Bezirksamt startet Stadtteildialoge

Politik auf Augenhöhe

29.05.2018, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding

Rummelsburg/ Karlshorst. Unter dem Motto „Lasst uns reden“ gehen Politik und Verwaltung neue Wege. Ab Juni starten die Stadtteildialoge Lichtenberg als neues Format, um mehr über die Sorgen und Nöte der Bewohner zu erfahren. Gleichzeitig will man die Lichtenberger mehr in Entscheidungen einbeziehen.

Das Schild, das seit einigen Tagen im Büro von Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) steht, ist nicht zu übersehen. „Lasst uns reden“ steht dort in großen Buchstaben, umrahmt von einer eckigen Sprechblase. Grunst mag solche Schilder, gleich daneben steht eines mit der Aufschrift „Lichtenberg machen!“. Nun sollen auf diese Phrasen auch Taten folgen. Bis zum Ende der laufenden Wahlperiode wollen der Rathaus-Chef, alle Bezirksstadträte und Mitarbeiter der Verwaltung stärker als bisher in den Kiezen Präsenz zeigen. „Stadtteildialoge Lichtenberg“ nennt sich das Konzept für fünf sogenannte Planungsräume von Falkenberg im Norden bis Karlshorst im Süden. „Im Mittelpunkt steht der Austausch zwischen Politik, Bürgern und Verwaltung“, sagt Michael Grunst. „Wir wollen, dass sich die Lichtenberger als Experten für ihren Kiez wahrnehmen.“

Dialoge mit mäßigem Erfolg

Nun ist es nicht so, dass das Bezirksamt sich jetzt erst aus der Deckung wagt und plötzlich die Nähe zu den Bürgern sucht. Denn Dialogveranstaltungen gab es auch in der Vergangenheit. Regelmäßig wird beispielsweise zu „Stadtteilkonferenzen“ eingeladen, auf denen Anwohner die Gelegenheit haben, nicht nur ihre Meinung zu sagen, sondern auch aktiv mitzuwirken. Bundesweit machte Lichtenberg sich zudem mit dem „Bürgerhaushalt“ einen Namen. Dabei können Bewohner Vorschläge einreichen, wofür das Bezirksamt Geld ausgibt.

Doch die bisherigen Mühen, mit den Menschen im Bezirk ins Gespräch zu kommen und sie zu motivieren, ihren Kiez zu gestalten, sind gelinde gesagt von wenig Erfolg geprägt, wie Isabel Vela Sanchez einräumt. „Bei den Stadtteilkonferenzen trafen wir meist immer auf die üblichen Verdächtigen“, sagt die Bezirksamtsmitarbeiterin – zuständig für die Organisationseinheit mit dem sperrig-bürokratischen Namen „Sozialraumorientierte Planungskoordination“. Meist handelte es sich um jene Lichtenberger, die auch mal im Gästebereich der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) sitzen und dort auch schon mal ein Anliegen in der Bürgerfragestunde vortragen.

„Uns lernen die Lichtenberger meist dann kennen, wenn sie unangenehme Post vom Bezirksamt bekommen“, sagt Umweltstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) nicht ganz ernst gemeint. Nünthel weiß, wovon er spricht – ist der doch mit kurzer Unterbrechung seit 25 Jahren in verschiedenen Positionen Bezirksstadtrat. Wie wichtig es ist, sich auf den Weg zu den Leuten zu machen, erfuhr er vor gut zwei Jahren. Damals klapperte er alle Kleingartenanlagen im Bezirk ab, nahm viele Arbeitsaufträge mit ins Rathaus. Hier und da ließ er sich auch auf Bürgerversammlungen zu umstrittenen Bauvorhaben ein, während Michael Grunst die Tradition seiner Vorgänger übernahm und Kiezspaziergänge anbietet.

