In der Wartenberger Feldmark mussten etliche Bäume weichen

Schneise für die Artenvielfalt

27.02.2019, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Wartenberg. Es scheint wie ein Widerspruch: das auf dem Foto abgebildete Schild für das Naturschutzgebiet und die in das Wäldchen der Wartenberger Feldmark kürzlich geschlagene Schneise. Und doch gehört, nach Auskunft von Lichtenbergs Umweltstadtrat Wilfried Nünthel (CDU), beides eng zusammen.

Ab 1999 wurde in der Feldmark auf den einstigen Rieselfeldern der städtischen Abwässer eine naturnahe Waldwirtschaft geplant und umgesetzt. Anfangs wurde der Wald von der Landesforstverwaltung Berlin, den Berliner Forsten, gepflanzt, später ging die Verantwortung an den Bezirk Lichtenberg über. Die Wäldchen, von großen Weiden und Wiesen umgeben, sind Teil des entstandenen Landschaftsparks nördlich von Wartenberg, zwischen Malchow und Falkenberg.

Waldränder mit Biodiversität

„Die Waldflächen dienen der Artenvielfalt von Flora und Fauna“, sagt Wilfried Nünthel. „Es ist kein Wirtschaftswald zur Holzgewinnung.“ Zum Naturschutz gehöre, dass gepflanzt, gegossen, aber auch herausgerissen werde, meint der Stadtrat. „Die größte Biodiversität entsteht gerade an den Übergängen vom Wald zur Wiese“, ergänzt Beate Kitzmann, Geschäftsführerin des Vereins Naturschutz Berlin-Malchow. Hier siedelten sich die meisten Arten an. Die neue Schneise sei, so wie die anderen Auslichtungen auch, nicht als Weg für Spaziergänger gedacht, sondern werde zuerst mit Gräsern, später mit Sträuchern rasch wieder bewachsen sein.

Eschenahorn wurde entfernt

Zusätzlich zu den Freischlägen habe man auch Neophyten, wie den Eschenahorn, entfernt. Er gehöre nicht zu den heimischen Arten und hätte sonst andere Bäume verdrängt. „Wir wollen aber gerade einen artenreichen Laubwald, in dem sich viele Gehölze entwickeln können“, sagt die Diplom-Biologin.

Fällungen zur Sicherheit von Spaziergängern

An der südwestlichen Begrenzung der Feldmark wurden zahlreiche, teilweise 25 bis 30 Jahre alte Bäume gefällt. Dabei handelte es sich um schnellwachsende Bäume, die aber mit den Jahren nicht mehr standsicher und teilweise schon abgebrochen waren. Sie mussten weichen, um Gefahren für Spaziergänger auszuschließen.

Die im Auftrag des Umwelt- und Naturschutzamtes Lichtenberg durchgeführten Eingriffe hatten zu erheblicher Beunruhigung unter Wartenberger Anwohnern und Spaziergängern geführt. „Man kann das als rabiat empfinden“, sagt Wilfried Nünthel, aber es sei notwendig gewesen. Informierende Schilder an den betreffenden Stellen seien aber nicht vorgesehen, erklärte Lichtenbergs Umweltstadtrat.

Mit dem 28. Februar sind die Fällarbeiten jedoch zumindest erst einmal beendet. Denn ab 1. März genießen Insekten und brütende Vögel besonderen Schutz.

Andernorts hat Wohnungsbau Vorfahrt

Über die Notwendigkeit von Baumfällungen in Lichtenberg entscheidet das Bezirksamt. Wie der Umweltstadtrat weiter erklärte, gebe es ein Schreiben von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, in dem für 2018 geregelt worden war, dass bei Wohnungsbauvorhaben Bäume gefällt werden durften, auch wenn noch keine Baugenehmigung vorlag. Diese Regelung solle seines Wissens auch für 2019 weiter gelten.

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