Drinnen + draußen

Reisen bildet

19.05.2019, Linna Schererz

Fotos: Linna Schererz

„Hast Du Haschisch in den Taschen, hast du immer was zum Naschen“ – diesen Spruch aus der Zeit der Blumenkinder kennt jeder fast genauso gut wie den aus derselben Zeit stammenden „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“. Nicht, dass man selber unbedingt einschlägige Erfahrungen mit Sex, Drugs (und Rock’n’Roll) gemacht hat, aber solche flotten Sätze hat fast jede und jeder jeden Alters drauf. Genauso, wie nahezu jeder Berliner Orte kennt, wo er bewusstseinserweiternde Substanzen erstehen könnte, wenn er das nur wollte. Görli, Kotti & Co sind dafür schließlich berühmt-berüchtigt. Das weiß man, wenn schon nicht aus eigenem Erleben, zumindest aus der Zeitung und den sozialen Medien. Und man weiß auch, dass man sich dort nicht bei eventuellen Kaufaktionen erwischen lassen sollte. Denn zwar ist der reine Konsum von Drogen im Land Berlin nicht strafbar, wohl aber der Besitz beispielsweise von mehr als 15 Gramm Cannabis (für den sogenannten Eigenbedarf). Wer sich also unbedingt einen Joint drehen will, sollte beim Einkauf vorsichtig sein. Oder es besser gleich lassen. Denn letzteres ist allemal gesünder.

Auf der Pusher Street

Nicht schlecht staunten wir deshalb bei einem Besuch in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Reisen bildet eben. Dort, in der sogenannten Freistadt Christiania, einem ehemaligen und jetzt legalisierten Hausbesetzer-Gelände, gab es Marihuana und Haschisch en gros. An Ständen auf der Pusher Street (Dealerstraße) war unter freiem Himmel offen aufgebaut, was des Kiffers Herz begehrt – vom Gras in unterschiedlichen Abmessungen bis zum Haschisch verschiedenster Qualitäten und Preislagen. Wer wollte, konnte gleich noch eine Beratung gratis bekommen. Ein wenig ähnelte das Bild einem bunten Wochenmarkt. Nur dass dort statt Obst und Gemüse eben andere Bioprodukte zu haben waren. Verboten war allerdings, Fotos davon zu machen. Einer unserer Freunde, der bei Aufnahmen mit dem Smartphone erwischt wurde, musste unter strenger Aufsicht die Bilder löschen. „Marihuana illegal“, wurde ihm bedeutet.

Kein Alkohol

Was die vornehmlich jungen Leute in den nahen Restaurants und Freiluftgaststätten allerdings nicht störte. Nahezu an jedem Tisch wurden bei strahlendem Sonnenschein am hellerlichten Tag Joints gedreht und durchgezogen. Alkohol wurde übrigens nicht ausgeschenkt. Vielleicht war auch deshalb die Stimmung so gelassen und entspannt.

Die Postkarte war gar keine

Wir selber haben nichts geraucht außer eine ganz gewöhnliche Zigarette (auch Nikotin ist übrigens eine Droge, allerdings nicht bewusstseinserweiternd). Und eine Postkarte erstanden. Diese zeigt ein Gemälde der freie Stadt Christiania mit der Pusher Street. Erst als wir sie absenden wollten, haben wir begriffen, was wir wirklich gekauft haben: Man kann die Pappe kniffen und falten – und damit ein Behältnis erstellen, das das Herstellen von Joints erleichtert. Eigentlich war die Karte ja für den Sohn bestimmt. Wir haben ihm dann eine andere geschickt. Schließlich soll man niemanden in Versuchung führen.


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