Rumpelstilzchen einmal anders gedacht – Premiere am 2. Februar

Vom König und dem Schutz der Umwelt

24.01.2020, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn. Rumpelstilzchen heißt das neue Stück des FFM-TheaterEnsembles. Die Amateur-Darsteller können die Premiere im Rahmen des 6. Kinder-Saal-Winters kaum erwarten. Birgit Letze-Funke vereint auf der Bühne Menschen unterschiedlicher Herkunft und Generationen.

In einem kleinen Raum in der zweiten Etage des Freizeitforums Marzahn liegt viel Stroh. Drei Frauen, darunter Regisseurin Birgit Letze-Funke, wickeln die Ballen in Folie ein. „Das Stroh habe ich vom Tierhof Marzahn bekommen“, sagt die Theaterwissenschaftlerin und künstlerische Leiterin des FFM-TheaterEnsembles. Um zu verhindern, dass sich die getrockneten Getreidehalme auf der Bühne des Freizeitforums verteilen, soll die Folie helfen.

So die Story laut Gebrüder Grimm

Das Stroh ist Teil der Requisite für die Aufführung Rumpelstilzchen, das am Sonntag, 2. Februar, im Rahmen der Reihe „Kinder-Saal-Winter“ Premiere haben wird. In jenem Stück nach den Gebrüdern Grimm geht es um die Tochter eines Müllers, die in der Lage sein soll, aus Stroh Gold zu spinnen. Das geltungssüchtige Fräulein Eisenhut erfährt davon und lässt sie ins Schloss bringen. Weil aber kein normaler Mensch über solche Fähigkeiten verfügt, mal eben Stroh zu Gold zu machen, springt dem Mädchen ein kleines Männchen zur Seite. Das lässt sich die Hilfsbereitschaft aber einiges kosten. Am Ende fordert das Rumpelstilzchen gar das Kind des Mädchens, das inzwischen vom König geheiratet wurde. Nur, wenn sie den Namen des Männchens errät, kann sie ihr Kind behalten…

Rumpelstilzchen wird zum Umweltschützer

Für gewöhnlich sind die Märchen der Gebrüder Grimm nie lang. Und so hat sich Birgit Letze-Funke auch dieses Mal wieder daran gemacht, die Geschichte als Vorlage für ein eigenes Stück zu nutzen. 28 Seiten umfasst das Manuskript, in dem sich viele aktuelle Bezüge wiederfinden. So wird Rumpelstilzchen kurzerhand zum Umweltschützer, dem eigentlich daran gelegen ist, das Königskind für die Natur und den Klimaschutz zu sensibilisieren. „Ich bin Großmutter, habe vier Enkel“, erzählt Birgit Letze-Funke. „Da muss man schon mal über die aktuellen Themen nachdenken.“

Neufassung mit zusätzlichen Rollen

Anders als im Original tauchen auch Figuren auf, die es so eigentlich gar nicht in der historischen Vorlage gibt. Denn jedem der insgesamt 15 Darsteller schreibt Letze-Funke die Rollen stets auf den Leib. Das liegt daran, dass alle Schauspieler Amateure sind, jeder unterschiedliche Begabungen und Talente mitbringt. Mit 90 Jahren ist Sterna Wieck die Älteste im Team, die Jüngste ist gerade einmal zwölf Jahre alt. Viele Darsteller sind inzwischen im Rentenalter, andere arbeiten oder gehen noch zur Schule. Sie kommen aus allen sozialen Schichten, haben mitunter auch körperliche Handicaps oder einen Migrationshintergrund. Im Team aber ist das kein Thema: Alle halten zusammen, helfen sich bei Textaussetzern. „Dadurch entsteht eine wunderbare Energie, eine richtige Dynamik“, schwärmt Ensemblemitglied Manja Polchow.

Theater als Chance

Seit 2013 ist die Regisseurin und Schauspielerin Birgit Letze-Funke die gute Seele des FFM-TheaterEnsembles. Sie organisiert, schreibt Texte, besorgt Requisiten – und ja, manchmal ist sie auch ein bisschen Sozialarbeiterin LiMa+ berichtete. Immer wieder gelingt es ihr, ihren Schützlingen die Angst vor der großen Bühne zu nehmen oder zu Dingen zu ermutigen, die sie vorher für unmöglich hielten. „Das Theater bringt mir Bestätigung und ich habe die Chance, etwas an die Gesellschaft zurückzugeben“, sagt Ensemble-Mitglied und Frührentnerin Jana Berndt. „Das Theater macht Spaß und ist gut für den Kopf“, sagt Heinz Hoffmann, der lange im Chor gesungen hat und nun wegen einer Lungenerkankung ins Schauspielfach gewechselt ist. Der Kinder-Saal-Winter, der dieses Jahr zum sechsten Mal stattfindet, gehört inzwischen fest in den Terminkalender der Männer, Frauen, Kinder und Jugendlichen. Dafür verzichten sie auf ihre Winterferien.

Teamgeist wird groß geschrieben

Gut 45 Proben müssen die 15 Darsteller und zwei Helfer hinter der Bühne absolvieren, bevor es zur Premiere geht. Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Wird gerade nicht geprobt, basteln die Mitglieder des FFM-TheaterEnsembles an ihrer Bühnendekoration. „Alle helfen mit“, sagt Birgit Letze-Funke. Dadurch entsteht nicht nur Teamgeist, sondern auch ein fast familiärer Zusammenhalt.

Rumpelstilzchen, ab 4 Jahren: Bühnenfassung, Regie und Ausstattung – Birgit Letze-Funke, Musik – Alexander Lacher. Premiere: Sonntag, 2. Februar, 16 Uhr. Weitere Aufführungen am 3., 4., 5. und 7. Februar jeweils um 10 Uhr, letzte Vorstellung am 7. Februar, 16 Uhr. Ort: Arndt-Bause-Saal, Freizeitforum Marzahn, Marzahner Promenade 55, 12679 Berlin. Karten: Tel. 5 42 70 91. Eintritt: 5, ermäßigt 3 Euro.

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