Lichtenberger Baumbilanz 2019 sieht düster aus

Schäden durch Trockenheit nehmen zu

12.12.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Lichtenberg. Insgesamt 557 Bäume im öffentlichen Straßenland müssen und mussten in Lichtenberg im laufenden Jahr wegen irreparabler Schäden gefällt werden. Das geht aus der jetzt vorgelegten Baumbilanz des Bezirks hervor. Etwa ein Drittel der festgelegten Fällungen sind auf den Trockenstress der Bäume durch die lang anhaltende warme und niederschlagsarme Witterung 2019 zurückzuführen, erklärt Doreen Hantuschke, Leiterin des Lichtenberger Umweltbüros. Bereits im September hatte Umweltstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) erneut schlechte Ergebnisse in der Baumbilanz befürchtet, LiMa+ berichtete…

Flachwurzler besonders betroffen

Denn schon 2018 galt als Rekordsommer, der darauffolgende Winter konnte das Flüssigkeitsdefizit wegen mangelnder Niederschläge nicht ausgleichen. Im Jahr 2018 mussten 601 Fällungen von Straßenbäumen in Lichtenberg festgelegt werden. Bei zu wenigen Niederschlägen wird das Grundwasser nicht mehr aufgefüllt. In den oberen Bodenschichten wird das Wasser aufgebraucht und verdunstet, die Schichten werden hart. Kommt es dann zu Starkregen, kann die Erde das Wasser nicht mehr aufnehmen und es fließt oberirdisch ab – ein Problem insbesondere für flach wurzelnde Bäume. Beate Kitzmann, Geschäftsführerin des Vereins Naturschutz Malchow, berichtet, dass aktuell „vermehrt Abgänge von Flachwurzlern wie Birken“ zu verzeichnen sind. Im Carlsgarten in Karlshorst seien junge Kiefern und Eichen betroffen.

Bäume leiden unter Trockenstress

Der Trockenstress, unter dem die Straßenbäume in Berlin leiden, kann laut Kitzmann u.a. zum schnelleren Aktivieren von Pilzbefall, zum schnelleren Altersabgang oder zu weiteren biologischen Schäden führen. Zudem falle verstärkt Totholz an, so die Diplombiologin. „Damit steigen auch die notwendigen Baumpflegemaßnahmen massiv.“ Doch auch Unfall- und Sturmschäden, Baumaßnahmen und Vandalismus sind Gründe, warum Straßenbäume gefällt werden. Manche müssen auch weichen, weil ihre Wurzeln Schäden an Gehwegen, Straßen und baulichen Anlagen verursacht haben.

Vieles von Menschen verursacht

„Viele Gründe, warum es den Straßenbäumen schlecht geht, sind durch die Menschen verursacht“; sagt Doreen Hantuschke. So seien die sogenannten Baumscheiben, also jenes Fleckchen Erde, in dem die Straßenbäume stehen, meist viel zu klein. „Die Faustregel ist: Die Baumscheibe muss so groß sein wie die Krone“, ergänzt Beate Kitzmann. Auch das Abstellen von Fahrrädern auf Baumscheiben trage dazu bei, dass der Boden dort verdichtet wird und nicht genug Flüssigkeit aufnehmen kann.

Forderung: Bessere Ausstattung der Grünflächenämter

Das Gießen von Straßenbäumen durch Bürger und das Anbringen von Wassersäcken halten beide Fachfrauen nur bedingt für hilfreich. „Eine ordentliche, vor allem personelle Ausstattung der Grünflächenämter ist erforderlich, um die Pflege zu verbessern“, mahnt Kitzmann. Diese könnten in Trockenperioden die Bäume dann auch ordentlich wässern. Ein ausgewachsener Laubbaum benötige zwischen 70 und 120 Liter Wasser mindestens jeden zweiten oder dritten Tag. „Das sind sieben bis zwölf Gießkannen voll.“ Das dürfe man nicht den Bürgern überlassen, das sei Arbeit von Stadtgärtnern. „Doch leider wurden die Grünflächenämter in den Berliner Bezirken in den letzten Jahren kaputt gespart“, kritisiert Kitzmann. Gegenwärtig sei das Lichtenberger Grünflächenamt nicht in der Lage, zeitnah die angefallenen Baumpflegeaufträge auszuführen.

Spenden für die Stadtbaumkampagne

Bürger, die helfen möchten, die Berliner Straßenbäume zu erhalten, verweist Beate Kitzmann an die Stadtbaumkampagne. Dabei kann Geld für neue Straßenbäume in der Hauptstadt gespendet werden. Wenn 500 Euro erreicht sind, gibt der Senat aus Landesmitteln den Rest dazu. Etwa 2.000 Euro kostet ein junger Baum inklusive dreijähriger Pflege. Wo Neuanpflanzungen geplant sind, für die man spenden kann, ist auf einer interaktiven Karte Kampagne zu sehen – ebenso, wo bereits gepflanzt wurde.

Mehr Bäume gefällt als neu gepflanzt

Nach einer Analyse der Senatsverwaltung, für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz gab es am 1. Januar 2018 in Berlin rund 433.000 Straßenbäume. In Lichtenberg waren es 31.355, im benachbarten Marzahn-Hellersdorf 43.377. Neu gepflanzt wurden in Berlin im vergangenen Jahr 2.135 Straßenbäume, gefällt wurden 6.228 Exemplare. Damit überstieg, wie schon in den Jahren zuvor, die Zahl der Fällungen die der Neuanpflanzungen. In Lichtenberg wurden 2018 insgesamt 148 Straßenbäume gepflanzt, aber 363 gefällt. In Marzahn-Hellersdorf waren es den Angaben zufolge 16 Neupflanzungen und 231 Fällungen. Die meisten Straßenbäume wurden mit 575 in Spandau gefällt (216 Neupflanzungen).

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