Die Ortumfahrung Ahrensfelde wird weitergeplant — fast wie bisher

Trog mit grünem Deckel

06.01.2020, Linna Schererz

Simulationen/Foto: Landesbetrieb Straßenwesen, Land Brandenburg, (1-2) OpenStreetMap (3); Birgitt Eltzel (4)

Marzahn/Ahrensfelde. Was für Wirtschaft und Politik eine gute Nachricht ist, bedeutet für etliche Anwohner der Klandorfer Straße in Marzahn Nord wohl das Gegenteil: Die Ortsumfahrung Ahrensfelde wird nun weiter geplant. Und zwar so, wie es schon vorher umstritten war — als Trog, teilweise überdeckelt. Das Dach der vierspurigen Schnellstraße soll dabei begrünt werden und begehbar sein.

Berlin und Brandenburg tragen Mehrkosten

Die Länder Berlin und Brandenburg hatten am Freitag, 3. Januar, mitgeteilt, dass sie einen gemeinsamen Finanzierungsvertrag für das Projekt rechtskräftig unterzeichnet haben. Beide Bundesländer tragen damit je zur Hälfte die Mehrkosten von rund 12 Millionen Euro. Insgesamt soll das Bauvorhaben voraussichtlich 60,2 Millionen Euro kosten. Der Bund, der den Hauptteil der Kosten zahlt, hatte nur eine ebenerdige Variante für diesen Teilabschnitt der Bundesstraße (B) 158 finanzieren wollen. Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) verwies darauf, dass mit der gedeckelten Troglösung „die Anwohnerinnen und Anwohner vor dem Lärm und Schmutz durch den vielen Autoverkehr“ geschützt werden sollen.

Planfeststellungsverfahren wird ab Mitte 2020 weitergeführt

Die seit mehr als 30 Jahren geplante Ortumgehung soll zum einen die Dorfstraße Ahrensfelde entlasten, auf der täglich rund 30.000 Fahrzeuge verkehren. Zum anderen aber auch für den Industrie- und Wirtschaftsverkehr von und nach Berlin eine schnellere Anbindung an die Autobahn bringen. Das Projekt ist Bestandteil des Ende 2016 beschlossenen Bundesverkehrswegeplans 2030. Das bereits 2011 eingeleitete Planfeststellungsverfahren war allerdings zunächst vom Bund wegen der strittigen Mehrkosten für den Trog gestoppt worden, der Bezirk Marzahn-Hellersdorf und angrenzende Umlandgemeinden hatten daraufhin protestiert, LiMa+ berichtete. Laut Guido Beermann (CDU), Brandenburger Minister für Infrastruktur und Landesplanung, ist bereits Ende 2018 mit der Aktualisierung der Planunterlagen begonnen worden. „Das Planfeststellungsverfahren wird zügig ab Mitte 2020 weitergeführt“, betonte er. „Nach dessen Abschluss ist eine schnelle Umsetzung des Baus vorgesehen.“ Projektverantwortlich ist das Land Brandenburg, obwohl der betreffende Teilabschnitt der B 158 auf Berliner Gebiet liegt.

Ungünstigste von vier untersuchten Trassen

Für die Ortsumfahrung Ahrensfelde waren nach der Wende vier Varianten in langwierigen Verfahren und vielen Einwohnerversammlungen diskutiert worden. Letztlich wurde auf Drängen des damaligen Senats im Jahr 2009 die eigentlich ungünstigste Strecke ausgewählt. Doch diese verläuft am kürzesten über Berliner Territorium. Berlin und Brandenburg zahlen anteilig je Streckenmeter für den Bau des neuen Straßenabschnittes. Bürgerinitiativen in Marzahn und Ahrensfelde sowie Kommunalpolitiker hatten vergeblich darauf gedrungen, die schon zu DDR-Zeiten vorgesehene Trasse entlang der Wuhletal- und Kemberger Straße zu nutzen, die von Bebauung weitgehend frei ist – im Gegensatz zur jetzt vorgesehenen Streckenführung entlang der Plattenbauten an der Klandorfer Straße, parallel zur ebenfalls bebauten Ahrensfelder Dorfstraße. Forderungen, u.a. der Linken in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Marzahn-Hellersdorf zum Abbruch des Planfestellungsverfahrens und einer neuen Trassendiskussion, verliefen im Sande.

Gedeckelte Straßentröge gibt es auch anderswo in Berlin

Nun kommt wenigstens der gedeckelte Trog. Betretbar und mit Grün. Ein Kompromiss, mit dem die Anwohner leben müssen, wenn das Planfeststellungsverfahren am Ende nichts anderes ergibt. Allerdings gibt es gedeckelte Straßentröge auch anderswo in Berlin. Errichtet wurden und werden diese Bauwerke u.a. beim Ausbau der Stadtautobahn 100. Im Ortsteil Britz befindet sich über dem Tunnel der A 100 der Carl-Weder-Park.

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