Bauen für Millionen

Schwimmhalle mit Therapiebecken

30.12.2013, Birgitt Eltzel

Foto: Birgitt Eltzel

Lichtenberg. Die Klassenräume sind für sechs bis acht Schüler ausgelegt, die Sanitärräume befinden sich gleich nebenan. Die Sporthalle bekommt eine angeschlossene kleine Schwimmhalle mit Therapiebecken, es wird einen Snoozel-Raum geben und breite, extra schallgedämmte Flure. Denn der Neubau, der an der Otto-Marquard-Straße 12–14 entsteht, ist für behinderte Kinder gedacht. Ab dem nächsten Schuljahr sollen in dem neuen Gebäude der Nils-Holgerson-Schule zwischen 150 bis 180 Schüler im Alter von sechs bis 18 Jahren mit körperlichen und geistigen Behinderungen unterrichtet werden. Die Schüler kommen aus dem Ostteil Berlins, teilweise auch aus Brandenburg.

Teurer als geplant
18,5 Millionen Euro werden für den Schulbau eingesetzt, der auf einem Gelände entsteht, wo zwei alte Schulen und eine Sporthalle abgerissen wurden. “Die Sanierung der Gebäude wäre teurer gewesen als der Neubau”, sagt der für Hochbau zuständige Stadtrat Andreas Prüfer (Die Linke). Zudem wäre es schwierig geworden, die alten Gebäude speziell für die Bedürfnisse der zum Teil mehrfach behinderten Kinder umzubauen. Denn alle Räume müssen mit dem Rollstuhl erreichbar sein, auch das Atrium, das gartenähnlich gestaltet wird.

“Der Neubau ist ein Sprung ins nächste Jahrtausend”, schwärmt Prüfer. Doch er wird teurer als geplant. Bereits seit 2007 wurde mit dem Senat über eine Sonderzuweisung für das Projekt diskutiert, erst 2011 stand das Geld zur Verfügung. Inzwischen waren die Preise für Material und Energie sowie andere Baukosten auf dem Markt gestiegen, die anfangs vorgesehenen 17 Millionen Euro reichten nicht mehr aus. Zumal auch die Gestaltung der Außenanlagen um 200.000 Euro teurer wird – das hatte ein Bieter nach einer Ausschreibung vor Gericht durchgesetzt.

25 Millionen Euro Jahresumsatz
Die Differenz zur geplanten Summe muss nun der Bezirk selbst aufbringen, immerhin fast 1,5 Millionen Euro. Deshalb wird nun spartanisch vorgegangen, wo es möglich ist: So gibt es jetzt beispielsweise statt gelochter Holzelemente an den Wänden, die die Architekten vorgesehen hatten, gelochte Gipskartonplatten. “Es wird aber nicht an der Funktionalität gespart”, sagt Hans-Ulrich Lehmann.

Der Architekt leitet das bezirkliche Baumanagement in der Serviceeinheit Facility Management seit den 1990er-Jahren, wo er aus dem Bauamt Neukölln zunächst nach Hohenschönhausen kam. Im nächsten Jahr geht er in Rente. Etwa 25 Millionen Euro setzt sein Bereich pro Jahr um, 32 Menschen arbeiten dort. “Wir versuchen, viel selbst zu machen und Projekte, die wir nach außen geben, gut zu steuern”, sagt er. Dass Lichtenberg nicht wie andere Berliner Bezirke Geld an den Senat zurückgeben musste, weil es diesen nicht gelang, in der gesetzten Frist Projekte zu realisieren, sei auch Lehmanns Verdienst, lobt Stadtrat Prüfer. “Wir nehmen eher Geld, das andere nicht verbauen können”, sagt Lehmann schmunzelnd.

Mensa als Hingucker
Etwa 80 bis 90 Prozent der Aufträge ans Baumanagement kommen laut Lehmann aus dem Schulamt. Denn nachdem die Geburtenzahlen und die Zuzüge steigen, werden in Lichtenberg wieder mehr Schulen gebraucht. Nach Prognosen des Senats und des Bezirks erhöht sich der Bedarf nach Schulplätzen in den nächsten fünf Jahren so stark, dass bis 2018/19 in Lichtenberg insgesamt zwölf neue Grundschulen gebraucht werden – mit Plätzen für etwa 4.200 Kinder. Schon bis zum Schuljahr 2014/15 wird deshalb der erste Teil der früheren Schule an der Dolgenseestraße modernisiert sein, auch eine moderne Zwei-Feld-Sporthalle entsteht aus der alten Turnhalle dort. Bis zum Dezember 2014 soll nach 20 Jahren Zwischennutzung und Leerstand auch das ehemalige Schulgebäude Siegfriedstraße 208–210 umgebaut sein. “Das wollte der Liegenschaftsfonds Anfang 2012 veräußern, wir haben den Verkauf dann gestoppt”, erzählt Prüfer. Inzwischen ist das Backsteingebäude aus dem Jahr 1897 mit einem modernen Mensatrakt verbunden: “Ein Hingucker”, sagt Lehmann. Nach Fertigstellung der Baumaßnahme – die Kosten betragen knapp 1,7 Millionen Euro, der Großteil des Geldes stammt aus Förderprogrammen für das Sanierungsgebiet Frankfurter Allee Nord – wird das Gebäude Teil der Grundschule Auf dem lichten Berg.

 

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