B-Planverfahren am Weissenseer Weg wird weitergeführt

Sind die Tage der Ruine gezählt?

26.05.2020, Birgitt Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel (1-3), Karte: Bzirksamt Lichtenberg Zum Vergrößern bitte auf das Startbild klicken!

Alt-Hohenschönhausen. Das Tor zu Hohenschönhausen ist auf der einen Seite langweilig, auf der anderen desaströs: Das Entree in den Stadtteil am Weißenseer Weg/Konrad-Wolf-Straße bietet kein schönes Bild. Während das in den 1990er-Jahren errichtete Einkaufszentrum Hohenschönhauser Tor nur wenig attraktive Ladengeschäfte hat, steht gegenüber eine seit vielen Jahren verrottende Ruine – der Gebäudekomplex des früheren Kongresszentrums mit Sporthotel. Mehrfach wurde bereits Anlauf genommen, den Standort attraktiver zu gestalten. Doch das blieb erfolglos. Nun soll dort ein urbanes Zentrum für Wohnen, Dienstleistungen und Gewerbe entstehen. Ein entsprechender Bebauungsplanentwurf wurde für die Beteiligung der Öffentlichkeit bereits vom 2. bis 18. März ausgelegt, LiMa+ berichtete. Mit den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wurde die Öffentlichkeitsbeteiligung jedoch abgebrochen. Am gestrigen Montag, 25. Mai, startete sie neu. Der B-Planentwurf kann nun bis zum 8. Juni im Bezirksamt, Fachbereich Stadtplanung, Alt-Friedrichsfelde 60 (Haus 2, Zimmer 2) eingesehen werden. Im Internet steht er ebenfalls zur Einsichtnahme.

Statt spektakulärem Hochhausprojekt nun urbanes Zentrum

Nachdem Mitte des Jahrzehnts die Square3 genannten spektakulären Hochhauspläne eines Projektentwicklers scheiterten, will der private Investor nun kleinere Brötchen backen. Bereits 2018 wurden das Vorhaben öffentlich vorgestellt, LiMa+ berichtete. Fast zwei Jahre lang wurde nun daran gearbeitet. Denn bei den Planungen ist u.a. die komplizierte Verkehrssituation an der Kreuzung Weißenseer Weg/Konrad-Wolf-Straße ebenso zu beachten wie ein vorgesehenes Wohnungsbauprojekt auf dem gegenüberliegenden ehemaligen Gelände des BVG-Busbahnhofs. Auch das bereits bestehende Zentrum Hohenschönhauser Tor muss berücksichtigt werden. Und natürlich das angrenzende Sportforum Berlin, das nicht durch Klagen wegen Lärmbelästigung in Betrieb und Entwicklung gefährdet werden darf.

Elfgeschossige Bebauung gegenüber Hohenschönhauser Tor

Das Konzept der Neubebauung sieht die Errichtung von insgesamt fünf Baublöcken mit Höhen von sechs bis elf Geschossen vor. Entlang des Weißenseer Weges sollen zwei Bürogebäude entstehen, angrenzend zur Konrad-Wolf-Straße ein Gebäude mit Wohn- und Hotelnutzung sowie ein weiteres mit Gewerbe- bzw. gewerblicher Büronutzung. Im rückwärtigen Bereich ist ein Baublock mit Wohn- und Gewerbenutzung geplant. An der nordöstlichen Grundstücksgrenze zum Sportforum hin ist ein Spielplatz vorgesehen. Aufgrund der zu erwartenden Lärmbelastung werden die Baublöcke ruhige Innenhofbereiche erhalten. Dieses städtebauliche Konzept wird im Entwurf des B-Plans durch die Ausweisung von drei Baublöcken sowie einer Zeilenbebauung entlang des Weißenseer Wegs gegliedert. Am Knotenpunkt gegenüber dem Hohenschönhauser Tor ist die bis zu elfgeschossige Bebauung vorgesehen – die das Entree zum Stadtteil städtebaulich sinnvoll ergänzt.

Kooperative Baulandentwicklung

Verkehrsmäßig erschlossen werden soll das Gebiet sowohl über den Weißenseer Weg (bestehende Einfahrt ca. 190 Meter von der Kreuzung) als auch über die Konrad-Wolf-Straße (neue Ein- und Ausfahrt ca. 130 Meter entfernt vom Kreuzungsbereich). Im Gebiet wird es Fahrzeugstellplätze an einer zweistreifigen inneren Erschließungsstraße geben sowie Tiefgaragen. Die Entwicklung des Areals soll nach dem Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung durchgeführt werden. Verbunden damit ist ein 30prozentiger Anteil mietpreis- und belegungsgebundener Wohnungen sowie die Beteiligung des Investors an der Kosten zur Entwicklung der sozialen und technischen Infrastruktur.

Abriss erst nach Festsetzung des B-Plans

Beschlossen wird der Bebauungsplan nach Bewertung und möglicher Einarbeitung aller Einwände von der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Abreißen will der Investor die Ruinen, wie er mehrfach deutlich gemacht hat, erst dann, wenn er Planungssicherheit hat – sprich: wenn der B-Plan festgesetzt ist.

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