Hund + Katz

Peinlich, peinlich

28.04.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Wir haben Mitte Mai einen Städtetrip nach Dänemark geplant, doch die seit Jahren bewährte Hundesitterin ist dann selbst verreist. Wohin nun mit Rudi? Mitnehmen können wir ihn nicht. Der Terriermischling ist ein wenig eigen. Eine Hundepension, in der er eine Box mit drei bis vier weiteren, ihm unbekannten Tieren teilen muss, fällt aus diesen Gründen aus. Also rumgefragt in Verwandtschaft, Freundschaft, Bekanntschaft. Etliche sind genau zu dem Zeitpunkt nicht in der Stadt, andere haben Angst vor Hunden, weitere Allergien gegen Tierhaare. Glücklicherweise hat nun eine Freundin aus unserem Hundeverein zugesagt, Rudi zu behalten, wenn er sich mit ihrer Emma verträgt, einer gutmütigen Labrador-Hündin. Auf dem Hundeplatz klappt das immer ganz ordentlich. Was vor allem an Emmas geduldigem Wesen liegt. Wir probieren nun, ob es auch in Emmas Zuhause gut geht.

Mit frechem Blick

Kürzlich sind wir zum gemeinsamen Kaffeetrinken eingeladen worden (die Menschen, die Hunde bekamen Knabbermöhren). Rudi war schon beim Treppensteigen ganz aufgeregt. Dann beschnüffelte er ausgiebig die Wohnung, knurrte die heimische Hündin an („Komm mir bloß nicht zu nahe, ich will nicht mit Dir spielen!“) und zeigte sich als ganzer Macho. Genüsslich und mit frechem Seitenblick hob er das Bein – und pinkelte in die Wohnzimmerecke. „Hier bin ich jetzt Chef“, wollte er damit zu verstehen geben. Die Gastgeberin holte Lappen, Haushaltschemikalien und Bürste und blieb ganz cool: „Gibt Schlimmeres, lässt sich alles wegputzen.“ Dennoch hätte Frauchen vor Scham im Boden versinken können.

Blamiert in Österreich

Noch peinlicher als das war nur vor vielen Jahren eine Aktion unseres damals noch kleinen Sohnes. Wir übernachteten auf der Reise nach Italien in einem kleinen Hotel in Österreich. In der Gaststube fiel unserem Sprössling plötzlich ein, vor sich hinzubrabbeln, dass Österreich zu Deutschland gehöre. Denn man spreche ja dort auch Deutsch. Unsere Erklärung über zwei Länder mit einer Sprache leuchtete ihm nicht ein. Auch nicht, dass er nun endlich still sein solle. Das Kind sprang auf, lief zwischen die Tische und rief mehrfach laut: „Und trotzdem gehört Österreich zu Deutschland!“ Die Einheimischen sagten kein einziges Wort. Sie guckten nur finster, ganz finster – und wir machten, dass wir sehr schnell in unser Zimmer kamen.

Das letzte Kind trägt Fell

Das letzte Kind trägt Fell, weiß der Volksmund. Und kann einen ganz genauso wie Menschenkinder blamieren. Bei Emma und ihrer Familie sind wir jedoch nicht schnellstmöglich verschwunden, sondern haben noch eine Weile am Kaffeetisch gesessen. Vorfälle gab es keine mehr. Jetzt wollen wir versuchen, ob Rudi zwei Stunden ohne uns in der Wohnung unserer Vereinsfreundin bleibt. Und wenn das klappt, eine ganze Nacht. Erst dann können wir wohl sicher sein, dass der Hund während unserer Abwesenheit nichts Schlimmes anstellt. Ich bin schon ein wenig aufgeregt.

Gib Dir bitte Mühe!

Na ja, wenn es nicht klappt, muss Frauchen halt zu Hause bleiben und Herrchen darf mit seinem Kumpel verreisen. Nicht nur Rudi würde das freuen, sondern auch Kater Winnie. Denn immer, wenn wir wegfahren, bleibt der in der Wohnung und wird von den Nachbarn versorgt. Bei denen jammert er dann, dass wir ihn alleingelassen haben: „Die sind sooo gemeiiiin!“ Vielleicht aber hat diesmal Winnie keinen Grund zur Klage, sondern wir Menschen. Hängt alles nur von Rudi und seiner Anpassungsfähigkeit an einen anderen Haushalt ab. Hund, gib Dir bitte Mühe!


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