Sie wollen Präsenz zeigen und mit Bürgern ins Gespräch kommen

Stadtnatur-Ranger für Naturschutz

18.06.2020, Volkmar Eltzel

Fotos: Stiftung Naturschutz Berlin/ Susanne Jeran (1-2), Birgitt Eltzel (3-4), Volkmar Eltzel (5-7). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Berlin/ Lichtenberg. Sie patrouillieren, beobachten und dokumentieren. Vor genau einem Monat, am 18. Mai, startete in Berlin das Modellprojekt Stadtnatur-Ranger. Zwölf Ranger sind inzwischen in sechs Berliner Bezirken unterwegs. Bis zu 25 sollen es in der Pilotphase bis 2021 noch werden. Das Lichtenberger Team besteht aus der studierten Biologin und Ökologin Mira Langrock und dem studierten Forstwirt und Baumkontrolleur Frank Schneider.

Schnell in der Natur

„Lichtenberg ist nicht nur der Bezirk, in dem ich geboren und aufgewachsen bin, er ist auch der Bezirk, welcher in vielen Bereichen eine Vorreiterstellung einnimmt“, sagt Mira Langrock. Die Biologin erstellte mit Kollegen bereits das Artenfinder Serviceportal Berlin. Auf der Onlineplattform können Berlinerinnen und Berliner verschiedene Tierbeobachtungen melden und Fotos von Wildtieren hochladen.

Frank Schneider sagt: „In Lichtenberg habe ich immer das Gefühl schnell in der Natur sein. Im Norden lädt die einzigartige Feldmark zu ausgiebigen Spaziergängen ein.“

Die Wartenberger Feldmark ist für die beiden zunächst das vorrangige Arbeitsfeld. Später sollen die Falkenberger Feldmark und die Falkenberger Krugwiesen nördlich der Hohenschönhauser Straße hinzukommen. Große Flächen sind inzwischen Landschaftsschutzgebiete (LiMa+ berichtete).

Mit Tablet, Fernglas und Kameras

Arbeitsschwerpunkte sind unter anderem die Kontrolle der Kleingewässer und der Amphibien-Populationen. Das Monitoring von Tieren mit Hilfe von Wildtierkameras, die Erfassung der Vogelarten sowie die Zählung und Hochrechnung der jeweiligen Populationen zählen ebenfalls dazu.

Zur ständigen Ausrüstung der Ranger gehören neben der markanten Outdoor-Kleidung auch ein Fernglas, Fotoapparate, ein Tablet zur Dateneingabe, ein Erste-Hilfe-Set, ein Messer und eine Taschenlampe. Darüber hinaus stehen auch spezielle Geräte zur Verfügung, wie zum Beispiel Wildtier- und Wärmebildkameras mit Bewegungsauslöser und Fledermausdetektoren.

Für den Naturschutz sensibilisieren

„Eine sehr wichtige Aufgabe ist es, Präsenz zu zeigen, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen und sie für den Naturschutz weiter zu sensibilisieren“, sagt Projektleiter Lars Büttner. Dabei wollen Mira Langrock und Frank Schneider auch Ansprechpartner sein, wenn die Lichtenbergerinnen und Lichtenberger bei ihren Naturspaziergängen Auffälligkeiten feststellen. In Kürze wird eine E-Mail-Adresse freigeschaltet, auf der die Stadtnatur-Ranger direkt zu erreichen sind.

Überzeugen und miteinander reden

„Freilaufende Hunde sind in den Natur- und Landschaftsschutzgebieten ein Problem“, sagt Frank Schneider. „Sie durchstöbern Hecken, jagen Wildtiere und missbrauchen die Kleingewässer als Badetümpel. Oft sind sich die Halter nicht bewusst, dass dadurch die ohnehin gefährdeten Amphibien empfindlich in ihrem Lebensraum gestört werden.“ Die Ranger verstehen sich aber nicht als verlängerter Arm des Ordnungsamtes. „Wir reden mit den Leuten, leisten Überzeugungsarbeit und machen Vorschläge“, erklärt Mira Langrock.

Ärgerlich sei es, wenn Spaziergänger einfach ihren Müll in der Natur hinterlassen. Natürlich sammeln die Stadtnatur-Ranger auch mal etwas auf. „Doch wenn es überhandnimmt, dann informieren wir die Lichtenberger Naturschutzbehörde und veranlassen eine Beräumung.“

Führungen geplant

„Eine besondere Herausforderung für uns ist die Größe der Gebiete“, sagt Frank Schneider. „Zum Glück haben wir Fahrräder bekommen, sodass man schnell von einer Ecke zur anderen kommt.“ Noch sammeln Mira Langrock und Frank Schneider Erfahrungen, für welche Arbeiten wie viel Zeit benötigt wird. Später sind auch Führungen durch die Feldmark zu verschiedenen Naturthemen mit Kindern, Schülern und Erwachsenen geplant. Kontaktaufnahmen zu Kitas und Schulen laufen bereits.

Lichtenbergs Umweltstadtrat Martin Schaefer (CDU) freut sich über die Stadtnatur-Ranger: “Das sind versierte und engagierte Fachleute, die mit beiden Händen anpacken können. Es wird eine breite Zusammenarbeit mit dem Lichtenberger Umwelt- und Naturschutzamt sowie mit dem Straßen- und Grünflächenamt geben. Der Verein Naturschutz Berlin-Malchow hat eine Kooperation angeboten.”

Wie wird man Stadtnatur-Ranger?

„Ein biologisch-ökologischer Hintergrund ist eine wichtige Voraussetzung“, sagt der Berliner Projektleiter Lars Büttner. Berufe, die beispielsweise mit Biologie, Forst- oder Landwirtschaft, Tierpflege oder Landschaftspflege- und Gartengestaltung zu tun haben, sind von Vorteil.“ Ein abgeschlossenes Studium sei nicht zwingend erforderlich, gute Artenkenntnisse und praktische Erfahrungen bei der Arbeit in der Natur hingegen schon. „Die Stadtnatur-Ranger müssen außerdem den Menschen zugewandt sein und auch mit Konfliktsituationen umgehen können.“

Auch Marzahn-Hellersdorf im Blick

Perspektivisch werden noch Ranger gesucht. Die Stiftung Naturschutz Berlin als Projektträger bemüht sich, auch in Marzahn-Hellersdorf diese Naturschützer einzusetzen. Von Initiativbewerbungen rät Lars Büttner aber ab. „Wir sind als Stiftung angehalten, für Stellenbesetzungen Ausschreibungsverfahren durchzuführen.“ Wer Interesse hat, sollte die Webseite aufmerksam beobachten und dann reagieren.

Während der Pilotphase bis 2021 wollen die Pioniere des deutschlandweit einzigartigen Vorhabens Bürger, Bezirksämter und das Land Berlin davon überzeugen, dass Stadtnatur-Ranger für die Metropole nützlich und wichtig sind. Die Naturschützer hoffen, dass das von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz finanzierte Projekt in Zukunft unbefristet fortgeführt wird.


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