Drinnen + draußen

Ich zuerst!

28.07.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

In diesen Sommertagen schwitzen wir nicht nur heftig. Die Natur hat uns auch einen reichhaltigen Tisch gedeckt. Auf Wiesen und Feldern, in Gärten und auch in Parks reifen viele verwertbare Früchte heran. Die „essbare Stadt“ verdient ihren Namen. Zumindest bei uns im Wuhletal. Denn dort muss man nicht unbedingt eine Kräuterhexe sein, um für den Menschen Genießbares von Ungenießbarem oder gar Giftigem zu unterscheiden. Äpfel, Birnen und Pflaumen, die dort an alten Obstbäumen reifen, kennt jedes Kind. Die allermeisten wissen auch, dass die gelben Mirabellen lecker schmecken. Ebenso wie die inzwischen fast schon schwarzen Brombeeren, die kräftige Flecken auf der Kleidung hinterlassen, wenn man beim Pflücken nicht aufpasst.

Wenigstens haben die anderen nichts gekriegt!

Mit dem Pflücken ist es allerdings so eine Sache. Denn anscheinend gilt die Devise: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst! Immer wieder werden unreife Früchte von Baum und Strauch gerissen. Frei nach dem Motto: Ich zuerst! Und wenn es mir eigentlich nicht schmeckt, dann ist es auch gut: Wenigstens haben dann die anderen nichts gekriegt! Kein Wunder, dass diese Verhaltensweisen bei Vorbildern wie Donald Trump und Boris Johnson, die Egoismus zur Tugend erklären, um sich greifen: Me First! Me, me, me!

Eigentlich ist genug für alle da

Ich gebe zu, ich habe auch ein wenig nach dieser Devise gehandelt – und wildwachsende Brombeeren geerntet. In der Frühe, als noch nicht so viele Spaziergänger im Tal waren. Ich war zuerst da, habe ich mich gefreut. Doch ich habe nur die reifen Beeren genommen, die anderen blieben am Strauch und können noch etwas Sonne tanken. Für diejenigen, die dann später zum Ernten kommen. Die sollen ja auch noch etwas haben. Denn eigentlich ist genug für alle da!


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