Auch Marzahn-Hellersdorf hat seine Stadtteilmütter

Familien stärken

06.05.2019, Regina Friedrich

Fotos: Regina Friedrich

Hellersdorf. Draußen ist es bereits dunkel, der Wind pfeift durch die Bäume im Garten. Im Familiencafé von Haus „Aufwind“ an der Nossener Straße 89 aber ist es gemütlich warm. Auf dem Tisch glimmen Teekerzen zwischen den Kannen, Kaffeetassen und Kuchentellern. Aus dem Raum nebenan tönt Kinderlachen. Dann geht die Tür auf, ein kleiner Junge entwischt seiner Mutter und trippelt zu den Frauen am Tisch. Großes Hallo, Umarmungen, Stühle rücken. Es ist wieder Mittwochnachmittag. Ab 16.30 Uhr treffen sich Frauen zum interkulturelle Frauensprachcafé, ein Angebot des  senatsgeförderten Familienzentrums „proNobis“.

Voneinander lernen

Eine der Frauen packt ein großes Heft heraus. Sie absolviert gerade einen Deutschkurs und hat Schwierigkeiten, einige Wörter zu verstehen. Gleich sind zwei andere Besucherinnen an ihrer Seite und versuchen sich gemeinsam an der deutschen Grammatik. Nein, hier werden nicht nur Vokabeln gebüffelt. Natürlich bringt die eine oder andere Frau, die gerade Deutsch lernt, ein paar „Hausaufgaben“ mit, aber davon profitieren alle, denn die Besucherinnen sind bunt gemischt. Sie kommen aus Ungarn und Moldawien, aus Mazedonien und Albanien, aus Syrien und Afghanistan und aus Hellersdorf. Die einen verbessern ihre Sprachkenntnisse, die anderen erfahren etwas über fremde Kulturen. „Wir lernen voneinander“, betonen alle und natürlich kommt auch der Spaß nicht zu kurz.  An diesem Nachmittag zum Beispiel gibt es etwas zu feiern: Eine der Frauen hat endlich einen Kitaplatz für ihre Zwillinge bekommen.

Beratung für Eltern

Unter den Frauen sind Madalina Todirascu und Mevlide Lahu, eine Familienlotsin und die neue Stadtteilmutter von Marzahn-Hellersdorf. Beide sind in der Gemeinschaftsunterkunft in der Maxie-Wander-Straße Ansprechpartnerinnen für die Eltern und betreuen dort gemeinsam das wöchentliche Elterncafé, das im vorigen Jahr eingerichtet wurde. „Das ist ganz gut angelaufen“, sagt Mevlide Lahu, „die Eltern kommen gerne und lassen sich beraten, wenn sie zum Beispiel Probleme mit Unterlagen haben. Viele wollen sich aber einfach nur unterhalten, manchmal auch über ihre Fluchterfahrungen. Da kann ich Kontakte knüpfen und Termine für Hausbesuche machen.“

Stadtteilmütter jetzt überall in Berlin

Seit 2004 gibt es in Berlin Stadtteilmütter, zuerst in Neukölln, dann in Kreuzberg, später auch im Wedding. Alle haben einen Migrationshintergrund und besuchen Familien zu Hause, die aufgrund sprachlicher oder kultureller Barrieren kaum oder gar nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Sie reden mit ihnen u. a. über Bildung und Sprache, Gesundheit und Erziehung. Seit 2018 gibt es in jedem Berliner Bezirk mindestens eine Stadtteilmutter.
„Am Angebot hat sich nichts geändert“, betont Mevlide Lahu, „auch ich besuche die Familien. Wer schon Deutsch spricht, kommt zu uns, um sich beraten zu lassen oder auch die Sprachkenntnisse zu verbessern. Anfangs habe ich mich in den beiden Unterkünften – wir betreuen auch die Einrichtung in der Albert-Kuntz-Straße – beim Elterncafé vorgestellt. Zuerst sind die albanischen Bewohnerinnen und Bewohner zu mir gekommen, dann die anderen. Bei Sprachproblemen helfen mir die Integrationslotsen und Integrationslotsinnen.“

Einige Familien aus der Unterkunft haben mittlerweile eine eigene Wohnung. Für sie und alle anderen, die nach Hellersdorf gezogen sind oder schon lange hier leben gibt es zahlreiche Angebote im Haus „Aufwind“: das Elternfrühstück, die Spiel- und Bewegungsgruppe, den Mehrlingstreff, die Hebammensprechstunde, den Spiel- und Kreativnachmittag, den Schülerclub und das Frauensprachcafé. Hinzu kommen regelmäßige Kurse für Familien wie FuN Baby und FuN Familie, die Eltern-AG und Erste-Hilfe am Kind, ein Kurs mit reger Beteiligung.

Inzwischen kommen immer mehr Eltern ins Haus „Aufwind“. „Es hat eine Weile gedauert, bis sie sich getraut haben, wir mussten sie zuerst immer begleiten“, erinnert sich Familienlotsin Madalina Todirascu. „Jetzt kommen einige sogar von ziemlich weit her zu uns.“

Brücken bauen

Die beiden Frauen sind oft im Sprachcafé. Sie helfen dann bei der Suche nach einer  Wohnung oder einem Kitaplatz. Bei speziellen Problemen vermitteln sie Ratsuchende auch an andere Beratungsstellen. „Wichtig ist, dass die Familien selbstständig werden“, sagt Stadtteilmutter Mevlide Lahu, „wir erfüllen ja nur eine Brückenfunktion.“
Derzeit werden die Veranstaltungen für dieses Jahr geplant. Sicher wird es wieder ein Sommerfest geben. Darauf freuen sich besonders die Kinder. Auch das interkulturelle Kochen wird weiterlaufen. Die Stelle von Mevlide Lahu besteht vorerst bis zum Jahresende. Nicht nur das Bezirksamt befürwortet eine Verlängerung, denn es hat sich gezeigt, wie wichtig auch in Marzahn-Hellersdorf die Unterstützung für Eltern ist, ganz gleich welcher Herkunft. Deshalb gibt es auch jeden Montag ab 7.30 Uhr an der Schleipfuhl-Grundschule das „Eltern-Café“, organisiert von Mitarbeiterinnen aus dem Haus „Aufwind“ und gefördert aus dem Programm „Soziale Stadt“. Bei Kaffee und Tee können sich Eltern austauschen, mit Lehrkräften sprechen und sich Tipps geben lassen zum Schulalltag und zur Erziehung, zum Umgang mit den Hausaufgaben und vieles mehr.

Auch in Lichtenberg arbeitet eine Stadtteilmutter. Sie ist an das Familienzentrum „Kikiflo“ in der Volksradstraße 4 angebunden.

Weitere Informationen:

Interkulturelles Frauensprachcafé: Mittwochs, 16.30-18.30 Uhr, Haus „Aufwind“, Nossener Straße 89, 12627 Berlin

Ansprechpartnerinnen:
Stadtteilmutter Mevlide Lahu, Tel.: 0176-12 00 44 72, E-Mail… Familienlotsin Madalina Todirascu. Tel.: 0157-85 12 41 54, E-Mail…


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