Runder Tisch wirft Schatten voraus

08.09.2018, Volkmar Eltzel

Fotos: Sabine Flatau (1), Volkmar Eltzel (2,4), Emmanuele Contini (3). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Der Kunstsammler Axel Haubrok informierte am Donnerstag und Freitag, 6./7. September, LiMa+ darüber, dass für ihn nach „der Bewertung aller Fakten und unter Berücksichtigung der Entwicklung der Diskussion in den letzten Monaten deutlich wurde, dass wir die Fahrbereitschaft nicht so weiterentwickeln können wie das geplant war.“ Deshalb habe er beschlossen, künftig keine Ausstellungen mehr (mit Arbeiten aus seiner Sammlung in Lichtenberg) durchzuführen. Das Gelände der Fahrbereitschaft, auf dem sich zu DDR-Zeiten Garagen und Werkstätten für die Dienstwagen der SED befanden, hat nur seinen Namen noch behalten. Heute bietet das Areal an der Herzbergstraße Raum für über 20 Ateliers und Werkstätten.

Keine Ausstellungshalle

Hintergrund der Entscheidung von Haubrok ist der seit Monaten schwelende Konflikt zum Gewerbegebiet Herzbergstraße und zu möglichen oder nicht möglichen kulturellen Nutzungen wie zum Beispiel dauerhaften Ausstellungen (LiMa+ berichtete mehrfach). Erst am 21. August hatte es dazu mit vielen beteiligten Kultur- und Kunstschaffenden, Gewerbetreibenden sowie Politikern einen ersten Runden Tisch gegeben (LiMa+ berichtete). Der Konflikt stellt sich mittlerweile immer mehr als Dissens innerhalb der Verwaltung dar, weniger zwischen verschiedenen Mietern und Eigentümern vor Ort.

Das Ehepaar Barbara und Axel Haubrok will sich jedoch auch künftig dafür einsetzen, „dass ansässige Künstler in der Fahrbereitschaft Ausstellungen durchführen können.“ Nur eine Kunst- und Ausstellungshalle werde es nicht geben, sagte der Gründer der Haubrok Foundation gegenüber LiMa+.

Vieraugengespräch freundlich, aber in der Sache hart

Der Entscheidung der Haubroks vorausgegangen war ein Vieraugengespräch von Axel Haubrok mit Birgit Monteiro, Stellvertretende Bezirksbürgermeisterin und Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, Soziales, Wirtschaft und Arbeit, (SPD). Das Gespräch sei auf seine Initiative zustande gekommen, sagt der Kunstsammler. Nach dem ersten Runden Tisch hatte er gehofft, doch noch zu einer Einigung mit ihr zu kommen. „Es hat sich jedoch nichts bewegt und alle unsere Ideen wurden abschlägig beschieden“, so Haubrok. Seine Frau und er könnten nicht zwei bis drei Jahre warten, bis womöglich mehrere Bebauungsplanverfahren zu Ergebnissen führen würden. Und ein „Ausweichstandort“ mache für ihn wenig Sinn, da er ja in die Fahrbereitschaft bereits investiert habe.

„Ich möchte überhaupt kein böses Blut“, sagt Axel Haubrok gegenüber LiMa+. Das Gespräch mit Birgit Monteiro sei in freundlicher Atmosphäre verlaufen. „Aber ich finde diesen Umgang mit uns insgesamt entwürdigend und möchte das nicht mehr.“ Er habe den Inhalt der Unterhaltung „einen Tag sacken lassen“ und sich dann gemeinsam mit seiner Frau entschieden. Nun werde also keine Ausstellungshalle gebaut und es gebe auch keine Ausstellungen mehr mit seinen Bildern in Lichtenberg. Ansonsten bleibe er an dem Standort an der Herzbergstraße.

Bürgermeister Grunst sagt: “Ein fatales Signal”

Wie Axel Haubrok erklärt, wird er nicht an der zweiten Sitzung des Runden Tisches teilnehmen, die für den 18. September um 18.30 Uhr geplant ist, da er zu dieser Zeit im Ausland weilt. Vielleicht kann der Termin ja noch kurzfristig verschoben werden? „Sollte es eine dritte Runde geben, bin ich jedoch auf jeden Fall wieder mit dabei“, sagt der Inhaber der Fahrbereitschaft, denn er wolle sich für die Künstler engagieren, die auf dem Areal und an der Herzbergstraße Ateliers unterhalten.

Bürgermeister Michael Grunst (Linke) hält „den Umgang mit Herrn Haubrok und seinen Entschluss für ein fatales Signal nicht nur für Lichtenberg, sondern auch für das Land Berlin als Kunst- und Kulturstandort.“ Die Beschlusslage des Bezirksamtes, die Einschätzungen der beteiligten Senatsverwaltungen und der ersten Sitzung des Runden Tischen ließen rechtlich und politisch eigentlich eine Lösung für die Fahrbereitschaft und für die anderen Kulturschaffenden in der Herzbergstraße zu, betont der Bürgermeister. Am Freitagabend teilte er über Twitter mit: “Danke Barbara und Axel Haubrok für das großartige Engagement für Kunst und Kultur in #Lichtenberg! Hoffe das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Setze mich weiter dafür ein, dass Kunst, Gewerbe, Kultur mit den Haubroks in der Herzbergstraße eine Zukunft hat.”

Zweite Runde

Zur zweiten Sitzung des Runden Tisches im Rathaus Lichtenberg will der Bezirk eine Rahmenplanung für das Gewerbegebiet Herzbergstraße präsentieren. “Bei der Erarbeitung des Rahmenkonzeptes sind wir auf der Ziellinie”, sagt Birgit Monteiro. “Sobald es fertig ist, stelle ich es im Bezirksamt vor. Sollte es dort Zustimmung finden, wird es auch am Runden Tisch … vorgestellt werden können.”

Aus gut unterrichteten Kreisen war zu erfahren, dass die Staatssekretäre der Senatskanzlei, Dr. Frank Nägele (Verwaltungs- und Infrastruktursteuerung) sowie Dr. Torsten Wöhlert (Kultur) gebeten wurden, sich bei der Vermittlung des Konfliktes einzuschalten.

 

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