Personalwechsel im Bezirksamt

SPD nominiert Kevin Hönicke

26.02.2020, Marcel Gäding

Fotos: Kevin Einenkel (1), Marcel Gäding (2-4). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Die Lichtenberger SPD hat den Kommunalpolitiker Kevin Hönicke für das Bezirksamt nominiert. Der bisherige Fraktionsvorsitzende soll stellvertretender Bezirksbürgermeister sowie Bezirksstadtrat werden.

Das war eindeutig: Gleich im ersten Wahlgang haben die Lichtenberger Sozialdemokraten am Montagabend, 24. Februar, Kevin Hönicke nominiert. Der Familienvater erhielt auf der SPD-Kreisdelegiertenversammlung 31 von 50 Stimmen und setzte sich gegen seine beiden Mitbewerber Teodora Gionova-Busch sowie Kai-Uwe Heymann durch. Damit ist Hönicke nun offiziell Kandidat der SPD für einen freiwerdenden Posten im Bezirksamt. Die bisherige Amtsinhaberin Birgit Monteiro gibt ihren Posten Ende März auf. Nach der Nominierung wird die SPD nun auf das Büro der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) zugehen und die Wahl ins Bezirksamt für den 19. März auf die Tagesordnung setzen lassen.

Von der Autowerkstatt ins Rathaus

Zuvor will sich Hönicke den Fraktionen von CDU und Linke sowie den Bezirksverordneten der Grünen vorstellen. Ein Gespräch in der AfD-Fraktion hingegen soll es nicht geben. „Ich werbe nicht um deren Stimmen, sie können gern die Möglichkeit der Aussprache in der BVV nutzen“, sagte Hönicke auf Nachfrage. Er setzt ganz auf die Mehrheit von Rot-Rot in der BVV, rechnet aber auch mit Stimmen von CDU und Grünen. In den Vorabrunden wird es vermutlich eher um inhaltliche Aspekte gehen. Denn Hönicke ist in der Bezirkspolitik von Lichtenberg fest verwurzelt, bei den Verordneten der anderen Fraktionen bestens bekannt. Seit 2011 gehört er der BVV an, seit 2016 ist er Vorsitzender der SPD-Fraktion. Vor allem sein Werdegang beeindruckte die Genossen auf der Kreisdelegiertenversammlung am Montagabend: Kind einer alleinerziehenden Mutter, gelernter Kfz-Mechaniker, Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, Lehramtsstudium. So etwas findet sich in den Biografien von SPD-Mandatsträgern inzwischen nur noch selten.

Kevin Hönicke setzt auf Teamarbeit

Sein möglicher Wechsel ins Bezirksamt dürfte reibungslos ablaufen. Für seine Tätigkeit als Mathe- und Physiklehrer am Otto-Nagel-Gymnasium lässt sich Kevin Hönicke beurlauben. „Meinen letzten Unterrichtstag habe ich dann am 31. März“, sagt der 35-Jährige. Ende März soll auch im Rahmen einer Fraktionsklausur am Wannsee entschieden werden, wer Hönickes Nachfolger an der Spitze der 13 Mitglieder starken SPD-Fraktion wird. Er selbst hofft, dass sein geplanter Wechsel ins Bezirksamt kein Vakuum entstehen lässt. „So schnell wie möglich möchte ich mit den Mitarbeitern ins Gespräch kommen und schnell arbeitsfähig sein.“ Die Themen, die in seinem Ressort anstehen, kennt er alle aus der BVV: Rahmenpläne für den Fennpfuhl und die Herzbergstraße, der Konflikt um einen Hundesportplatz in Hohenschönhausen oder die Bebauung von Karlshorst sind nur einige Vorgänge, die er bereits auf dem Schirm hat. Hinzu kommen die Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik und der soziale Bereich. Hönicke hofft zudem, dass das Bezirksamt schnell als Team zusammenfindet.

Das Team – damit sind die anderen Bezirksstadträte und Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) gemeint. Letzterer hatte dem Vernehmen nach mit seiner bisherigen Stellvertreterin so seine Probleme, wie Mitarbeiter des Rathauses berichten. Hönicke sagt, er strecke seine Hand aus. „Ich arbeite gerne im Team, bin aber auch ein ehrlicher Mensch, der sagt, was er denkt.“ Er setzt auf Kooperation statt auf Konfrontation. Ähnlich hat sich auch Martin Schaefer (CDU) geäußert, der erst im Februar sein Amt als Bezirksstadtrat für Schule, Sport, Öffentliche Ordnung, Umwelt und Verkehr antrat – weil sein Vorgänger Wilfried Nünthel altersbedingt ausschied.

Birgit Monteiro geht zur Kasper-Hauser-Stiftung

Für Birgit Monteiro hingegen endet ein Lebensabschnitt, wie sie sagt. Sie gehörte dem Bezirksamt fast fünf Jahre an – zunächst als Bezirksbürgermeisterin, nach den Berlin-Wahlen 2016 als stellvertretende Bezirksbürgermeisterin und Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, Soziales, Wirtschaft und Arbeit. „Politik ist ja immer ein Amt auf Zeit“, erklärte sie gegenüber LiMa+. Sie sei froh, dass es einen solch guten Übergabeprozess gibt. Denn nicht nur ihre Ämter im Bezirksamt legt sie nieder. Auch für das Amt der SPD-Kreisvorsitzenden wird sie nicht mehr kandidieren. An ihre Stelle sollen Anja Ingenbleek und Erik Gührs als neue Doppelspitze rücken. Sie sei vergangenes Jahr 50 geworden und habe sich überlegt, dass sie nicht bis zur Rente in der Politik sein will. Sie habe gelernt, wie Politik funktioniere und dass dies schon eine besondere Welt sei. „Ich bin in Stellungskämpfen nicht die Beste“, sagt sie mit Verweis auf die zuweilen schwierige Zusammenarbeit im Bezirksamt. Das habe viel Kraft und Energie gekostet, denn sie arbeite viel lieber im Team. Andererseits sei sie dankbar für die spannenden Begegnungen, „auch mit engagierten Menschen in der Verwaltung“.

Resturlaub vor dem Wechsel

Mit Freude schaue sie nun auf die nächste berufliche Herausforderung: Birgit Monteiro wechselt als geschäftsführende Vorständin in die Kasper-Hauser-Stiftung nach Pankow. Die Organisation mit knapp 140 Mitarbeitenden betreut um die 500 Menschen mit sogenanntem Assistenzbedarf. Dort werde nichts über die Köpfe der Menschen entschieden, sondern alles gemeinsam. „Wirtschaftliches und soziales Handeln gehen dort sehr eng zusammen“, sagte Monteiro.

Ihren letzten Arbeitstag hat sie am 16. März. Dann nimmt Birgit Monteiro auch ihren letzten Termin wahr – die Vorbereitung der Trägerversammlung des Jobcenters Berlin-Lichtenberg. Vor dem Wechsel in die Sozialwirtschaft verbringt sie ihren Resturlaub auf einer Reise mit dem Interrail durch die Benelux-Länder – „vorausgesetzt, das Corona-Virus durchkreuzt diese Pläne nicht“.


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