Der Ruhestand für den Lichtenberger Stadtrat a.D. währte nur kurz

Nünthel wird Schulbaukoordinator

12.02.2020, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Berlin. Gerade einmal 14 Tage ist es her, da wurde der Lichtenberger Bezirksstadtrat für Schule, Sport, Öffentliche Ordnung, Umwelt und Verkehr Wilfried Nünthel (CDU) in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Einer der dienstältesten Stadträte Berlins. Es gab viele Dankesreden und gute Wünsche für den künftigen Pensionär (LiMa+ berichtete), der sich, nach seinen Worten, nun unter anderem mehr um die Familie und seine drei Hektar Wald in Thüringen kümmern wollte.

Man hätte es erahnen können

Doch nun landet der Unruheständler einen Coup, der sicher viele überrascht. Pressetermin am Dienstag, 11. Februar, in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. Senatorin Sandra Scheeres (SPD) und Staatssekretärin Beate Stoffers stellen den soeben berufenen Berliner Schulbaukoordinator vor: Wilfried Nünthel.

Wer bei seinen Abschiedsreden vor der Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und während seiner feierlichen Verabschiedung aus dem Amt im Rathaus Lichtenberg genau hinhörte, hätte es ahnen können. Wilfried Nünthel hatte mehrfach betont, wie sehr ihm in den letzten Jahren die Aufgaben als Schulstadtrat und die Schulbelange ans Herz gewachsen waren.

Schulbauoffensive braucht Tempo

Jetzt soll der neue Schulbaukoordinator also bei der Schulbauoffensive des Berliner Senats helfen. Sie ist das größte Investitionsvorhaben der laufenden Legislaturperiode. Für das ursprünglich auf zehn Jahre angelegte Programm sind Mittel von insgesamt 5,5 Milliarden Euro für die Sanierung bestehender Schulen und den Schulneubau kalkuliert worden. Allein 2019 wurden dafür 510 Millionen Euro investiert. Seit Beginn der Offensive wurden 57 Mobile Ergänzungsbauten (MEB) eröffnet, vier Schulen gebaut und 15.000 Schulplätze neu geschaffen. Mindestens 9.500 weitere Schulplätze werden benötigt.

Schnittstelle und Troubleshooter

Zu den Aufgaben von Wilfried Nünthel wird es gehören, eine Schnittstelle zwischen den Berliner Bezirken und dem Land Berlin zu bilden. Alles, was auf der Verwaltungsebene den geplanten Schulneubau und die Sanierung von Schulen verzögern könnte, soll er nach Möglichkeit klären.

„In den vergangenen Jahren haben wir gut mit Herrn Nünthel in seiner Funktion als Bezirksschulstadtrat kooperiert“, sagt Bildungssenatorin Sandra Scheeres. „Er war immer lösungsorientiert, über Parteigrenzen hinweg.“ Man brauche jemanden wie ihn, der die Zuständigkeiten kenne, Probleme rechtzeitig identifizieren und schnell lösen könne.

„Wenn es nötig ist, kann er ruhig auch mal auf den Tisch hauen“, sagt Staatssekretärin Beate Stoffers. Man hoffe auf seine Durchsetzungskraft als Troubleshooter. Wilfried Nünthel wird bei einer Task Force mit am Tisch sitzen, die von der Staatssekretärin geleitet wird.

Designierter Präsident beim SC Berlin

Er hoffe, dass er nicht zusätzlichen Trouble verursache, antwortet der neue Schulbaukoordinator schmunzelnd. „Ich will ein Stückweit mehr Transparenz von unten nach oben herstellen.“ Reden, vermitteln, beraten, überzeugen, entscheiden – unverkennbar Wilfried Nünthel.

Ab kommendem Montag, 17. Februar, bezieht er sein neues Büro in der Senatsverwaltung. „Erst einmal bis zum Dezember 2021. Dann sehen wir weiter.“ Zunächst will der Koordinator alle Berliner Bezirksämter konsultieren, um zu erfahren, wie dort die entsprechenden Entscheidungsprozesse ablaufen.

Seine Pensionsbezüge würden selbstverständlich mit dem Einkommen aus der neuen Tätigkeit gegengerechnet, erklärt Wilfried Nünthel auf eine Nachfrage. „Ach so, und designierter Präsident vom SC Berlin (Sportclub Berlin e.V., die Redakt.) bin ich seit Kurzem auch“, verkündet er abschließend. Ehrenamtlich, versteht sich.


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