Gezielte Aktion: Schon wieder Vandalismus am Kienberg

Schau-Weinberg vernichtet

31.01.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel (1-5), Grün Berlin GmbH (6)


Marzahn-Hellersdorf. Das ältere Paar, das am Mittwochnachmittag, 30. Januar, im Kienbergpark spazieren geht, ist entsetzt. Der gesamte, zur Internationalen Gartenausstellung (IGA) Berlin 2017 angelegte Schau-Weinberg am Südhang, ist zerstört. Alle Pflanzstämme sind aus dem Boden gerissen, jede einzelne Pflanze wurde abgebrochen. Das deutet auf Vandalismus mit System: Hier war jemand am Werk, der ganz bewusst Schaden anrichten wollte. „Der Park muss einfach besser bewacht werden“, meinen die Rentner, die in der nahegelegenen Ringelnatzsiedlung wohnen und häufig im Park spazieren gehen. „Es gibt doch schon seit den Bauarbeiten für die IGA immer wieder gezielte Beschädigungen.“

Drohungen mit Tod von Tieren

Nach Auskunft der Grün Berlin GmbH, die im Landesauftrag den öffentlichen, 60 Hektar großen Volkspark Kienberg bewirtschaftet, waren die unbekannten Täter in der Nacht zum Mittwoch aktiv. Doch nicht nur der Weinberg wurde zerstört, es wurden auch Aufkleber gefunden, die im Park lebende Schafe, Pferde und Kühe – heimische Nutztiere, die als aussterbende Rassen gelten– bedrohen (siehe unsere Fotogalerie). Die Pferde weiden bereits seit 2017 im Gelände. Die Kühe und die Schafe, die derzeit noch in den nahen „Gärten der Welt“ gehalten werden, sollen in diesem Jahr im Rahmen eines „Arche-Parks“ auf Flächen im Wuhletal umziehen. Die Kriminalpolizei wurde eingeschaltet, Anzeige gegen Unbekannt gestellt. „Der offensichtlich gezielte, wiederholte Vandalismus im Kienbergpark trifft uns hart. Die Zerstörung Hunderter Weinpflanzen und die Todesdrohungen gegen seltene Tiere zeigen die Skrupellosigkeit der Täter“, so ein Sprecher der Grün Berlin GmbH. Das Team des Kienbergparks werde die Schäden so schnell wie möglich beheben und den durch Steuermittel finanzierten öffentlichen Park und seine Angebote wieder instand setzen.

Von Menschen mit Behinderungen angelegt

Der 400 Quadratmeter große Weinberg war vom Berliner Verein Mosaik e.V. bepflanzt worden. Stellvertretend für die 13 deutschen Weinbaugebiete legten die Gärtner der Mosaik-Werkstätten mit Unterstützung des Deutschen Weininstituts den Weinberg an und pflanzten symbolisch 13 landestypische Rebsorten. Mosaik e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit Behinderungen zu einem selbstbestimmten Leben zu führen. Der Verein hat bereits beim Wiederaufbau und der Rekultivierung des Königlichen Weinbergs im Potsdamer Park Sanssouci mit gearbeitet.

Bereits Schäden in Höhe von 21.000 Euro

Der Volkspark wird seit Anfang 2018 immer wieder Opfer von Vandalismus. Die Schäden im vergangenen Jahr betrugen bereits 15.000 Euro. Die Zerstörung des Weinbergs macht einen weiteren Schaden in Höhe von rund 6.000 Euro aus. Seit den Bauarbeiten für die IGA Berlin 2017 gilt die Grün Berlin einigen Bürgern im Bezirk als Feindbild. Diese machen gegen die Gesellschaft und ihre Projekte in den sozialen Medien Stimmung. Gegen Grün Berlin richtete sich im vergangenen Frühjahr auch eine Vandalismus-Aktion in den „Gärten der Welt“: Unbekannte hatten dort nachts 18 wertvolle Japanische Zierkirschbäume abgeholzt, wir berichteten . Im Januar dieses Jahres fanden Aufräumarbeiten am Kienberg statt. Dabei wurden durch die Grün Berlin auch Bäume gefällt, was auf entsprechenden Facebook-Seiten beklagt wurde. Laut Erklärung des Unternehmens gibt es für den im Rahmen der IGA fertiggestellten Kienbergpark einen mit Naturschutzverbänden und Bürgerinitiativen abgestimmten Pflege- und Entwicklungsplan. „In diesem Kontext sind die Flächen für Waldstauden, Aufforstungen und die Beweidung zu sehen.“ Ziel sei die Schaffung eines abwechslungsreichen, vielfältigen und naturnahen Parks mit großer Anziehungskraft für Anwohner und Ausflügler.

Kommt Thema Zaun wieder auf die Tagesordnung?

Um möglichen Vandalismus im Kienbergpark zu verhindern, hatte die CDU im Bezirksparlament bereits Ende 2017 einen Antrag gestellt, den Kienberg zu umzäunen und das Gelände nachts zu verschließen. Das fand nicht den Beifall aller Fraktionen. Deshalb wurde dann lediglich die Bergspitze mit dem Aussichtsbauwerk Wolkenhain, der Seilbahnstation und der Naturbobbahn mit einem Zaun umgeben. Bürgermeisterin Dagmar Pohle sprach damals von einem „Vertrauensvorschuss“. Auch die CDU hatte die kleinere Umzäunung mitgetragen, aber bereits damals betont, ihren Ursprungsantrag wieder hervorzuholen, wenn es durch die unbegrenzte Zugänglichkeit zu Vandalismus kommen sollte. Ob sie das nun tut, bleibt abzuwarten: „Wir werden in der Fraktion darüber beraten“, kündigte Fraktionsvorsitzender Alexander J. Herrmann gegenüber LiMa+ an.

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