Kinderforschungszentrum ausgezeichnet

Spielend begreifen

15.01.2014, Birgitt Eltzel

Foto: Klaus Tessmann

Hellersdorf. Als “herausragende Bildungsidee” wurde am Dienstag, dem 14. Januar, das Hellersdorfer Kinderforschungszentrum “Helleum” im bundesweiten Wettbewerb “Ideen für die Bildungsrepublik” ausgezeichnet. Der Ausscheid, ausgeschrieben von der Initiative “Deutschland – Land der Ideen” fand zum dritten Mal statt. Mehr als 1.000 Projekte und Einrichtungen aus der gesamten Bundesrepublik hatten sich beworben, 52 Preisträger wurden von der Jury gekürt. Alle erhalten eine Urkunde, ein Preisgeld gibt es nicht.

Experiment: Was wird aus Gelb und Blau?
Während der Auszeichnungsveranstaltung konnten Kinder zeigen, was sie im “Helleum” so erkunden. Jasmin füllt blaues Wasser in ein Reagenzglas, Emily kippt gelbes nach. Die Flüssigkeit wird langsam grün, je mehr Gelb dazukommt, umso satter wird der grüne Ton. “Hast Du das gesehen?”, fragt Jasmin. “Wollen wir noch mehr Gelb?” “Ne, das reicht. Jetzt machen wir mal was mit Rot.” Die beiden Mädchen aus der 2. Klasse der Pusteblume-Grundschule sind voll in ihr Experiment vertieft, die neugierig guckenden Erwachsenen stören sie kaum. Ein paar Stationen weiter probieren ihre Mitschüler aus, was geschieht, wenn Gegenstände ins Wasser gelassen werden: Steine, Holzklötzchen, Knete, Papierschiffchen. Was schwimmt, was sinkt, was schwebt? Und warum? Nur wenige Meter entfernt gucken zwei Jungs konzentriert durchs Mikroskop – unter der Linse werden die Blattteilchen auf einem Glasplättchen plötzlich ganz groß, auch feinste Strukturen sind zu erkennen.

Spezielles pädagogisches Konzept
Die Zweitklässler sind kleine Forscher. Sie entdecken im “Helleum” die naturwissenschaftliche Welt – nach einem ganz speziellen pädagogischen Konzept. Statt den Mädchen und Jungen fertige Experimente vorzusetzen, dürfen sie in der Lernwerkstatt selbst ausprobieren, was passiert, wenn sie beispielsweise selber Wind erzeugen, Wasser durch Röhren gießen oder in Luftballons füllen. Für die Beantwortung ihrer Fragen sorgen vier Lehrkräfte und zwei Erzieher, auch drei studentische Hilfskräfte arbeiten als Lernbegleiter mit den Kindern.

Professor Dr. Hartmut Wedekind, der wissenschaftliche Leiter des Kinderforschungszentrums, setzt auf die kindliche Neugier: “Durch unser qualifiziertes, frühes und altersgerechtes Herangehen an die naturwissenschaftliche Bildung wecken wir das Interesse der Kinder.” So könnten sie spielerisch erste positive Erfahrungen im naturwissenschaftlichen Bereich sammeln, sagt der promovierte Lehrer für Mathematik und Physik, der an der Alice-Salomon-Hochschule zu Frühpädagogik und Didaktik lehrt.

Gäste auch aus dem Ausland
Mehr als 7.000 Kinder und rund 800 Erwachsene haben das “Helleum” seit seiner Eröffnung im Januar 2013 bereits besucht. Die meisten kamen aus Kitas und Schulen aus dem Bezirk, manche an Familiennachmittagen gemeinsam mit ihren Eltern. Aber auch aus anderen Berliner Bezirken, weiteren Bundesländern und aus dem Ausland wurden Gäste empfangen. Die Workshops für Kita-Kinder und Grundschulklassen sind schon bis zum Ende des Schuljahres 2013/2014 ausgebucht.

Professor Toni Sylvester lehrt an der Western Cape Universität von Kapstadt, gerade ist er einen Monat an der Alice-Salomon-Hochschule. Das “Helleum” findet der Erziehungswissenschaftler “ganz hervorragend”, die Erfahrungen von dort will er in sein Heimatland mitnehmen. Bereits reagiert haben das Berliner Naturkundemuseum, das Wettermuseum im Brandenburgischen Lindenberg und der Museumspark Rüdersdorf, mit denen die Einrichtung kooperiert. “Auch dort wurden jetzt Lernwerkstätten aufgebaut”, sagt “Helleum”-Leiterin Olga Theisselmann.

Anfangs ein Ding der Unmöglichkeit
Dabei hatte es anfangs so ausgesehen, als sei die Idee für ein Kinderforschungszentrum “eine Unmöglichkeit”, sagt Marzahn-Hellersdorfs Bürgermeister Stefan Komoß (SPD). Denn zunächst war niemand so richtig dafür zuständig, auch das Geld fehlte. Nachdem sich der Bezirk, die Bildungsverwaltung des Senats und die Alice-Salomon-Hochschule zusammentaten, konnte aus der Idee doch noch Realität werden: Der bungalowähnliche Neubaubau an der Kastanienallee 59 wurde für eine knappe Million Euro aus Förderprogrammen und durch Sponsoren finanziert. Die Bildungsverwaltung gibt Geld für die Betreuer, auch die Alice-Salomon-Hochschule stellt Personal zur Verfügung. Und vom Bezirk kommen jährlich 10.000 Euro für die notwendigen Materialien. Stiftungen und der Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreis engagieren sich ebenfalls finanziell und materiell.

Pläne für weiteren Ausbau
Kaum gab es die erste Auszeichnung, kommt eine weitere gute Nachricht: “Das ‘Helleum’ ist als Projekt der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung aufgenommen worden”, sagt Professor Wedekind. Und es gibt bereits Pläne zum weiteren Ausbau der Einrichtung: 2015 soll ein zweigeschossiger Anbau ans Haus kommen, gedacht als Experimentierraum für Oberstufen-Schüler. Kooperiert werden soll dabei mit Wissenschaftlern der Humboldt-Universität. Noch allerdings ist das Geld dafür nicht vorhanden. “Wir sind aber optimistisch und wollen im Sommer den Antrag auf Förderung einreichen”, sagt Wedekind.

Weitere Informationen: www.helleum-berlin.de

Foto 1: Spielend lernen die Zweitklässler
Foto 2:  Auch Erwachsenen macht das Experimentieren Spaß
Foto 3: Jasmin (l.) und Emily aus der Pusteblume-Grundschule
Foto 4: Arche-Gründer Bernd Siggelkow (l.), hier mit Bürgermeister Stefan Komoß, saß in der Wettbewerbs-Jury
Foto 5: Der Bürgermeister, hier mit “Helleum”-Pädagogen Holger Haas, geht barfuß ins “Rednerpult”, ein Plastikbecken
Foto 6: Professor Dr. Hartmut Wedekind (M.) nimmt die Urkunde entgegen
Foto 7: Der Professor mit kleinen Forschern
Foto 8: Das Haus in der Kastanienallee 59 wurde vor einem Jahr eröffnet

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