Fahr doch mal wieder mit der Eisenbahn

„Rauchen und Kiffen im Klo verboten“

13.10.2019, Birgitt Eltzel

Foto: Birgitt Eltzel

Die Gruppe aus Berlin und Brandenburg hatte sich mit ehemaligen Mitschülern verabredet. Zwar liegt die Schulzeit schon mehr als 40 Jahre zurück, dennoch treffen sich die Abiturienten von einst regelmäßig. Erst in Berlin, wo sie zur Schule gingen, seit geraumer Zeit in Orten, in die es sie nach dem Studium und später verschlagen hat. Statt Klassentreffen gibt es nun Klassenfahrten. Diesmal sollte es nach Heidelberg gehen.

Mit dem Flixtrain unterwegs

Und weil der Weg dorthin kein kurzer ist, entschied sich die Mehrheit dafür, statt Auto die Bahn zu nutzen. Flugzeug war auch kurz im Gespräch, wurde dann jedoch als Alternative abgewählt. Ist zwar (rechtzeitig gebucht) auch nicht teurer, aber es geht damit schließlich auch nicht wesentlich schneller. Und darf man angesichts des drohenden Klimawandels ohne schlechtes Gewissen noch innerhalb Deutschlands fliegen? Zudem kann man in der Bahn schön zusammensitzen und klönen. Das gab letztlich den Ausschlag. Also wurden Bahntickets gebucht. Nicht bei der DB, sondern für den Flixtrain. Denn mit diesem konnte Heidelberg ohne Umsteigen erreicht werden, außerdem verkehrte er schon in den Morgenstunden. So dass bis zum ersten abendlichen Treffen in einer traditionellen Studentenkneipe noch etwas Zeit blieb, die Stadt am Neckar zu erkunden.

Alt-Abiturienten unter jungen Leuten

Allerdings, wer Alternativen zur DB sucht, muss dabei auch einiges in Kauf nehmen. Als Erstes wurde zwei Wochen vor Fahrtbeginn mitgeteilt, dass die Reservierungen für den Zug hinfällig sind. Das Geld für die gekauften Platzkarten wurde rückerstattet. Gleichzeitig gab es jedoch die Information, dass der Flixtrain nunmehr statt vom Ostbahnhof vom Bahnhof Südkreuz startet. Vor Ort dann kurze Irritation, weil der Zug statt auf dem angekündigten Gleis nun plötzlich auf einem anderen einfuhr. Mit ein wenig Glück klappte es dennoch, dass alle einen Sitzplatz fanden, sogar im selben Abteil.

Dort schauten sich die Ausflügler um – und mussten erkennen: Sie erhöhten den Altersdurchschnitt beträchtlich. Um sie herum saßen fast ausschließlich junge Leute zwischen 20 und 30 Jahren. Vermutlich Studenten, die für ein langes Wochenende zu ihren Eltern ins Schwäbische reisten (Endstation des Zuges war Stuttgart). Der Jugend der Fahrgäste angemessen, die sich meist mit Laptop oder anderen elektronischen Geräten die Fahrzeit verkürzten, waren auch die Durchsagen. So gab es nicht nur Hinweise auf guten Kaffee im Bordrestaurant, sondern auch Ermahnungen: „Rauchen und Kiffen auf den Toiletten ist verboten“, dröhnte mehrfach eine strenge Männerstimme aus den Lautsprechern. Wer sich nicht dranhalte und erwischt werde, müsse Strafe zahlen. Ob Sünder dingfest gemacht wurden, ist nicht bekannt geworden. Allerdings wurden etliche Klos noch während der Fahrt dauerhaft verschlossen – vermutlich roch es darin zu verlockend nach Gras.

Erlebnisfahrt durch Deutschland

Auch bei der Rückfahrt einige Tage später mischten sich die Alt-Abiturienten wieder unter das junge Volk. Diese Tour dauerte beträchtlich länger als die Hinfahrt – wer mit der Bahn fährt, kann etwas erleben. Kurzfassung: Zug am Einsatzbahnhof zu spät bereitgestellt, später musste noch ein verspäteter ICE vorbeigelassen werden. Bei Fulda gab es einen Einsatz der Bundespolizei, die drei Männer aus dem Zug führte. Später erfolgte ein längerer Halt auf freier Strecke wegen eines angekündigten (und glücklicherweise nicht stattgefundenen) Suizidversuchs. Es gab noch einige kürzere Stopps aus nicht näher genannten Gründen, dennoch wurde irgendwann Berlin-Hauptbahnhof erreicht. Dort funktionierten die Kartenautomaten für die S-Bahn nicht, zwischen Lichtenberg und Wuhletal war Schienenersatzverkehr. Aber das war dann auch schon egal. Hauptsache, wieder in der Heimatstadt angekommen zu sein.

2021 mit der S-Bahn

Hieß es anfangs: Nie wieder Bahn, wurde wenig später schon wieder gelacht. Eigentlich war die Erfahrung ja doch ganz nett gewesen. Wann schließlich erlebt man in nur wenigen Stunden so viel miteinander? Und diejenigen, die mit dem Auto gefahren waren, meldeten sich erst einige Stunden später per Whatsapp. Sie hatten im Stau gesteckt.

Die nächste Klassenfahrt geht übrigens 2021 nach Zeuthen. Dorthin gelangen wenigstens die Berliner bequem mit der S-Bahn. Wenn die dann fährt. Man weiß ja nie…

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