbeit zum Thema Spielen und Bewegung entwickeln und bauen. Obwohl alle Veranstaltungen größtenteils im Freien stattfinden, werden die Gäste gebeten, die aktuellen Kontaktvorschriften und Hygieneregeln zu beachten.

Auch bei „Kunst: offen!“ dabei

Die Sommersaison der station urbaner kulturen geht Mitte September dann mit dem Aufstellen großer Plakatwände mit neuen Bildern aus der Großsiedlung am Boulevard Kastanienallee, am Cottbusser Platz und am Alice-Salomon-Platz zu Ende. In der station urbaner kulturen werden diese Bilder schon im Prozess des Entstehens, am 14. Juni im Rahmen des Tages der offenen Ateliers, Werkstätten und Galerien, der traditionell im Bezirk „KUNST:offen!“ heißt, von 14 bis 18 Uhr vorgestellt.

station urbaner kulturen, Auerbacher Ring 41.
Ausstellung Kreise ziehen – Teil 4: Großsiedlungen und die Produktion von Bildern ihrer selbst; 11. Juli bis 13. September 2020, Grünfläche am U-Bhf Cottbusser Platz, Maxie-Wander-Straße/Ecke Carola-Neher-Straße. Eintritt frei.

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