Prüfen, Rufen, Drücken

15.10.2018, Volkmar Eltzel

Lichtenberg. …“So einfach ist es, Leben zu retten“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Sana Klinikums Lichtenberg. Im Notfall richtig zu handeln ist nicht schwer und doch enorm wichtig. Ob in der Straßenbahn, im Supermarkt oder im Fußballstadion – es kann überall und jederzeit passieren: Plötzlich sackt ein Mensch zusammen und bleibt regungslos liegen. Ist er nur ohnmächtig oder steht sein Kreislauf still? So oder so, wichtig ist, dass dem Betroffenen sofort geholfen wird. „Und genau da liegt das Problem“, sagt Dr. med. Matthias C. Guth, Leiter der Rettungsstelle am Sana Klinikum Lichtenberg. Deutschland braucht mehr Ersthelfer, denn die aktuelle Bilanz ist alarmierend: Nur wenige Bundesbürger helfen im Ernstfall. Dabei ist Erste Hilfe vor Ort – auch und gerade von Laien – immens wichtig, weil lebensrettend. Aus diesem Grund macht das Klinikum auf den internationalen Aktionstag „World Restart a Heart Day“ am Dienstag, 16. Oktober, aufmerksam.

Statistiken zeigen, dass bundesweit nur in etwa 42 Prozent der Fälle eines plötzlichen Herzstillstandes die Anwesenden eine Wiederbelebung beginnen. Sie haben schlicht Angst, etwas falsch zu machen und tun deshalb erstmal gar nichts. „Dabei ist genau das der größte Fehler: nicht helfen. Denn eigentlich ist das Allerschlimmste ja schon eingetreten“, so Dr. Guth. Für Betroffene ist ein engagierter Ersthelfer lebenswichtig. Die ersten Minuten nach einem Herzinfarkt entscheiden oft über mögliche Folgeschäden oder im schlimmsten Fall über Leben und Tod. „Fakt ist, dass mit jeder Minute ohne Reanimation die Überlebenswahrscheinlichkeit des Patienten um zehn Prozent sinkt. Schon nach drei bis fünf Minuten setzen erste irreparable Hirnschäden ein. Die sofortige Herzdruckmassage hingegen verdoppelt bis verdreifacht die Überlebenschance“, erklärt der Mediziner.

Und helfen ist wirklich nicht schwer. Letztlich lässt es sich auf eine einfache Formel herunterbrechen, was in einem Notfall zu tun ist: Prüfen – Rufen – Drücken. „Prüfen, ob die Person ansprechbar ist und atmet. Wenn nicht, Notruf wählen und anschließend direkt mit der lebensrettenden Herzdruck-Massage beginnen. Sie ist und bleibt das wirksamste Instrument bei einem Herzstillstand. Man drückt schnell und fest auf die Mitte des Brustkorbs, mindestens hundert Mal pro Minute, und das so lange, bis Hilfe eintrifft“, erläutert Dr. Guth. Wie schnell 100 Mal pro Minute ist? Auch dafür gibt es eine einfache Faustregel. Der bekannte Bee Gees-Hits „Stayin‘ Alive“ hat nämlich in etwa diesen Takt. Auch ‚Dancing Queen‘ von ABBA und ‚Yellow Submarine‘ von den Beatles haben genau den Rhythmus, der Leben retten kann.

Und was tun, wenn bei der Wiederbelebung eine Rippe brechen sollte? „Das kann durchaus passieren, aber das ist nicht schlimm. Wenn man gar nichts macht, aus Angst, dass eine Rippe bricht, dann muss man sich immer vor Augen halten: Ein gebrochener Knochen kann problemlos wieder heilen. Einen Verstorbener lässt sich aber nicht wieder lebendig machen“, so der Rettungsstellenleiter.

 

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