Schreibwerkstatt in der Mark-Twain-Bibliothek

Mit der Sprache spielen

28.11.2019, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey

Marzahn. Wenn gleichzeitig viele Stifte viele Worte zu Papier bringen, dann hat die Schreibwerkstatt für Erwachsene geöffnet. In der Artothek der Mark-Twain-Bibliothek im Freizeitforum Marzahn herrscht jeden ersten Donnerstag im Monat diese besondere Atmosphäre: Eine kreative Stimmung, bei der die Teilnehmer Geschichten und Gedichte verfassen, Sekundentexte schreiben und sich manchmal von farbigen A4-Blättern inspirieren lassen.

Erinnerungen an unvergessliche Momente

Dabei gehen die Frauen und Männer ihren Gedanken nach, erinnern sich an unvergessliche Momente und tauchen in die Vergangenheit ein. Kirsten Jenne hilft ihnen dabei. Seit April dieses Jahres leitet die ausgebildete Schreib-Pädagogin, die über einen Masterabschluss in Biografischem und Kreativem Schreiben verfügt, das Projekt. „Ich möchte den Teilnehmern verschiedene Schreibanreize geben und sie zum spielerischen Umgang mit der Sprache animieren“, sagt die Berlinerin.

Einen alten Traum wahr gemacht

Sieben Frauen und ein Mann gehören inzwischen zur Gruppe. Sie kommen aus unterschiedlichen Teilen der Stadt und wollen alle das gleiche: Schreiben. Oft ist es der Wunsch, den Kindern und Enkeln das Erlebte näher zu bringen. Einige möchten einfach loslegen, ihren Gedanken freien Lauf lassen – trauen sich aber nicht. Auch Anfang November sind zwei Frauen aus Friedrichshain und Biesdorf zum ersten Mal dabei. „Schreiben ist ein alter Traum von mir und jetzt habe ich Zeit dafür“, erzählt Erika. Momentan fehlt ihr der Austausch mit Gleichgesinnten, deshalb will sie mitmachen.

Christine hat schon einige Kurzgeschichten verfasst. „Mich interessiert aber die Einschätzung von anderen dazu“, beschreibt sie ihre Beweggründe. Petra berichtet, dass sie nach einer Pause nun wieder schreibt. Angehalten dazu wurde sie von ihren vier Kindern, die mehr über die Vergangenheit ihrer Mutter wissen wollen. Und so hat jeder der Teilnehmer einen ganz persönlichen Grund, zum Stift zu greifen.

Spaß am Formulieren

Kirsten Jenne führt die Interessierten mit Leichtigkeit an unterschiedliche Genres heran. Betont aber, es gehe ihr keineswegs um literarische Qualitäten. Vielmehr sollen der Spaß beim Formulieren sowie der Austausch über das Verfasste und die Reaktionen darauf im Vordergrund stehen. „Es ist schön zu sehen, was Texte bei anderen auslösen und diejenigen, die sie geschrieben haben, sind oftmals berührt und hätten nie mit solchen Emotionen gerechnet“, sagt die Leiterin.

Klaus aus Kaulsdorf ist mit 80 Jahren der älteste Teilnehmer. Früher schrieb er beruflich vor allem technische Texte. In der Werkstatt holt er sich Anregungen zum „einfachen Formulieren, damit meine Kinder und Enkel verstehen, was ich ihnen erzählen möchte“, sagt er.

Assoziationen zu farbigen Blättern

Überrascht und auch ein bisschen stolz auf das Ergebnis war die Gruppe nach ihrer Farb-Aufgabe. Kirsten Jenne hatte bunte DIN A4-Blätter auf den Tisch gelegt und darum gebeten, spontan zu notieren, was einem bei den verschiedenen Tönen einfällt. Die Assoziationen waren verblüffend: Weiß stand beispielsweise für „Hochzeitskleid“, „unbeschriebenes Blatt“ oder „weiße Weste“. Auf das rote Papier wurde unter anderem „Blut“, „Kraftfarbe“ oder „nah an der Gefahr“ notiert. „Wunderbare Bilder, tolle Ideen“, lobte die Pädagogin ihre Gruppe.

Aus diesen Gedanken galt es anschließend Gedichte zu entwickeln. Wieder wurde es still im Raum und nur das sanfte Gleiten der Stifte war zu hören. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das kann“, gab Christine nach der Präsentation ihrer Zeilen zu. Auch Elvira und Christa gestalteten einfühlsam ihre Sätze mit farblichen Akzenten. „Ich erhalte hier jedes Mal neue Schreibideen und finde das Feedback wichtig“, sagt die 66-Jährige, die seit April regelmäßig an der Schreibwerkstatt teilnimmt.

Interessierte können jederzeit dazukommen

„Interessierte können jederzeit dazukommen, Vorkenntnisse werden nicht benötigt“, sagt Kirsten Jenne. Nur Lust zum Schreiben und das Interesse daran, sich ausprobieren zu wollen, seien wichtig. Die Texte entstehen grundsätzlich direkt vor Ort: „Wir sind keine Gruppe, die etwa mitgebrachte Geschichten oder Gedichte bespricht“, macht die Leiterin deutlich.

Weitere Informationen sind direkt bei Kirsten Jenne unter Telefon 0172-6284403 zu erhalten. Die Gruppe trifft sich jeden ersten Donnerstag im Monat um 16 Uhr in der Mark-Twain-Bibliothek, Marzahner Promenade 55.

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