Förderverein für Schloss Biesdorf unter neuem Namen aktiv

Statt Stiftung nun Freunde

03.01.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Biesdorf. Der einst als Stiftung Ost-West Begegnungsstätte Schloss Biesdorf firmierende Förderverein hat seinen Namen geändert: Der rührige Schlossverein heißt nun offiziell Freunde Schloss Biesdorf e.V. Vereinsvorsitzender Dr. Heinrich Niemann erklärt, dass sich der vormalige Vereinszweck erfüllt habe: „Denn das Schloss ist saniert und hat sein Obergeschoss wieder.“ Die vom Berliner Architekten Heino Schmieden 1867/68 errichtete Turmvilla war in den letzten Kriegstagen 1945 zerstört und danach nur teilweise wieder aufgebaut worden. Nach der Wende verfiel das Haus weiter. Die Initiative für den denkmalgerechten Wiederaufbau, der 2016 abgeschlossen wurde, war vom Verein unter seinem Gründungsvorsitzenden Dr. Günter Peters (1928-2013) ausgegangen.

Unterstützung für die Weiterentwicklung des Hauses

Der Verein sammelte seit seiner Gründung im Jahr 2001 nicht nur Spenden und fungierte bei ersten Sanierungsarbeiten auch als Bauherr, sondern warb auch Fördermittel für die Wiederherstellung des spätklassizistischen Gebäudes im Biesdorfer Schlosspark ein. Wir berichteten darüber umfangreich zum 15. Vereinsjubiläum im Jahr 2016 (siehe hier). Auch jetzt haben sich die Schlossfreunde die Unterstützung des Hauses, das nach einem wenig gelungenen Zwischenspiel der Grün Berlin GmbH als kommunale Galerie geführt wird, auf die Fahnen geschrieben. Sie wollen dazu beitragen, wie es in ihrer Satzung heißt, das Denkmalensemble Schloss und Park Biesdorf „als geschichtsträchtige und identifikationsstiftende Stätte der Kultur und der Begegnung im Bezirk Marzahn-Hellersdorf“ zu entwickeln. Und dabei, so die Meinung des Vorstands des rund 30 aktive Mitglieder umfassenden Vereins, gibt es noch viel Luft nach oben.

Kritik: Förderzweck nur marginal bedient

Denn nach wie vor werde der eigentliche Zweck, für den insgesamt 10,3 Millionen Fördermittel vor allem von der EU und der Lottostiftung flossen, nur marginal bedient. Denn nach Willen der Fördermittelgeber sollte im Schloss DDR-Kunst aus dem Archiv Beeskow gezeigt werden. Das passiere zwar, aber quasi nur als ein verschämtes Feigenblatt. „Wie sich das entwickelt hat, ist absolut diskussionswürdig“, sagt Vorstandsmitglied Axel Matthies. Wie berichtet, ist die frühere Galerie M aus der Marzahner Promenade im Frühjahr 2018 aus der Marzahner Promenade ins Schloss gezogen, weil die Grün Berlin dort ihr Zentrum für Kunst und öffentlicher Raum (ZKR) Knall auf Fall aufgab. „Im Schloss passiert jetzt das Gleiche wie früher in der Galerie M“, kritisiert Matthies. Vor allem moderne (Konzept)Kunst werde von Galerieleiterin Karin Scheel präsentiert, die Ost-Kunst sei in kleine Räume verbannt. „Dabei könnte diese dem Schloss durchaus ein Alleinstellungsmerkmal in der Berliner Kunstlandschaft verschaffen.“ Dr. Niemann bekräftigt: „Über die Frage, wie ernst die Fördermittelgeber und ihre Zwecksetzung genommen werden, muss weiter gesprochen werden.“

Ausstellung zu Otto Nagel?

Eine Anregung hält der Verein gleich für dieses Jahr bereit. 2019 jährt sich der Geburtstag von Otto Nagel (1894-1967) zum 125. Mal. Das wäre ein guter Anlass für eine Nagel-Ausstellung im Schloss, so der Vereinsvorsitzende. Schließlich verbrachte der Künstler und Kulturpolitiker, der als bedeutender Maler des Proletariats gilt, die letzten 15 Jahre seines Lebens in Biesdorf. Im Ortsteil sind auch ein Gymnasium und eine Straße nach ihm benannt.

