Drinnen + draußen

Persönliches Kälteparadies

05.08.2018, Linna Schererz

Fotos: Linna Schererz

In diesen Tagen dreht sich nahezu jedes Gespräch ums Wetter. Wir schwitzen bei tropischer Hitze, nicht einmal die Nacht bringt Linderung. Ach, wie sehnen wir jenen Regen her, den wir im vergangenen Sommer so oft verflucht haben. Bei Facebook nehmen die Beiträge überhand, die Badende in Seen, Meeren und Pools zeigen (Neid!, Neid!!, Neid!!!) oder an den Winter mit Schnee und Frost erinnern. Nahezu jeder gibt Tipps, wie man am Besten durch den Tag kommt – was essen, was trinken, wie und wo bewegen. Und natürlich auch, was an- bzw. besser ausziehen.

Gegen Euro ins Kühlhaus

Schlagzeilen machte gerade eine Meldung über einen Edeka-Händler aus Hessen, der seine Kunden gegen eine nicht gerade geringe Gebühr pro Minute ins Kühlhaus ließ – eine Aktion, die dort sogar gut nachgefragt wurde. Noch hat das Beispiel keine Schule andernorts gemacht.

Alles gaaanz laaangsaaam

Vielleicht, weil es vielen so geht wie mir. Ich habe nämlich mein persönliches kleines Kälteparadies entdeckt, zu dem ich jetzt täglich hin pilgere. Einer der Discountmärkte in unserer Umgebung hat ein weitaus kühleres Klima zu bieten als alle anderen Verkaufsstellen in einem Umkreis von fünf Kilometern. Bin ich früher nur dorthin gegangen, um schnell meine Einkaufsliste abzuarbeiten, spaziere ich nun geruhsam durch die Gänge. Ach sieh mal an, das ist jetzt im Angebot? Und das auch? Ich studiere Packungsrückseiten und Inhaltsstoffe, prüfe, ob ich nicht irgendetwas aus den Aktionsregalen brauchen könnte. Alles gaaanz laaangsaaam. Am liebsten hänge ich an den Kühlregalen ab. Ach, tut das gut! Mit jeder Minute kommen meine Lebensgeister wieder. Und ich muss nicht einmal etwas dafür bezahlen – die Abkühlung ist gratis.

Lohn der Coolness

Moment mal. Ich habe natürlich bei jedem Besuch etliches in mein Einkaufskörbchen gelegt. Wenn man so lange im Discounter herumlungert, entdeckt man schließlich auch das, was man eigentlich gar nicht braucht, in dem Moment aber unbedingt haben muss. Wenn ich berechne, was mich die Nicht-gebraucht-dennoch-erworben-Käufe so gekostet haben, hätte ich auch etliche Minuten im hessischen Edeka-Kühlhaus sitzen können. Doch mir tut kein Cent davon leid. Soll der Discounter meines Vertrauens doch auch etwas davon haben, dass er so cool ist.

 

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