Berlins einzige Wildvogelstation arbeitet jetzt in Containern

Notunterkunft für 850 Tiere

01.06.2018, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey (1-3), Birgitt Eltzel (4-5)

Biesdorf-Nord. Die Container sind eingerichtet, Volieren stehen bereit: Berlins einzige Wildvogelstation, die der Naturschutzbund (NABU) betreibt, ist für den besonderen Ansturm bis September gerüstet. „Wir sind froh, dass wir die Container bekommen haben und unsere Arbeit fortsetzen können“, sagt André Hallau, Leiter der Einrichtung. Denn im Herbst vergangenen Jahres drohte der einzigartigen Station das Aus. Bei einer Überprüfung hatte das bezirkliche Bauamt erhebliche Schäden am alten Gebäude festgestellt, das ebenso das Marzahn-Hellersdorfer Grünflächenamt nutzt (wir berichteten).

Interimslösung für zwei Jahre

Unbürokratisch ließ der Bezirk jetzt vier Container aufstellen und ermöglich mit dieser Zwischenlösung den Weiterbetrieb. Der zuständige Stadtrat Johannes Martin (CDU) geht davon aus, dass diese Interims-Nutzung etwa zwei Jahre dauert. „Wir haben großes Interesse daran, den Standort gemeinsam mit dem NABU weiterzuentwickeln“, betont der Politiker. Angedacht sei auf jeden Fall ein Neubau. Noch steht allerdings nicht genau fest, was es für ein Gebäude wird und wie die gesamte Finanzierung erfolgt.

Auch später gemeinsame Nutzung?

Wirtschaftsstadtrat Martin plädiert für ein Konzept, nachdem das Haus auch künftig zusammen vom NABU und vom Grünflächenamt genutzt wird. Dazu gebe es Abstimmungsgespräche zwischen Bezirk und Senat. Rund 1,6 Millionen Euro würde „ein gemeinsames Projekt“ kosten. Eine Million Euro stünden aus dem Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds (SIWANA) zur Verfügung. „Jetzt geht es auch darum zu klären, wo bekommen wir die restlichen finanziellen Mittel her“, sagt der Christdemokart. Klar sei bereits: Die vorhandenen Bauten auf dem Gelände an der Straße Zum Forsthaus müssen abgerissen werden. Noch nutzen André Hallau und seine beiden Kollegen die alte Garage als Lager. Denn die Container bieten gerade mal Platz auf 60 Quadratmetern – im alten Forsthaus standen immerhin 160 Quadratmeter zur Verfügung.

Viele Gefahren für Wildvögel in der Großstadt

In einer Großstadt wie Berlin gibt es für Wildvögel viele Gefahrenquellen: Sie fliegen gegen Glasfassaden, verfangen sich in Angelschnüren, stecken in engen Schächten fest oder fallen an ungeeigneten Brutplätzen aus ihren Nestern, sagt Hallau. Bis zu 600 Menschen monatlich rufen in der Brutsaison an, die Fragen zu gefunden Wildvögeln haben. „Wir lassen uns genau erklären, um was für ein Tier es sich handelt, wollen wissen wo es gefunden wurde und wie der Gesundheitszustand ist“, berichtet der Leiter. Für eine bessere Diagnose schicken die „Finder“ oft Fotos per Handy, nach denen die erfahrenen Mitarbeiter besser einschätzen können, was für das Tier das Beste ist. „Hat es Verletzungen, muss es in die Kleintierklinik Düppel, dort werden solche Tiere kostenlos behandelt“, erklärt André Hallau.

Zur Reha nach Biesdorf

In die Biesdorfer Wildvogelstation kommen sie dann zur Reha, sagt der Leiter. „Wir holen regelmäßig Vögel aus der Klinik und bereiten sie auf ihre Wiederauswilderung vor“, sagt er. Im Umgang mit Artgenossen lernen sie schließlich richtige Verhaltensweisen. Nach zwei bis drei Wochen werden die meisten wieder freigelassen.
Zu den Patienten, die am längsten aufgepäppelt werden müssen, gehören Nebelkrähen und Ringeltauben. „Die haben oft Gefiederschäden oder zeigen auffällige Verhaltensveränderungen“, sagt Hallau. 2017 wurden in der Station 850 registrierte Wildvögel 40 verschiedener Arten betreut. Dazu konnten 60 Stockenten-Familien erfolgreich umgesetzt werden. „Oft sind es ,Balkonenten‘, die ohne unsere Hilfe kaum eine Chance haben, gemeinsam das rettende Gewässer zu erreichen“, betont der Stationschef.
Für ihn und seine Mitarbeiter seien solche Momente, in denen gesunde Vögel wieder freigelassen werden können, die schönsten.

 

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