Beim Gesobau-Projekt soll Gut Hellersdorf wieder belebt werden

Schluss mit Dornröschenschlaf

13.11.2019, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Hellersdorf. Zwischen Zossener Straße und der Kastanienallee werden sich bald wieder die Kräne drehen. Auf sechs Baufeldern will die städtische Wohnungsgesellschaft Gesobau Wohnhäuser und Gewerbeeinrichtungen errichten. Im Mittelpunkt steht das alte Stadtgut Hellersdorf. In die denkmalgeschützten Backsteinbauten soll neues Leben einziehen.

Auch Sport- und Freizeitflächen vorgesehen

Auf dem Gesobau-Gelände entstehen nicht nur neue Wohnungen, sondern es sind auch Sport- und Freizeitflächen vorgesehen. So sollen die Skater aus dem Liberty-Park an einen anderen Standort, nur wenige hundert Meter entfernt, ziehen. Die Aktivitäten der jungen Leute würden sonst zu viel Lärm für die neuen Bewohner verursachen. Nun müssen nur noch die Anträge für die Fördermittel gestellt und natürlich auch bewilligt werden. Für die Gartenfreunde ist es sicher eine gute Nachricht, dass die Kleingartenanlage am Rande des Gutes erweitert wird und zum anderen auch der von den Kreuzberger Prinzessinnengärten betriebene Gemeinschaftsgarten im nördlichen Bereich einen neuen Platz erhalten wird.

Bauarbeiten beginnen im nächsten Frühjahr

Im März 2020 sollen die Bauarbeiten auf dem Grundstück Zossener Straße 136 beginnen. Insgesamt werden über 1.200 Wohnungen bis Ende 2022 auf denBaufeldern in der Zossener Straße, im Havelländer Ring und in der Kastanienallee errichtet. Die Arbeiten finden zeitversetzt statt. Die Wohnungen sind unterschiedlich groß. Von der Einraumwohnung bis zur großen Fünfraumwohnung ist alles dabei. Auch architektonisch sollen sich die Häuser unterscheiden. Spezielle Wohnungen für Senioren aber auch für Studenten sind ebenfalls vorgesehen. Betreuungsmöglichkeiten für Ältere sowie ein Kiezcafé sind im sogenannten Baufeld 3 geplant. Auch an zwei Garagen mit insgesamt 1.100 Stellplätzen ist gedacht.

Als kommunale Wohnungsbaugesellschaft sieht sich die Gesobau auch in der Verantwortung, etwas für das soziale Umfeld zu tun. So gehören zwei Stadtplätze – an der Zossener Straße und im Gut Hellersdorf – zum Projekt. Gleichzeitig sollen die beiden Plätze auch eine Ausgleichsmaßnahme sein, weil Brachflächen bebaut werden und damit dort Grün verschwindet.

Eine besondere Herausforderung

Eine besondere Herausforderung für den Bauherren ist das alte Gut Hellersdorf. Das seit einem Vierteljahrhundert im Dornröschenschlaf verharrende Ensemble soll  wieder aufgeweckt werden. Es ist der älteste Teil Hellersdorfs, war Rittergut, Rieselgut, Volkseigenes Gut – ein Ort voller Geschichte. Als Teil des Dorfes Hellersdorf war es zugleich Namensgeber für den Bezirk Hellersdorf. Seit Anfang der 1990er-Jahre wurden verschiedene Ideen geschmiedet, das Gut sollte zur Weltausstellung Expo 2000 sogar versteigert werden. Kunst, Kultur, Künstler und Ateliers könnten angesiedelt werden, daneben Wohnungen und kleines Gewerbe, waren die Vorstellungen der 1990er-Jahre. Doch es tat sich nichts.

“Modernes Dorf” geplant

Nun bekommen die alten, denkmageschützten Gebäude eine neue Chance. Dabei soll auch das Gutshaus saniert werden. Dort hat sich inzwischen die Gesobau mit ihrem Informationsbüro niedergelassen. Im Haus gab es vor vielen Jahren eine Ausstellung über die mögliche Entwicklung des Dorfes. Die alten Tafeln sind noch erhalten geblieben – die Besucher können sich vor Ort darüber informieren.

Die Gesobau plant ein „modernes Dorf“. Nach Möglichkeit wenig Autoverkehr, eine „Tankstelle“ für Elektrofahrzeuge aller Art und Möglichkeiten für kulturelle Veranstaltungen. Kleines Gewerbe, Kunst, Kultur, Veranstaltungen, Gastronomie und ein Wochenmarkt sollen ins Dorf ziehen. Doch in rund 20 Häusern sind seit Jahren ganz unterschiedliche Gewerbebetriebe ansässig. Mit allen Firmen steht die Gesobau im Kontakt. Nach Möglichkeit sollen auch alle Unternehmen am Standort bleiben können. Über das Vorhaben hatten Gesobau-Vertreter kürzlich die Nachbarn im Kiez informiert. Dieser Veranstaltung waren schon viele Informationsgespräche und Werkstattgespräche vorausgegangen, LiMa+ berichtete . Für die Gewerbetreibenden sollen während der Bauarbeiten an den denkmalgeschützten Häusern Ersatzquartiere geschaffen werden. Insgesamt stehen im Gut Hellersdorf rund 8.000 Quadratmeter Gewerbefläche zur Verfügung.

Wunsch: Mehr Bäume

Viele Fragen sind allerdings noch nicht gelöst. So forderten Einwohner während der Diskussionsveranstaltung, mehr Bäume zu pflanzen. Denn diese sind wichtig für das Stadtklima. Auch Vorschläge zur Nutzung des Regenwassers gab es. Denn nahe dem Quartier verläuft der Hellersdorfer Graben, der dringend mehr Wasser braucht. Das soll bei weiteren Gesprächsrunden geklärt werden.


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