Um aber die breite Masse zu begeistern, müssen neue Ideen her. „Wir wollen mehr Menschen, mehr Zielgruppen erreichen“, sagt Bettina Ulbrich von der eigens eingerichteten Stabsstelle Bürgerbeteiligung. Dazu gehören eben alle: Kinder und Jugendliche, Berufstätige, Senioren, Menschen mit Behinderung, Künstler, Unternehmer. Es sei auf jeden Fall einen Versuch Wert, die Bevölkerung zu aktivieren.

Post vom Bezirksamt

Den Auftakt für die Reihe „Stadtteildialoge Lichtenberg“ macht der Süden des Bezirks: Am 1. Juni findet im Stadtteilzentrum „iKARUS“ ein Familienfest unter dem Motto „Tag der Vielfalt – lasst uns reden“ statt. Danach gibt es in Rummelsburg und Karlshorst unter anderem einen Trommel- und Graffitiworkshop für junge Leute, einen „politischen Tanztee“ für Senioren und einen Kiezspaziergang (Programm siehe unten). Per Zufallsprinzip wurden an die 3.000 Menschen im Kiez vom Bezirksamt angeschrieben und zum Austausch eingeladen. Ganz nebenbei möchten Politik und Verwaltung nicht nur wissen, wo der berühmte Schuh drückt. „Wir wollen bis zum Ende der Wahlperiode mindestens zweimal vor Ort Veranstaltungen anbieten und auch Rechenschaft ablegen“, umreißt Bezirksbürgermeister Michael Grunst das hochgesteckte Ziel.

„Heiße Eisen“ dürfte es vor Ort genug geben: Dauerstau auf der Treskowallee, fehlende Schul- und Kita-Plätze, Bebauung von grünen Innenhöfen, etc. „Kristallisieren sich bestimmte Schwerpunkte, berufen wir hierzu Stadtteilkonferenzen ein“, kündigt Grunst an. Für das Bezirksamt ist das Projekt jedoch keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. „Lichtenberg ist ein wachsender Bezirk, da müssen wir die Leute mitnehmen bei dem, was in den kommenden 10 bis 15 Jahren passiert.“

Mehr Informationen und Termine gibt es auf der Webseite des Bezirksamtes Lichtenberg

 

Stadtteildialoge Lichtenberg: Rummelsburger Bucht und Karlshorst

 

Freitag, 1. Juni: „Tag der Vielfalt – lasst uns reden“
14-19 Uhr Informations- und Auftaktveranstaltung zu den Stadtteildialogen:
Ein Kinder- und Familientag mit Politik und Verwaltung
Stadtteilzentrum iKARUS, Wandlitzstraße 13, Karlshorst
Freitag, 8. Juni „Colour your City”
15-20 Uhr Junge Menschen aus Karlshorst und der Rummelsburger Bucht im Dialog mit Politik und Verwaltung. Rahmenprogramm: Trommel- und Graffiti-Workshop, Freizeitfläche, Georg-Löwenstein-Straße, Rummelsburger Bucht
Mittwoch, 11. Juli „Politischer Tanztee“
14-17 Uhr In Tanzlaune treffen sich Seniorinnen und Senioren zum Politik-Talk.
Seniorenbegegnungsstätte Hönower Straße 30 A, Karlshorst
Sonnabend, 11. August: Kiezspaziergang mit Bezirksbürgermeister Michael Grunst
10-13 Uhr Motto „Karlshorst in Bewegung“
Treffpunkt: Bushaltestelle in der Stolzenfelsstraße, Karlshorst
Sonnabend, 1. September: „Trialog am Wasser“
14-17 Uhr Beim Wasserfest mit Politik und Verwaltung im Gespräch
Zillepromenade, Rummelsburger Bucht
Montag, 10. September: Abschluss Stadtteildialoge in der Rummelsburger Bucht
17-19 Uhr Daten, Fakten und Gespräche mit Politik und Verwaltung
Altes Lazarett und Vorplatz, Friedrich-Jacobs-Promenade 14, Rummelsburger Bucht
Montag, 24. September: Abschluss Stadtteildialoge in Karlshorst
18-20 Uhr Daten, Fakten und Gespräche mit Politik und Verwaltung
Kulturhaus Karlshorst, Treskowallee 112, Karlshorst

 

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