Schafschur im Landschaftspark Herzberge

Wenn die Schafe zum Friseur müssen

12.03.2020, Klaus Tessmann

Fotos: Bezirksamt Lichtenberg (1-3), Klaus Tessmann (4-7). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Auch Schafe müssen regelmäßig zum Friseur. Sie haben es aber gut, denn der kommt zu ihnen auf den Tierhof. Es ist schon ein fester Termin bei der Agrarbörse Deutschland Ost e.V. In jedem Jahr kommt am ersten Dienstag im Monat März der Schafscherer auf die Große Schafweide im Landschaftspark Herzberge.

Dem Schafscherer über die Schulter geschaut

Die öffentliche Schafschur am vergangenen Dienstag, 10.März, lockte auch in diesem Jahr wieder viele große und kleine Gäste von nah und fern an. Sogar Besucher aus Neukölln waren extra nach Lichtenberg gekommen. „Wir haben zwar viele Attraktionen, aber Schafe haben wir nicht“, sagte eine Neuköllnerin. Besonders viele Kinder von Kindergärten und Schulen interessierten sich für die Schafschur. Dicht an dicht standen die kleinen Gäste am Zaun und schauten dem Scherer über die Schulter, wie er die Schafe ihres Wollkleides entledigte.

Wolle als Dämm- und Bastelmaterial

„Wir haben 50 Muttertiere auf der Weide im Landschaftspark stehen“, sagte Grit Otto von der Agrarbörse. „Bevor die Schafe im Frühjahr ihre Lämmer bekommen, muss die Wolle ab.“ Sie wird zu einem großen Teil an eine Firma verkauft, die daraus Dämmmaterial herstellt. „Wir benötigen aber die Wolle auch für die verschiedenen Projekte“, erklärte Grit Otto. Basteln mit Naturmaterialien steht bei der Agrarbörse hoch im Kurs. „So wird die Wolle auch zum Filzen genutzt.“

Bezirksstadtrat Martin Schaefer setzt Tradition fort

Den Termin der Schafschur nutzten viele Kindergruppen auch dazu, sich an den vielen Info- und kunterbunten Bastelständen umzusehen. So gab es viele Informationen zum Thema Schaf, Wolle und Umwelt. Seit vielen Jahren ist diese Veranstaltung bei Kita- und Schulgruppen sehr beliebt.

Der neue Bezirksstadtrat für Umwelt, Martin Schaefer (CDU), machte seinem Namen alle Ehre. Er setzte die Tradition seines Vorgängers Wilfried Nünthel fort (LiMa+ berichtete) und legte bei der Schafschur selbst mit Hand an. „Es sieht so leicht aus und ist doch ein Knochenjob”, sagte der Stadtrat nachdem er die Arbeit mit der elektrischen Schere zum ersten Mal ausprobiert hatte. “Ein Drittel (von einem Schaf, die Redakt.) habe ich vielleicht geschafft. Ich bin sehr froh über so ein schönes Stück Natur und unsere Schafherde mitten in Lichtenberg. Umweltbildung ist hier keineswegs abstrakt.”

Beeindruckende Artenvielfalt.

Der Landschaftspark Herzberge entstand nach 2003 auf ehemaligen Industrieflächen. Auf zirka 100 Hektar befinden sich heute verschiedene Biotope, alte Baumbestände, Wiesen und Weiden. Die vernetzten Biotope bieten Lebensraum für eine beeindruckende Artenvielfalt.

Bereits seit 2009 pflegt der Agrarbörse Deutschland Ost e.V. mit einer Herde Schafe die Flächen in dem Landschaftsschutzgebiet. Der Ansatz der extensiven Weidenutzung ist preisgekürt und erfreut sich heute noch großer Beachtung. Die von der Agrarbörse angebotene Natur- und Umweltbildung lehrt alles Wissenswerte über Flora und Fauna mit Ortsbezug.

Die Agrarbörse Deutschland Ost e.V. engagiert sich bei vielen Projekten in Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und anderen Bezirken. Dabei stehen Projekte im Bereich Natur- und Umweltschutz im Mittelpunkt. Dazu gehören unter anderem der Tierhof und das KulturGut in Alt-Marzahn, die Jugendeinrichtung Treibhaus in Hellersdorf sowie die Britzer Weinkultur.


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