Ausstellung über Lichtenbergs ersten „Stadtvater“

Oskar Ziethen – eine Spurensuche

20.10.2015, Regina Friedrich

Fotos: Regina Friedrich

Lichtenberg. Obwohl ihm insbesondere der Bezirk Lichtenberg viel zu verdanken hat, ist recht wenig bekannt über das Leben und Schaffen des Juristen, Politikers und Bürgermeisters Oskar Ziethen (1858–1932). Das will das Museum Lichtenberg jetzt ändern mit einer kleinen, aber feinen Ausstellung, die detaillierte Informationen über sein Wirken vermittelt und zahlreiche Originaldokumente zeigt.

Das OZK, das Oskar-Ziethen-Krankenhaus, ist Tausenden von Berlinern bekannt, haben sie doch dort das Licht der Welt erblickt. Aber wer war dieser Oskar Ziethen, ein Arzt oder Forscher? Nein, er war ein sehr geachteter Kommunalpolitiker und herausragender Verwaltungsfachmann – und der erste Bürgermeister der Stadt und des späteren Berliner Bezirks Lichtenberg.

Geboren in Stettin, verbrachte er dort mit seinen Eltern und fünf Geschwistern, davon ein Zwillingsbruder, seine Kindheit. Der Vater stammte aus einer Offiziersfamilie, diesen Weg schlugen auch drei seiner Brüder ein. Oskar Ziethen aber studierte nach dem Abitur Jura. Nach dem Abschluss fand er im Magistrat von Greifswald eine Anstellung, dann wurde er Bürgermeister von Naugard. 1896 kam er nach Lichtenberg, damals noch eine Gemeinde vor den Toren Berlins, die erst 1907 Stadtrecht erhielt. Zuerst war er Gemeindevorsteher bis er 1908 als erster Bürgermeister gewählt wurde. In seiner 25-jährigen Amtszeit entwickelte sich Lichtenberg zu einer Großstadt und zu einem bedeutenden Industriestandort. Als die Stadt 1920 in das neue Groß-Berlin eingemeindet wurde, war sie Kerngebiet und Namensgeberin für den 17. Berliner Bezirk.

Prägende Gebäude entstanden in seiner Amtszeit
Ziethen veranlasste den Bau des Rathauses, des Hubertusbades, des Amtsgerichtes und der Kirche am Rodeliusplatz, der Industriegebäude der Knorr-Bremse und Siemens & Halske, er ließ Schulen und ein Elektrizitätswerk errichten und das Städtische Hubertus-Krankenhaus. Das wurde dann 1933 zu seinen Ehren nach ihm benannt.

Auf großflächigen, reich bebilderten Tafeln kann man das Leben des „Stadtvaters“ von Lichtenberg sowie seiner Familie nachvollziehen. In der Exposition ist auch der große Schreibtisch und die Schreibgarnitur aus dem Amtszimmer von Oskar Ziethen zu sehen.

Stadthaus war selbst einmal Rathaus
Das Stadthaus in der Türrschmidtstraße 24/25, in dem das Museum Lichtenberg untergebracht ist, war übrigens selbst einmal Rathaus. Es wurde um 1900 für die Landgemeinde Boxhagen-Rummelsburg errichtet. Mit der Eingemeindung von Lichtenberg nach Berlin verlor es seine Funktion, beherbergte Diensträume und wurde Stadthaus genannt. 1945 durch Bomben schwer beschädigt, wurde es nur teilweise wieder aufgebaut. Bis 1989 war dort die bezirkliche Jugendhilfe untergebracht, später dann der Bereich Bildung. Danach stand es längere Zeit leer. Zwischen 2003 und 2006 wurde es mit Mitteln aus verschiedenen Förderprogrammen saniert und umgestaltet. 2005 erhielt es an seinem Giebel den von Luc Wolff künstlerisch gestalteten Schriftzug RAUM FÜR FREIRAUM. Es gibt außer dem Museum Atelier- und Veranstaltungsräume, Angebote freier Träger, eine kulturelle Begegnungsstätte, eine Bücherstube und einen Kieztreff mit Info-Café.

Die Ausstellung wird bis zum 29. November im Museum Lichtenberg im Stadthaus gezeigt, Türrschmidtstraße 24. Geöffnet ist das Museum von Dienstag bis Freitag, 11-18 Uhr.
Am Mittwoch, 21. Oktober, gibt es um 19 Uhr als Begleitveranstaltung zur Ausstellung einen Vortrag „Oskar Ziethen – von Stettin nach Berlin“ von Prof. Jürgen Hofmann, Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e. V., der auch die Ausstellung kuratierte. Der Eintritt beträgt 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro.

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