Aleksandr Gusev baut wunderschöne Stücke für Abenteuerspielplatz

Spielgeräte aus alten Paletten

22.09.2018, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey

Marzahn. Verstecken, Neues entdecken oder einfach mal zurückziehen: Auf dem Abenteuer-Umwelt­Spielplatz „Wicke“ ist das möglich. Doch schon auf den ersten Blick unterscheidet sich das weitläufige Gelände im Norden Marzahns von anderen Orten dieser Art. Denn an der Schorfheidestraße 52 sind sämtliche Spielgeräte handgefertigt.

Kreativer Kopf und Baumeister

Aleksandr Gusev ist kreativer Kopf und Baumeister in einem. Er gestaltet die robusten Gegenstände und macht aus jedem ein ganz besonderes Stück. So wie die Laube, die mit viel Liebe zum Detail geschaffen wurde: Die leuchtend rote Holzfassade, die weißen Zaunelemente und die geschwungene Giebelverzierung erinnern ein bisschen an ein Hexenhäuschen aus dem Märchen.

Auf der anderen Seite des Grundstücks drehen sich braun-gelb-gestreifte Flügel. Rundbogenfenster und eine Tür, die von uralten Metall-Scharnieren gehalten wird, geben der Windmühle ihren Charme. Direkt davor hockt ein kleiner Hund – ebenfalls aus Holz gefertigt, ebenfalls von Aleksandr Gusev. Solche liebenswerten Hingucker verewigte der 60-Jährige auf jedem seiner Werke.

Hase und Wolf

Hase und Wolf-Figuren an der Laube, drollige Tiermotive am Pavillon oder an der großen Rutsche und an der Lok. Die reparierte Aleksandr Gusev in den vergangenen Monaten. Schließlich war das hölzerne Gefährt in die Jahre gekommen. „Das Arbeiten draußen in der Natur und noch dazu mit Holz ist für mich wunderbar“, sagt der aus Kasachstan stammende Handwerker. Eigentlich ist er Elektriker von Beruf. Aber eine feste Arbeit fand der geschickte Bastler in dieser Branche nicht. Als ihn das Arbeitsamt schließlich vor eineinhalb Jahren an die Spielplatzinitiative Marzahn vermittelte, blühte der Vater zweier erwachsener Kinder und eines Enkelsohns richtig auf.

Sie nennen ihn Puschkin

„Für uns ist ´Puschkin`, wie wir Aleksandr nennen, ein Hauptgewinn“, sagt Vereinsvorsitzender Matthias Bielor. Er schätzt an ihm vor allem seinen Ideenreichtum, seine Fantasie und seine Fähigkeit, das was er sich in den Kopf gesetzt hat, auch umzusetzen. Manchmal holt sich der Baumeister für seine Spielgeräte Konstruktions-Anregungen aus dem Internet. Und dann wird drauflosgearbeitet – ohne Skizze. „Ich habe das alles im Kopf“, sagt „Puschkin“ lächelnd. Eine der bislang größten Herausforderungen war sein neuestes Werk: eine zweietagige Rakete mit Rutsche. Denn wegen der kubischen Form musste immer wieder gemessen und gesägt werden. In diesen Tagen erhält sie noch ihren blauen Endanstrich.

Aus Abfall wird Neues

Bemerkenswert ist zudem das Material, was Aleksandr Gusev benutzt. „Überwiegend nichts Gekauftes“, betont Vereinsvorsitzender Bielor. „Sondern meistens Abfallprodukte wie Paletten.“ Gebrauchte Schrauben, Scharniere und Nägel werden ebenfalls von ihm aufgearbeitet. Und woher nimmt er seine Gestaltungs-Ideen? „Oft bringt mich mein Enkel auf eine Spur“, sagt Gusev. Für ihn selbst ist es jedes Mal „ein schönes Erlebnis, wenn die Kinder die Spielgeräte erkunden und gleich annehmen“, berichtet er.

Spielplätze haben an Charme gewonnen

Das handwerkliche Talent hat er von seinem Vater. Der war Tischler und brachte dem jungen Aleksandr damals schon viel bei. Auch auf dem zweiten Berliner Platz der Spielplatzinitiative hat der versierte Baumeister seine Spuren hinterlassen. An der Ahrensfelder Chaussee, in Marzahn West, treibt ein Piratenfloß im Sand-Meer. „Unsere Spielplätze haben definitiv an Charme und Möglichkeiten gewonnen“, sagt Susanne Gontard, die sich ehrenamtlich im Verein engagiert.

Im Bundesfreiwilligendienst

Neben den einzigartigen Spielgeräten können Besucher unter anderem Bildungs- und Bastelangebote buchen. „Wenn wir mehr festes Personal hätten, könnten wir noch mehr anbieten und länger öffnen“, sagt auch Barbara Pitters von der Initiative. „Wir werden Null gefördert, decken aber wenigstens mit den Einnahmen der verschiedenen Veranstaltungen – auch im Lehmhaus „Alpha“die Kosten für Strom und Wasser“, erklärt Vorsitzender Matthias Bielor.

Aleksandr Gusev arbeitet inzwischen im Bundesfreiwilligendienst auf dem Platz. Wenn es zeitlich passt, genießt er hin und wieder eine kurze Pause auf dem idyllischen Gelände: setzt sich auf eine Bank in den Schatten oder direkt an den Teich.

Weitere Infos zu den insgesamt drei Abenteuerspielplätzen des Vereins hier…

 

 

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