Online-Performance und virtueller Ausstellungsrundgang

Damit Kunst sichtbar bleibt

08.04.2020, Regina Friedrich

Fotos: Tina Schönheit (1), Defeathate Photography (2), AG station urbaner kulturen (3), Regina Friedrich (4), Birgitt Eltzel (5-6). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Hellersdorf: Am Mittwoch, 8. April, startet um 19 Uhr eine Online-Performance. Die aktuelle Ausstellung im Schloss Biesdorf ist ebenfalls virtuell zu sehen. So wird in Zeiten von Kontaktverboten das Internet zum öffentlichen Raum.

Präsentation weltweit von zu Hause

Carola Rümper geht es derzeit wie vielen anderen Kunst- und Kulturschaffenden, die davon leben, ihre Werke in der Öffentlichkeit zu zeigen. Konzerte aus dem Wohnzimmer sind inzwischen keine Seltenheit mehr, aber wie soll sie ihre oder die Arbeiten anderer von zu Hause aus präsentieren? Deshalb hatte sie die Idee für die Online-Performance-Reihe, denn „Kunst und Kultur müssen sichtbar bleiben.“

Sie selber hat zwei bereits angekündigte Ausstellungen abgesagt. Wann diese nachgeholt werden, steht derzeit noch nicht fest. „Ich hielt es daher für wichtig, nicht komplett unsichtbar zu werden“, sagt sie. „Daher habe ich mich recht kurzfristig entschieden, Aktivitäten online zu organisieren. Das Internet wird in der Zeit der Pandemie zum öffentlichen Raum, den wir gefahrlos betreten können. Zudem habe ich dort die Chance, relativ schnell und spontan und vor allem weltweit mit Künstlerinnen und Künstlern in Kontakt zu kommen.“ Die Künstlerin kann dafür auch auf ihr breites Netzwerk zurückgreifen.

Bis jetzt ist geplant, drei Performances zu zeigen. Am 18. April stellt Gunhild Kreuzer „Gebietsneurose“ ins Netz, am 25. April folgt eine Arbeit von Katherine Oggier Chanda aus der Schweiz.

„Shaping Identity“

Den Anfang macht aber am 8. April Kirsten Wechslberger mit „Shaping Identity“. Die 1980 in Namibia geborene Künstlerin stellte in ihrem Heimatland, in Frankreich, den USA, Australien und Deutschland aus. 2017 hatte sie ihr Kunstprojekt „Minaminals“ im Gut Hellersdorf gezeigt und war 2019 mit „Merging Layers“ in der Kommunalgalerie Karlshorst vertreten. 2018 stellte sie bei Carola Rümper ihr Langzeitprojekt „earth to earth“, zum Thema Nachhaltigkeit vor. Bei „Shaping Identity“ liegt Kirsten Wechslberger nackt in einem hölzernen Sarg. Der Körper ist teilweise mit Verpackungsmaterial umhüllt, während eine Videoinstallation auf sie projiziert wird. Die Projektionen bestehen aus Papierausschnitten, die frühere Verbindungen und Trennungen mit Menschen symbolisieren…

Der Videolink zum Start der Performance wird am 8. April um 19 Uhr auf der Homepage des Projektraumes veröffentlicht.

„Gebietsneurose“

Die zweite Online-Performance „Gebietsneurose“ startet am 18. April, wieder um 19 Uhr und ist bis zum 24. April zu sehen. Der entsprechende Link wird zum Beginn auf derselben Homepage veröffentlicht. Die Künstlerin Gunhild Kreuzer setzt sich mit gesellschaftlichen Phänomenen auseinander. Dabei spielt Sprache eine besondere Rolle. Mit ihrem Sprachwitz ermöglicht sie den Besucherinnen und Besuchern, sich humorvoll mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen. Die fünfminütige Textaufführung setzt sich auf intelligente und absurde Weise mit den Themen Migration und Flucht auseinander.

„Die Pampa lebt – Hellersdorf als Großwohnsiedlung
gestern, heute und morgen“

Das Projekt der station urbaner kulturen, finanziert vom Quartiersmanagement, findet seit 2019 statt. Für Bewohnerinnen und Bewohner im Quartier rund um den Boulevard Kastanienallee, für Alt- und Neu-Hellersdorfer soll ein Begegnungs-, Aufenthalts- und Austauschort geschaffen werden. Zudem gibt es Ausstellungen und Gesprächsrunden über die Großwohnsiedlung im Wandel der Zeit. Einen breiten Raum nehmen Interviews ein, in denen die Menschen über ihr Leben und ihre Erfahrungen, über Wünsche und Träume berichten. Ein kleiner Teil der künstlerischen Recherche ist nur noch bis zum Freitag, 10. April, im Schaufenster der station urbaner kulturen zu besichtigen LiMa+ berichtete.

station urbaner kulturen
Auerbacher Ring 41 (Eingang Boulevard Kastanienallee)
12619 Berlin

„Sehnsucht nach dem JETZT“

Diese aktuelle Ausstellung im Schloss Biesdorf kann noch bis zum 10. Mai online unter dem Link www.sehnsuchtnachdemjetzt.de besichtigt werden. Sie ist der erste Teil einer dreiteiligen Schau in Berlin, Dresden und Düsseldorf. Der virtuelle Rundgang umfasst 13 kurze Filme durch die Räume, textliche Informationen und Fotos zu den einzelnen Arbeiten. Die Ausstellung kreist um das Jetzt. Damit es begreifbar werden kann, muss das, was davor und das, was danach liegt, mitgedacht werden. Diese drei Phasen – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – bilden die Schwerpunkte der Ausstellungsreihe…

Auch der Katalog, eigentlich eine Zeitung zur Ausstellung, kann online als PDF gelesen werden.

Schwebende Bücher

Die Bibliothekarinnen der Mark-Twain-Bibliothek machen aus der Not eine Tugend und senden den Fans der Literaturempfehlungsreihe „Schwebende Bücher“ ihre Lesetipps als Podcast. Am Mittwoch, 29. April, findet die Reihe zum 70. Mal statt. Dazu eingeladen ist der Literaturagent und „RadioEins“-Moderator Thomas Böhm. Falls die Bibliotheken an diesem Tag noch geschlossen sind, gibt es die Buchbesprechungen selbstverständlich wieder als Podcast.


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