Ausstellung zum Jubiläum 675 Jahre Mahlsdorf

„Mahlsdorf bleibt Mahlsdorf“

03.02.2020, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann. Karl-Heinz Gärtner (11). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn/ Mahlsdorf. Das Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf erinnert mit einer ganz besonderen Ausstellung an das Ortsjubiläum von Mahlsdorf. Im Mittelpunkt steht der Wahl-Mahlsdorfer Paul Großmann (1865-1939) – Heimatforscher, Lokalpolitiker und Poet. Er hat vor rund 100 Jahren den Grundstein für die hiesige Heimatforschung gelegt.

Über den heutigen Ortsteil Mahlsdorf ist die erste Urkunde vom 25. Januar 1345 datiert. Dieses Schriftstück gilt heute als Gründungsdokument. Vor 675 Jahren hatte ein Ritter dem anderen das ganze Dorf und alle seine Bewohner verkauft. Dieses Geschäft wurde vom Landesvater mit Stempel und Urkunde bestätigt. Das Datum des amtlichen Schriftstückes gilt heute als Gründungsdatum für Mahlsdorf.

Jahrbuch zur Heimatgeschichte erscheint in Kürze

Der Heimatverein Marzahn-Hellersdorf beschäftigte sich auf seinem Tag der Regional- und Heimatgeschichte am 12. Oktober 2019 mit diesem Jubiläum (LiMa+ berichtete). Im laufenden Jahr wird es zu dem Thema noch verschiedene Ausstellungen, Lesungen und Vorträge geben. Viele Dokumente, Geschichten und Forschungsarbeiten werden in wenigen Tagen der Öffentlichkeit auch in einem ersten Jahrbuch zur Heimatgeschichte von Marzahn-Hellersdorf vorgestellt.

200.000 Schellackplatten

Paul Großmann ist heute der Pionier der Heimatforschung im Bezirk. Dabei ist er gar kein gebürtiger Mahlsdorfer gewesen. Er wurde am 21. Januar 1895 in Berlin geboren. Dort ist er auch zur Schule gegangen. Wie viele andere Berliner auch, kam Großmann Mitte der 1890er Jahre nach Mahlsdorf. Mit der industriellen Entwicklung in der Hauptstadt waren aus den kleinen Dörfern am östlichen Stadtrand Vororte von Berlin geworden.

Zunächst machte sich Großmann einen Namen als Textdichter. Er schrieb populäre Lieder. Dazu gehört auch sein Lied „Zwei dunkle Augen“, das auf rund 200.000 Schellackplatten erschienen ist. Für die damalige Zeit eine beachtliche Zahl. Sicher wurde auch in den zahlreichen Mahlsdorfer Ausflugsgaststätten jener Jahre nach den Titeln von Großmann getanzt.

Lyrikband „Adam und Eva“

Mit den Ausflugslokalen in Mahlsdorf beschäftigten sich mehrere seiner Liedtexte. Eines der Lieder beginnt: „Wer sich recht amüsieren will, der komme nach Mahlsdorf hin …“ Auch mit aktuellen Ereignissen setze er sich auseinander. So beschrieb er die Bahnhofsuhr und feierte damit die Einweihung des Mahlsdorfer Bahnhofs.

Paul Großmann erwarb in der Wagnerstraße (heute Donizettistraße) ein Haus. Der Umzug in das Guts- und Bauerndorf wirkte sich positiv auf sein dichterisches Schaffen aus. Im Jahr 1898 erschien sein Lyrikband „Adam und Eva“. Es waren Gedichte eines Verliebten. Kurze Zeit später folgte eine dreibändige Anthologie unter dem Titel „Moderne Poesie“. Gemeinsam mit anderen Autoren schrieb Großmann sogar Liedtexte für Operetten.

Später zog der Heimathistoriker in die Fritz-Reuter-Straße 6. Von seinen Texten und Schriften sind nur wenige im Original erhalten. Im Archiv des Bezirksmuseums werden größtenteils Kopien aufbewahrt.

„Winke für Baulustige“

Anfang des 20. Jahrhunderts begann sich Großmann für die Kommunalpolitik zu interessieren. 1906 zog er als Vertreter des Liberalen Bürgervereins in die Mahlsdorfer Gemeindevertretung ein. Das war dann wohl auch der Auslöser für Großmann, sich mit dem Wohnort näher zu beschäftigen. Er wollte das Ansehen seines Dorfes heben. So stellte er bereits 1906 das erste Adressbuch für Mahlsdorf fertig. Darin gab es auch einen kleinen Abschnitt zur Ortsgeschichte.

Darauf folgten dann ein Verkehrsbuch und „Winke für Baulustige“. Darin hatte Großmann alle amtlichen Bestimmungen für Baulustige zusammengefasst. Immer mehr Menschen zogen nach Mahlsdorf, so dass Großmann schließlich im Jahr 1921 das erste „Mahlsdorfer Straßenverzeichnis“ herausbrachte. Diesem Werk folgte wenig später ein Straßenführer für die drei Dörfer Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf.

Ortschronist von Mahlsdorf

Vor allem aber hat sich Großmann einen Namen als Ortschronist gemacht. Als er die Daten für sein Adressbuch zusammenstellte, begann er auch, Daten und Fakten für eine Chronik zu sammeln. Zum 10-jährigen Jubiläum der Mahlsdorfer freiwilligen Feuerwehr erschien im Jahre 1908 eine kleine Festschrift. Großmann stöberte in alten Akten und Schriftstücken in Ämtern, Schlössern und Bauernwirtschaften. So konnte er bereits am 1. Dezember 1912 seine „Mahlsdorfer Ortsgeschichte“ vorstellen. Dazu kamen in den folgenden Jahren noch einzelne Beiträge über die Frankfurter Chaussee und über die Einwandererkolonie „Kiekemal“. Neben den Büchern veröffentlichte Großmann auch seine Forschungsergebnisse in den Zeitungen der drei Dörfer.

Letzte Ruhe auf dem Waldfriedhof

Zu seinem großen Leidwesen interessierten sich die Mahlsdorfer aber kaum für seine historischen Forschungen. Großmann klagte „über die Interessenlosigkeit seiner Zeitgenossen“. Für die Geschichtsforschung heute sind Großmanns Arbeiten aber eine sehr wichtige Grundlage.

Paul Großmann verstarb im Alter von 74 Jahren am 9. Juni 1939. Er wurde auf dem Waldfriedhof Rahnsdorfer Straße gleich im Eingangsbereich auf der linken Seite beigesetzt. Dass dieses Grab noch heute erhalten und nicht eingeebnet ist, verdanken die Mahlsdorfer dem Engagement von Charlotte von Mahlsdorf (1928-2002). Die Ruhestätte wurde bis vor wenigen Jahren noch von der Mahlsdorferin Hildegard Krawiecki gepflegt. Sie ist bereits 96 Jahre alt. Nun hat ihre Tochter Regine Kaufmann die Grabpflege übernommen. Beide stammen aus dem privaten Umfeld der Nachkommen von Paul Großmann.

Der Titel der Ausstellung „Mahlsdorf bleibt Mahlsdorf“ ist einem Großmann-Zitat entnommen. Die Exposition im Bezirksmuseum, Haus 2, Alt-Marzahn 55, ist noch bis zum 29. November von Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr, zu sehen.

Weitere Informationen: www.museum-marzahn-hellersdorf.de


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