Karlshorst: Auf der Suche nach Ideen für die „Russenoper“

Theater soll reaktiviert werden

03.12.2019, Steffi Bey

Fotos: Stiftung Stadtkultur/Daniel Hölzl, Leo Müller

Karlshorst. Leere Stühle, geschlossener Vorhang, verlassene Bühne: Der Saal in dem imposanten Theater Karlshorst zwischen Ehrenfels- und Stolzenfelsstraße ist seit mehr als zehn Jahren ungenutzt. Aber das soll sich ändern. Die Stiftung Stadtkultur – 2018 von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Howoge gegründet, LiMa+ berichtete – will das einstige „Haus der Offiziere“, das von vielen Karlshorstern auch „die Russenoper“ genannt wird, wiederbeleben. Gemeinsam mit Vertretern der Senatskulturverwaltung, des Bezirks und der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Howoge sowie der oberen- und unteren Denkmalschutzbehörde, Architekten, Anwohnern, Vereinen und Interessierten aus der freien Kultur- und Theaterszene werden derzeit Ideen gesammelt, die in einem Konzept münden sollen.

Diskussion bei Werkstattgesprächen

„Bislang gab es vier Werkstattgespräche,  auf denen etliche Vorschläge zur Zukunft des Gebäudes diskutiert wurden“, berichtet Michael Wagner, Vorstand der Stiftung. Mit der Tendenz: Ein Volltheater wird es nicht mehr werden, sondern ein öffentlich genutztes Haus mit vielfältigen Angeboten für Karlshorst und gesamt Berlin. Denkbar seien unter anderem Veranstaltungen verschiedener Musikrichtungen, aber ebenso kleinere Theateraufführungen und Lesungen. Auch könnte das gegenüber befindliche Kulturhaus den Saal hin und wieder nutzen. Denn Platz ist mit den 600 Sitzen reichlich vorhanden. „Wir sind aber noch am Anfang unserer Überlegungen und denken in alle Richtungen“, macht Wagner deutlich. Maßgeblich für die Nutzung sei auf jeden Fall, dass sich das Konzept wirtschaftlich tragen müsse.

Möglich wäre es beispielsweise, den großen Saal multifunktional auszustatten: Ebenen einzuziehen und dadurch kleinere Räume zu erhalten. „Wie gesagt, das ist alles noch nicht entschieden“, betont der Stiftungsvorstand. Ebenso, ob vielleicht Stühle rauskommen oder eventuell der Fußboden begradigt wird.

Konzept soll im Frühjahr 2020 stehen

Michael Wagner geht davon aus, dass das endgültige Konzept im Frühjahr 2020 steht. „Wir haben den Ehrgeiz, dann bereits ab Herbst nächsten Jahres im Bühnenturm und in Teilen des Foyers Veranstaltungen anzubieten“, kündigt er an. Das könnten Ausstellungen oder Musik sein. Damit will die Stiftung schon in der Planungsphase testen, was an diesem Standort gut läuft. Bis dahin müssten dafür natürlich „die brandschutztechnischen und elektrischen Voraussetzungen geschaffen werden“. Optimistisch blickt Michael Wagner voraus und erklärt: „2021 könnte Baustart zur Umsetzung des neuen Konzeptes sein.“ Wünschenswert sei es, dann 2024 den historischen Bau völlig neu zu bespielen. Die Finanzierung werde aus drei Säulen gestemmt: durch die Howoge, die Stiftung Stadtkultur und durch Drittmittel wie beispielsweise Lotto- und EU-Fördergelder.

Obwohl der große Saal seit vielen Jahren im Dornröschenschlaf liegt, sind Teile des Gebäudes genutzt. So rüstete die Howoge zwischen 2008 und 2009 einstige Nebenräume wie Garderobe und Requisite für die Musikschule und ein Restaurant um.

Auch beim diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“ öffneten sich die Türen der „Russenoper“ und die Werkstattgespräche finden im alten Bühnenturm statt. Beim Weihnachtsmarkt am Sonnabend, 7. Dezember, und Sonntag, 8. Dezember, wird der vor dem Haus befindliche Johannes-Fest-Platz ebenfalls mit einbezogen.

Ein Leuchtturmprojekt

Michael Wagner, der frühere Prokurist der Howoge und ehemalige Leiter des Bestandsmanagements, erklärt, dass die Revitalisierung des Theaters das Leuchtturmprojekt der Stiftung Stadtkultur sei. Das Haus wurde 1948/49 auf Befehl des Chefs der russischen Militäradministration als Reparationsleistung Deutschlands an die Sowjetunion erbaut und diente lange als Kulturstätte für Angehörige der Sowjetarmee, die in Karlshorst stationiert waren. Nach dem Abzug der russischen Truppen ging der Theaterkomplex an die Howoge , die das Objekt zunächst an kulturelle Betreiber vermietete. Im April 2007 endete allerdings der Theaterbetrieb.

Mit der Gründung der Stiftung will die Wohnungsbaugesellschaft Immobilien, in denen soziale und kulturelle Projekte stattfinden, für die Zukunft sichern. Neben dem Theater Karlshorst wurden unter anderem die Hagenstraße 57 mit dem Wohnprojekt „Undine“ und die Treskowallee 109/111 sowie die Pfarrstraße 119, wo der Verein „Karuna“ suchtgefährdeten und suchtkranken Kindern und Jugendlichen hilft, an die Stiftung übertragen.

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