Prima + Frauchen

Stimmungswechsel

25.01.2014, Erika Kröber

Zeichnung: Birgitt Eltzel

Prima und ich lieben es im Wuhletal am Fuße des Kienberges spazieren zu gehen. Mein Boxer-Fräulein legt dort gern mal einen Zwischenspurt ein, balanciert wie eine Gämse über die Steine im Bach und wälzt sich vor Vergnügen im hohen Gras. Natürlich wird auch gleich geübt, Enten und Reiher still zu beobachten statt ihnen nachzujagen. Ein Lehrpfad, auch für Hunde!

Dass Hundebesitzer schnell ins Gespräch kommen, ist bekannt. Neulich traf ich morgens eine junge Frau mit einem sehr anhänglichen Labrador. Sie fotografierte, der Hund stand versunken neben ihr. Das Schilf verhüllt vom aufsteigenden Morgennebel, Sonnenstrahlen durchbrachen den Dunst und brachten die vertrockneten Blätter zum Leuchten, bizarre Baumstümpfe im Hintergrund. Ein schönes Motiv, dachte ich. Die Hunde beschnüffelten sich und waren schnell in ein Spiel vertieft. Zeit für einen Schwatz. Sie schwärmte von diesem wunderbaren Hundeauslaufgebiet, so etwas gäbe es in Friedrichshain nicht und sie käme regelmäßig.

Aber bald wäre alles vorbei, ihr Gesicht verfinsterte sich plötzlich. Ich schaute sie irritiert an und erfuhr, dass in Kürze wegen der IGA 2017 hier alles abgesperrt werden würde. Dagegen müsse man als Hundebesitzer protestieren, sie hätte es schon getan. Überhaupt, dieser IGA-Quatsch, wen würde das schon interessieren, die Hartz IV-Leute hier drum herum könnten sich das sowieso nicht leisten.

Ihre anfangs sympathisch warme Stimme geriet in Höhenlagen, die bei mir als Altweiberkeifen ankamen. Eine kurze Atempause nutzte ich, um ein paar Dinge klar zu stellen und mich als IGA-Befürworterin zu outen. Nun färbten sich ihre Gesichtszüge röter, ihre Stimme überschlug sich, sachliche Argumente wurden abgeschmettert.

Plötzlich hörte ich Knurren neben mir. Ihr Labrador rückte meiner Prima bedrohlich nahe, kläffte sie an und zwickte ihr in die Lefzen, vorbei das friedliche Umhertollen. Was war bloß in den Hund gefahren? Prima und ich verständigten uns per Blickkontakt. Nichts wie weg. Schließlich wollte keine von uns beiden gebissen werden.

 

 

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Leserkommentare

  1. IGA2017 Kienberg
  2. Ja so ist leider.
    Ich muss der Hunde Besitzerin Recht geben, diese IGA2017 braucht niemand hier.

    Und man nimmt uns Hundebesitzern ein Stück Auslauffläche weg!

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