Das „Weite Theater“ muss 2020 ausziehen – nur wohin?

Puppen, die die Fantasie beflügeln

29.11.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Tine Fiedler (1), Anna Duda (2), Christine Fiedler (3), Birgitt Eltzel (4-7)

Lichtenberg. Schon seit dem vergangenen Sonntag weihnachtet es im „Weiten Theater“. Die Spielstätte mit dem Untertitel „Für Puppen und Menschen“ hat mit dem jahreszeitgemäßen Stück „Der kleine Weihnachtsmann“ die Adventszeit eingeläutet. Sogar eine Woche vorfristig. In der Spielstätte an der Parkaue sind durchschnittlich immer rund 90 Prozent der knapp 100 Plätze besetzt. In der Vorweihnachtszeit aber sind die Künste der Puppenspieler mehr denn je gefragt. So mussten bereits Zusatzvorstellungen in den Spielplan aufgenommen werden. Denn wann, wenn nicht jetzt, ist Zeit zum Träumen? Und wer regt die Fantasie von Kindern im Kita-Alter, der Haupt-Publikumsgruppe, besser an als Puppen auf einer Bühne?

Weitere Sanierungsarbeiten im Haus

Es ist die wohl vorletzte Adventszeit bis 2020, die das „Weite Theater“ im Gebäude des früheren Pionierhauses German Titow an der Lichtenberger Parkaue gestaltet. Das  Puppentheater befindet sich direkt neben dem „Theater an der Parkaue”. Nach bisherigen Planungen soll bereits Anfang 2020 ein weiterer Sanierungsabschnitt für Berlins Junges Staatstheater beginnen. Unter anderem wird der weithin sichtbare Bühnenturm abgerissen und neugebaut, eine Klimaanlage ins Haus eingebaut. Auch die Räume im früheren Pionierhaus, die nach dem kürzlich erfolgten Auszug der Abteilung Puppenspiel der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ leer stehen, sollen künftig saniert und für die Freie Szene hergerichtet werden. Das Puppentheater ist damit von beiden Sanierungsprojekten im Gebäudekomplex direkt betroffen.

Ausweichspielstätte dringend gesucht

Im „Weiten Theater“ sieht man das mit Sorge. Denn die Sanierungsarbeiten werden etwa zwei Jahre dauern. Björn Langhans, Puppenspieler und Vorstand des Theatervereins, sagt: „Wir brauchen dringend eine Ausweichspielstätte, allein mit Gastspielen können wir diese Zeit nicht überbrücken.“ Unklar sei auch noch, wie es nach der Sanierung überhaupt weitergehe. Kann das Theater überhaupt am Standort bleiben? Außerdem hätte man gern etwa 100 Quadratmeter zusätzlich in den ehemaligen Schauspielschul-Räumen, für einen kleinen Probenraum und für die Lagerung des Inventars. Zurzeit gibt es nur die etwa 100 Quadratmeter große Spielstätte, wo die ersten Zuschauer nur wenige Zentimeter vor den Schauspielern mit den Puppen sitzen, ein kleines Foyer, ein bescheidenes Büro an einem langen Flur und weiter entfernt im Gebäudekomplex ein Lager, das in etwa so groß wie eine Zweizimmer-Wohnung ist.

Senatsverwaltungen: Theater bleibt nach Sanierung

Eine Nachfrage von LiMa+ bei den zuständigen Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Kultur gibt Entwarnung: „Dem ‚Weiten Theater’ steht nach der Sanierung die angestammte Spielstätte vollumfänglich zur Verfügung“, heißt es in einer gemeinsamen Antwort beider Verwaltungen. Zudem solle die Einrichtung schon ab Ende 2018 im Südflügel, wo bisher die Schauspielschüler studierten, einen Raum für eine Probebühne und einen Büroraum zur Zwischennutzung erhalten, die Lagerflächen sollen dort bis zum Beginn der Sanierung ebenfalls erhalten bleiben. Auch für eine Ausweichmöglichkeit während der Bauarbeiten gibt es Hoffnung: „Die Senatskulturverwaltung bemüht sich intensiv um eine Ersatzspielfläche für das ‚Weite Theater’ während der ab 2020 anstehenden Bauphase“, wird versichert. Der gesamte Südflügel des 1911 als Höhere Knabenschule erbauten Hauses an der Parkaue soll nach der Sanierung für Künstler, Ensembles und Gruppe der Freie Szene genutzt werden. Das „Weite Theater“ erhält aus Senatsmitteln für die Freie Szene jährlich 80.000 Euro Basisförderung, ist also dort genau am richtigen Ort.

Schon als Schüler dabei

Vereinsvorstand Langhans (36), Puppenspieler am „Theater des Lachens“ in Frankfurt (Oder), war in seiner Schulzeit zum „Weiten Theater“ gekommen. Er ist in Mahlsdorf aufgewachsen. Das Theater, gegründet 1992 von Schauspielern und Musikern aus dem früheren Puppentheater Berlin an der Greifswalder Straße, spielte in einem ehemaligen Jugendclub an der Schkeuditzer Straße in Hellersdorf. Es bot jungen Leuten wie Björn Langhans und Michael Hatzius, bekannt auch aus dem Fernsehen als der „Mann mit der Echse“, in seinem Theaterjugendclub Entwicklungsmöglichkeiten. Wegen steigender Mieten, dem schlechten Zustand des Gebäudes und stetig steigenden Besucherzahlen zog das Ensemble, das nur zwei festangestellte Mitarbeiter hat, die Künstler sind Freiberufler, nach Lichtenberg. Das Hellersdorfer Gebäude wurde vor mehr als zehn Jahren abgerissen, der Platz davor heißt jedoch immer noch „Theaterplatz“.

Besonders beliebt: „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“

Mehr als 80 Eigenproduktionen wurden seit 1992 im „Weiten Theater“ aufgeführt, dazu gab und gibt es Kooperationen und Gastspiele. Von Anfang an im Repertoire ist „Rotkäppchen“, das beliebteste Stück heißt „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“. Doch nicht nur für Kinder wird gespielt, es gibt auch Angebote für Jugendliche und Erwachsene wie „Der weiße Hammer“ und die Fortsetzung „Heiße Wammer“ – Kriminalstücke mit schwarzem Humor. Für Björn Langhans ist Puppentheater die schönste Form des Theaters. „Die Puppen werden durch die Zuschauer lebendig“, sagt er. Das Geschehen auf der Bühne entwickle dann eine ganz eigene Dynamik. „Da können sogar Bauklötze plötzlich zu Rittern werden – und die Eltern bekommen eine Anregung dafür, wie sie selbst mit ihren Kindern spielen können.“

Weitere Infos und Spielplan hier…
In der Vorweihnachtszeit Karten unbedingt vorbestellen!

 

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