Einzigartiger Service aus Marzahn für Senioren

Sophia ruft auch selber an

23.04.2014, Birgitt Eltzel

Fotos (1-3): Birgitt Eltzel, Bildquelle (4): Sophia GmbH

Marzahn-Hellersdorf. Vor sieben Jahren in Marzahn-Hellersdorf gestartet, bietet die Sophia GmbH ihren Service für Senioren nun in allen Berliner Bezirken an. Das Kürzel Sophia steht für Soziale Personenbetreuung – Hilfen im Alltag und richtet sich vor allem an ältere Alleinstehende. Nach den bisherigen Erfahrungen verlängert sich durch diese Betreuung die Zeit, die diese trotz körperlicher Beeinträchtigungen in der eigenen Wohnung verbringen können und nicht in Pflegeeinrichtungen, um durchschnittlich 2,8 Jahre. Gesellschafter der Einrichtung, die in der Mehrower Allee 52 in Marzahn ihren Sitz hat, sind die beiden städtischen Wohnungsunternehmen Degewo und Stadt und Land. Beide Firmen haben insgesamt rund 40.000 Wohnungen in Marzahn-Hellersdorf.

“Das beruhigt ungemein”
Egon Daniel sitzt vor seinem großen Flachbildfernseher. Er hat ihn mit seinem Laptop verbunden und versucht gerade, einzelne Videoaufnahmen, die zu seinem 90. Geburtstag vor einigen Tagen gedreht wurden, zu einem Film zusammenzufügen. Der frühere Elektriker von Fernmeldeanlagen, der gehbehindert ist, lebt seit dem Tod seiner Frau vor acht Jahren allein in einer Zweizimmer-Wohnung in der Gropiusstadt in Neukölln. Mit der Sophia-Zentrale in Marzahn ist er durch das wasserdichte Armband verbunden, das ein wenig wie eine Uhr aussieht. Er trägt es am rechten Handgelenk. Durch einen Druck auf den roten Knopf kann er den Notruf auslösen, wenn Hilfe erforderlich ist. Zum Beispiel, wenn er stürzen sollte und nicht allein wieder aufstehen kann. Dann versucht ihn die Zentrale zu erreichen – und gelingt dies nicht, wird jemand zu ihm geschickt. Seine Schlüssel hat er für solche Fälle hinterlegt. “Das beruhigt schon ungemein”, sagt Egon Daniel. Seit 2012 hat der gebürtige Berliner dafür einen Vertrag abgeschlossen, als Degewo-Mieter bekommt er die Leistung sogar etwas preiswerter.

Entwickelt an der Uni Bamberg
Es gibt viele Notruf-Anbieter in Berlin, das Rote Kreuz beispielsweise oder die Malteser. Rudolf Kujath, der frühere Geschäftsführer von Stadt und Land, seit 2007 Sophia-Chef, sagt jedoch, dass das System des Marzahner Unternehmens etwas Besonderes ist. Das wurde 2001 an der Universität Bamberg entwickelt, die Berliner Sophia GmbH ist Lizenznehmer. Es beinhaltet nicht nur den klassischen Notruf, sondern auch einen, etwas teureren, Sicherheitsnotruf. Dieser übermittelt sogar 24 Stunden am Tag durch einen Sensor am Armband Körpersignale an die Zentrale, wo Aktivitätskurven aufgezeichnet werden – Bewegung, Ruhe oder Schlaf. Gibt es zu ungewöhnlichen Zeiten keine Körperaktivität, wird versucht, Telefonkontakt aufzunehmen. Klappt das nicht, wird der Kunde aufgesucht. “Denn es kann sein, dass er gar nicht mehr in der Lage war, den Knopf zu drücken”, sagt Kujath. Und noch etwas ist anders als bei herkömmlichen Notruf-Services: Die Betreuten werden zweimal in der Woche von ehrenamtlichen Mitarbeitern bei Sophia, immer den gleichen, angerufen. Man kennt sich, zumindest von Fotos. “Da kann dann auch einmal ein Schwatz gehalten werden”, sagt Kujath. Das sei eine wichtige soziale Komponente. Denn viele Senioren seien doch recht einsam, Kinder und Verwandte wohnten oft weit weg.

Kunden und Helfer sind vor allem Frauen
Unter den gut drei Dutzend Ehrenamtlichen sind vor allem Marzahner, oft Vorruheständler, die noch eine sinnvolle Aufgabe ausüben wollen. Und es sind zu 80 Prozent Frauen. Ein ähnliches Verhältnis gibt es bei den Sophia-Kunden. “Wir Männer wollen eben nicht wahrhaben, dass auch wir älter werden”, sagt Kujath (71) ein wenig selbstironisch. Das sogenannte starke Geschlecht fremdelt bekanntlich auch ein wenig, wenn es darum geht, Hilfe anzunehmen oder gar darum zu bitten. Das kann Sophia-Kunde Egon Daniel nicht so richtig verstehen: “Mir gibt es ein gutes Gefühl, dass jemand im Notfall für mich da ist.”

Neue Geschäftsfelder
Etwas mehr als 500 Kunden hat die Sophia GmbH inzwischen. Diese  wohnen nicht mehr nur in den Wohnungen der Degewo und der Stadt und Land: “Etwa 40 Prozent sind keine Mieter der Wohnungsbaugesellschaften”, so Kujath. Betreut würden jetzt auch verschiedene Genossenschaften, ebenfalls Eigenheimbesitzer. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich seit der Gründung des Unternehmens von 4 auf 17 erhöht, auch weil neue Geschäftsfelder erschlossen wurden: Sophia berät bei der sogenannten Wohnraumanpassung – sprich: dem altengerechten Ausbau und bietet seinen Service-Teilnehmern auch kostengünstige Dienstleistungen und Hilfen im Haushalt an. Seit Januar dieses Jahres wurde in einer Seniorenwohnanlage die Betreuung der Bewohner übernommen und seit dem 1. April gibt es ebenfalls Hilfe bei der Beantragung von Pflegehilfsmittel-Zuschüssen oder Pflegestufen.

Videophone-Kontakt kam nicht an
Kujath sagt, dass der Kundenstamm langsamer gewachsen ist als anfangs gedacht. “Es braucht Zeit bis sich solche Angebote durchsetzen.” Manchmal hätten die längst erwachsenen Kinder ihren Eltern ein Sophia-Abonnement geschenkt. Das habe nicht immer die erwartete große Freude hervorgerufen: “Die Leute wollen selbst entscheiden, auch wenn sie alt geworden sind.” Eins habe sich gar nicht durchgesetzt, was er als technikaffiner Mensch nicht geglaubt hätte – der Videophone-Kontakt. Über den Fernseher konnte man dabei mit dem Betreuer in Wort und Bild kommunizieren, ähnlich wie über das Internet beispielsweise mit Skype. “Das wurde aber nicht nachgefragt.” Der Grund: “Die Leute haben gedacht, man kann damit alles in ihrer Wohnung beobachten.”

Sophia-Servicezentrum: Mehrower Allee 52, Tel. 93 02 08 70. Preise: Soziales Betreuungsprogramm Basis 19,90 Euro/Monat  (16,90*), Standardhausnotruf 18,36 Euro/Monat und 10,49 Euro einmalige Anschlussgebühr (verschiedene Optionen wie Betreuungsprogramm oder Schlüsselhinterlegung zubuchbar); Sicherheitsprogramm inkl. sozialer Betreuung 43,90 Euro (33,90*) je Monat, einmalige Installationspauschale 60 Euro.

* Preis für angeschlossene Wohnungsunternehmen

Mehr im Internet: www.sophia-berlin.de

 

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