Nur wenige Abendveranstaltungen

Nicht für unbedingt günstig hält der Verein ebenfalls die bisherigen Öffnungszeiten des Schlosses. Diese sind: montags bis donnerstags 10 bis 18 Uhr, freitags 12 bis 21 Uhr, am Wochenende 10 bis 18 Uhr. Dienstags ist geschlossen. Viel zu selten gebe es in dem wunderschönen Haus auch abends Events – zum Beispiel wenn der Verein selbst zu Veranstaltungen wie den „Biesdorfer Begegnungen“ oder Vorträgen innerhalb einer gemeinsamen Reihe mit der Volkshochschule Marzahn-Hellersdorf einlädt. Eine weitere Kritik betrifft die Werbung: Zu wenig werde vor allem überregional Reklame gemacht. Doch selbst vor Ort wird kaum geworben. Ein Schild am Parkeingang gegenüber des S-Bahnhofs verweist lediglich auf die Parkbühne, über das Schloss und was darin zu sehen ist, erfährt der Betrachter nichts.

Kooperationsvereinbarung in der Warteschleife

„Über all diese Punkte muss geredet werden“, fordert der fünfköpfige Vereinsvorstand. Denn das Haus brauche eine konzeptionelle Weiterentwicklung. Bedauerlich sei, so Vorsitzender Niemann, dass die zuständige Kulturstadträtin Juliane Witt (Die Linke) zwar schon Anfang 2018 über eine Kooperationsvereinbarung mit dem Verein gesprochen habe, sich jedoch diesbezüglich noch nichts tat. „Das sollte nun rasch geschehen, denn das Schloss braucht auch weiterhin bürgerschaftliches Engagement.“

 

Über den Verein 

2001 wurde der gemeinnützige Verein unter dem Namen Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf gegründet. Im Oktober 2018 änderte er seinen Namen in Freunde Schloss Biesdorf e.V. Die Vereins-Website muss diesbezüglich noch überarbeitet werden. Es gibt rund 30 Mitglieder, darunter auch Vereine wie den Heimatverein Marzahn-Hellersdorf und Firmen. Von den Einzelpersonen sind mehr als zwei Drittel im Rentenalter. Weitere Mitstreiter werden gesucht. 

Im Jahr 2018 war der Verein u.a. Mitveranstalter der Festveranstaltung zum 150-jährigen Bestehen des Schlosses. Er stellte ein Porträt des Schlossarchitekten Heino Schmieden als Leihgabe zur Verfügung. Dieses hängt im Heino-Schmieden-Saal des Hauses. Die Benennung geht ebenfalls auf einen Vorschlag des Vereins zurück. Mit drei „Biesdorfer Begegnungen“ (Senatorin Katrin Lompscher und der Vorsitzende des Berliner Mietervereins Rainer Wild; Matthias Platzeck, früherer Brandenburger Regierungschef; Dr. Klaus von Krosigk, Leitender Gartenbaudirektor i.R.) wurde ein neues Format erfolgreich fortgesetzt. 10 Veranstaltungen gab es in der seit 2011 stattfindenden Vortragsreihe mit der Volkshochschule (VHS). Insgesamt 24 Führungen zum Schloss wurden durch Vereinsmitglieder durchgeführt. 

Geplant für 2019.: Stattfinden sollen u.a. drei bis vier weitere Biesdorfer „Begegnungen“, so im Februar zum Thema „Reichtum und Armut in Deutschland“. In der Vortragsreihe mit der VHS wird es u.a. um das Rittergut Biesdorf und die ersten Schloss-Bewohner gehen (16. Januar, 18 Uhr), im Mai um die Sanierung des Theaters am Park (TaP) und des Denkmalgebäudes „Kuhstall“ an der B 1/5.
Die traditionelle Führung durch den Schlosspark mit Besichtigung des Eiskellers soll wegen des großen Interesses statt einmal jährlich 2019 zweimal durchgeführt werden.
2019 wird das Biesdorfer Blütenfest zum 20. Mal stattfinden (30. Mai bis 2. Juni). Es war vor allem auf Initiative von Dr. Günter Peters und des Stadtteilzentrums Biesdorf des BALL e.V. ins Leben gerufen worden.

 

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