Gesobau will Baufreiheit bis Oktober für 1.250 Wohnungen

Rückbau Tempohome Zossener Straße

19.07.2019, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Hellersdorf. Die Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete Menschen an der Zossener Straße / Alte Hellersdorfer Straße wird freigezogen und zurückgebaut. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gesobau plant auf dem Areal, das zum „Gut Hellersdorf“ gehört, den Bau eines neuen Quartiers mit rund 1.250 Wohnungen, Spielplätzen und einer Kita.

Nutzungsgenehmigung für Container läuft aus

Wie es in einer Mitteilung des Berliner Abgeordneten Kristian Ronneburg (Die Linke) heißt, erfolge der Freizug und Rückbau nach Auslaufen der dreijährigen Nutzungsgenehmigung. „Die Unterkunft … Zossener Straße … war eines der ersten ‚Tempohomes‘, die seit Mai 2016 in Berlin errichtet wurden“, erklärt der Abgeordnete. Betreiber ist die gemeinnützige AG Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF).

Die acht eingeschossigen, sehr einfachen Container auf dem knapp 16 tausend Quadratmeter großen Grundstück boten Platz für 280 Personen. Sie wurden errichtet, um die Sporthallen wieder frei zu bekommen. Diese waren vorübergehend als Notunterkünfte für Menschen genutzt worden, die aus ihrer Heimat fliehen mussten.

Dank an die vielen Helfer

Der Umzug der geflüchteten Menschen soll „vorrangig in sozialraumnahe Unterkünfte“ erfolgen. „Die Detailplanung übernimmt das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) mit dem Ziel individuell geeignete Unterkünfte zu vermitteln“, teilt Kristian Ronneburg mit. „Ich möchte mich ausdrücklich beim Träger der Einrichtung, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern für ihre Integrations- und Gemeinschaftsarbeit bedanken“, sagt er.

Nachnutzung der Module und Spielgeräte

Bis zum Oktober 2019 muss auf dem Grundstück Baufreiheit geschaffen werden. Die Bauarbeiten der Gesobau sind ab Februar 2020 geplant und werden voraussichtlich bis 2023 andauern. Die ersten Wohnungen könnten 2022 bezogen werden.

Auf Antrag der Linken-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf wird nun geprüft, ob die Container andernorts für soziale Zwecke verwendet werden können. Fraktionsvorsitzender Bjoern Tielebein könnte sich eine Nachnutzung einzelner Module zum Beispiel bei freien Trägern vorstellen. „Natürlich nicht mehr für Wohnzwecke, aber als Lagerräume, etwa für den Verein Helle Hunde e.V.“, sagt er. Auch die Spielgeräte vom Spielplatz sollen im Bezirk weiter genutzt werden.

Eine gute Lösung für wirklich alle?

Noch sind die beiden Bebauungspläne für das große Areal nicht beschlossen. „Wir befinden uns zur Zeit noch in einer frühen Planungsphase“, sagt Gesobau-Sprecherin Birte Jessen. Berlin, der Bezirk Marzahn-Hellersdorf und die städtische Gesobau würden die Anwohner, Gewerbetreibenden und Initiativen mit in die Entscheidungsprozesse einbeziehen. Es solle für alle eine gute Lösung gefunden werden.

Vielfältiges Quartier geplant

Ein nachhaltiges und erlebbares Wohnquartier mit sozialverträglichen Mieten will die Gesobau errichten, für breite Schichten der Bevölkerung. Einen großen Teil sollen geförderte Wohnungen ausmachen, die dem Berliner Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen. Ebenso sind Wohnungen für Studenten und Senioren vorgesehen. Neue Wege, Straßen und Plätze sind geplant, auch Richtung Stadtteilzentrum „Helle Mitte“. Der historische Teil des Gutes Hellersdorf soll bewahrt werden. Denkmalgeschützte Gebäude erhalten eine Sanierung, damit sie für Gewerbe, Kultur, Gastronomie und Kunst zur Verfügung stehen.

MUF 2.0 für Geflüchtete oder ganz normale Wohnungen?

„Es gibt auch Überlegungen, auf dem Grundstück neue Modulare Unterkünfte für Flüchtlinge, sogenannte MUF 2.0, mit mehr Privatsphäre zu bauen“, sagt Bjoern Tielebein. Doch er sei da zwiegespalten. „Denn erstens kann die Räumung der alten – und der Bezug der neuen Unterkunft nicht 1: 1 erfolgen und zweitens sollten die Menschen mittelfristig in ganz normalen Wohnungen unterkommen.“

Den Übergang erleichtern könnte die Flüchtlingsunterkunft am Murtzaner Ring, die gerade gebaut wird. Doch sie wird erst 2020 bezugsfertig. Die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) hat bereits Vorbereitungen für den Rückbau der Unterkunft an der Zossener- /Alte Hellersdorfer Straße getroffen. Zunächst sechs Monate sind nach dem Freizug dafür eingeplant.


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