Ein Film erinnert an das Leben der Charlotte von Mahlsdorf

Sie war ein Sonntagskind

14.10.2019, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Mahlsdorf. „Es ist so, als ob Charlotte in ihr Museum zurück gekommen ist“, sagen die Besucher, die den Film „Sonntagskind“ gesehen haben. Seit März 2018 haben schon viele Besucher des Gründerzeitmuseums den Dokumentarfilm von Carmen Bärwaldt über das Leben von Charlotte von Mahlsdorf (1928 – 2002) gesehen. Weil so ein großes Interesse besteht, wird der Film in diesem Jahr noch drei Mal aufgeführt.

Film-Anlass war der Umzug Charlottes nach Schweden

Die Filmemacherin Carmen Bärwaldt hatte zum 90. Geburtstag von Charlotte von Mahlsdorf am 18. März 2018 ihren Film erstmals dem Publikum vorgestellt. Sie hatte Charlotte seit 1995 mit der Kamera begleitet. So ist eine einmalige Dokumentation über einen außergewöhnlichen Menschen entstanden. Ausgangspunkt für Carmen Bärwaldt war damals eine kleine Zeitungsnotiz „Charlotte von Mahlsdorf geht“.

So beginnt der Film mit der langen Schlange von Besuchern, die 1995 noch einmal das Museum sehen wollen, bevor es schließen soll, weil Charlotte von Mahlsdorf nach Schweden auswandern will.

Der Wandel von Lothar zu Charlotte

Die Filmemacherin erklärt zum Anfang des Streifens, was Charlotte ihr bedeutet. Und dann kommt Charlotte selbst zu Wort. Sie war wirklich ein Sonntagskind. Am 18. März 1928, einem Sonntag, kurz vor Mitternacht, kommt in Mahlsdorf der Knabe Lothar Berfelde zur Welt. Mit schlichten, einfachen Worten erklärt Charlotte selbst ihre Kindheit und Jugend. Sie spricht über die gütige Mutter und den Onkel Joseph, aber auch den gewalttätigen Vater. Sie erzählt, wie sich der Wandel von Lothar zu Charlotte vollzog.

„Wir sind doch alle Menschenkinder“

Charlotte von Mahlsdorf braucht keine Fremdwörter, um das zu erklären. Für sie gibt es Männer und Frauen und Menschen, die anders sind. „Aber alle zusammen sind wir doch Menschenkinder“, betont sie im Film. „Und als Menschenkinder können und müssen wir doch auch ohne Gewalt in Frieden miteinander leben können.“

Die ersten Jahre waren nicht leicht

Charlotte spricht über die schweren Jahre, als sie ihr Gründerzeitmuseum in Mahlsdorf aufgebaut hat. Sie erzählt von der Zwiespältigkeit, dass sie einerseits als feine Dame Gutsbesitzerin und Museumsdirektorin gewesen ist. Und wie auf der anderen Seite ihre Rolle als Putzfrau und Dienstmädchen die Oberhand gewonnen hatte. Und so tritt sie auch auf, wie sie viele Menschen in Erinnerung haben – mit geblümter Kittelschürze mit Staubwedel und Putzlappen. Schließlich muss ja alles glänzen, wenn Besuch kommt. Charlotte von Mahlsdorf erklärt, Glück ist für sie, wenn jemand seinen Platz im Leben gefunden hat und ihn seine Tätigkeit ausfüllt.

Abschied von Berlin und die letzten fünf Jahre

Carmen Bärwaldt hatte Charlotte von Mahlsdorf auch in ihr „kulturpolitisches Asyl“ nach Schweden begleitet. Sie zeigt Charlotte in ihrer neuen Heimat und lässt auch die Nachbarn zu Wort kommen. Der Film zeigt den Abschied von Berlin und die letzten fünf Jahre von Charlotte in ihrem Asyl im schwedischen Porla Brunn. Auch dort hatte sie eine Heimat gefunden. „Mein Museum ist hier, meine Möbel sind hier, ich bin hier – also ist hier meine Heimat“, schlussfolgert Charlotte. Es stimmt wohl, was manche Religionen sagen, ein Mensch ist erst dann tot, wenn kein anderer Mensch mehr seinen Namen kennt und ausspricht. Und somit lebt Charlotte mit dem Film, im heutigen Gründerzeitmuseum und in den vielen guten Erinnerungen an sie weiter. Charlotte von Mahlsdorf war einzigartig und ein Berliner Original. LiMa+ berichtete mehrfach, zum Beispiel hier und hier.

Der Film von Carmen Bärwaldt „Sonntagskind“ wird in diesem Jahr noch drei Mal jeweils an einem Sonntag um 18 Uhr im Gründerzeitmuseum Mahlsdorf, Hultschiner Damm 333, gezeigt: Sonntag, 20. Oktober, Sonntag, 3. November und Sonntag, 1. Dezember. Der Eintritt kostet 6 Euro. Anmeldung erforderlich: 5 67 83 29.


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