Grün Berlin erweitert Weiden im Wuhletal

Noch 2019 ziehen die Rinder um

31.10.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel Zum Vergrößern bitte auf das Startbild klicken!

Marzahn-Hellersdorf. Die Koppeln sind bereits hergerichtet: Die Grün Berlin GmbH weitet ihr Weideprojekt im Wuhletal aus. Noch in diesem Jahr sollen die Rinder, die jetzt noch in den „Gärten der Welt“ weiden, dorthin umziehen, teilte das Unternehmen auf Anfrage von LiMa+ mit.  Die Schafe, die bislang ihre Wiese inklusive Stall nahe dem Englischen Garten haben, bleiben vorerst noch dort. Denn von den insgesamt sechs geplanten Weideflächen im Kienbergpark sind bisher erst vier eingezäunt. Zwei weitere im Norden an der Eisenacher Straße sollen in den kommenden Jahren folgen. Die Planungen waren im März dieses Jahres bei einem Infomarkt über den Volkspark Kienberg und die angrenzenden internationalen Gärten vorgestellt worden, wir berichteten…

Arche Park für bedrohte Rassen

Bereits seit mehr als zwei Jahren, kurz vor dem Start der Internationalen Gartenausstellung (IGA) Berlin 2017, grasen drei Stuten der Rasse Dülmener auf einer Fläche gegenüber dem Umweltbildungszentrum am Wuhleteich. Sie sollen nun Gesellschaft bekommen, denn das Beweidungsprojekt ist das Herzstück eines sogenannten Arche Parks. Dort sollen Pferde, Rinder und Schafe gehalten werden, die vom Aussterben bedroht sind und die deshalb auf der Roten Liste gefährdeter Rassen stehen. Im Wuhletal sollen sie nicht nur für Freude der Spaziergänger sorgen, sondern auch als ökologische Landschaftspfleger wirken. Sie grasen die Flächen schonender ab als das bei einer maschinellen Mahd möglich ist. Das Grün kann sich dadurch vielfältiger entwickeln – übrigens auch vielfältiger, als es beim Unterbleiben einer Pflege möglich wäre. Um die Weideflächen schonend zu behandeln, sollen die Tiere immer mal wieder die Areale wechseln. So läuft es bereits seit Jahren im Eiche-Park von Marzahn-Nord, wo Schottische Hochlandrinder von der Agrarbörse Deutschland Ost gehalten werden.

Unbekannte drohten mit Tod der Tiere

Doch die Beweidungspläne im Wuhletal finden nicht nur Zuspruch. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Vandalismus: Zaunpfosten wurden abgesägt, Zäune zerstört. Die Pferdekoppel wurde geöffnet, die Tiere hinausgetrieben. Im Frühjahr dieses Jahres machten Unbekannte nicht nur den Schauweinberg am Kienberg platt. Es waren auch Flugblätter mit den Bildern von Rindern, Pferden und Schafen zu finden, auf denen mit dem Tod der Tiere gedroht wurde. Bettina Riese, Sprecherin der Grün Berlin, sagte, man habe „verschiedene Sicherheitsvorkehrungen getroffen“, um gegen möglichen Vandalismus gewappnet zu sein. Diese würden allerdings nicht öffentlich kommuniziert.

Kein unüberwindliches Hindernis für Wild

Naturschützer bemängelten im sozialen Netzwerk Facebook nach dem Aufstellen der Weidezäune, dass durch diese einheimische Wildtiere von ihrem bisherigen Lebensraum abgeschnitten werden. „Die Zäune sind hinsichtlich Höhe und Art so gewählt, dass sie für Rehwild und kleineres Wild kein unüberwindliches Hindernis darstellen. Rehwild kann über den Zaun aus Knotengittergeflecht springen oder unter den Toranlagen hindurchschlüpfen“, erklärt Sprecherin Riese. „Wir haben auch schon mehrfach ‚Schlupfspuren’ gefunden, die zeigen, dass die Tiere an manchen Stellen einfach unter dem Zaun hindurch kriechen. Die Zäune stören das Rehwild also nicht oder sperren es aus ihrem Lebensraum aus. Es scheint eher so zu sein, dass einige Rehe, darunter ein Bock, bewusst die Weideflächen aufsuchen, weil sie dort keine freilaufenden Hunde zu befürchten haben.“

Naturschutzstation Malchow aktiv bei Planung

Das Arche Park Projekt wird vom Team Beweidung der Grün Berlin GmbH betrieben, darunter sind Schäfermeister und Agraringenieure. In der Planungsphase des Projektes war die Naturschutzstation Malchow aktiv beteiligt, die selbst über eine 23-jährige Erfahrung mit Weidetieren in Berlin verfügt.

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden