Restaurierung des Wandgemäldes von Manuel Garcia Moia geht voran

Noch nicht fertig, aber schon schön

01.08.2019, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Wer das Wandgemälde „Nicaraguanisches Dorf – Monimbó 1978“ an der Giebelwand der Skandinavischen Straße 26, nahe der Lichtenberger Brücke, nicht von früher kennt, könnte dem Irrtum unterliegen, die Restaurierung sei schon abgeschlossen. – So schön sieht das Werk des Künstlers Manuel Garcia Moia schon wieder aus. Er war 1936 in Monimbó, dem indianischen Viertel der Stadt Masaya, geboren.

Doch fertig sind die Bildretter keineswegs. „Die Wiederherstellung erfolgt in zwei Phasen“, sagt Dunja Rütt, eine der beiden Geschäftsführerinnen der beauftragten Rütt + Schulz Restaurierung GbR aus Lichtenberg. „Die Konservierung und Restaurierung bzw. Farbauffrischung ist fast abgeschlossen.“ Im Mai hatten die Restaurateurinnen damit begonnen.

Farbrekonstruktion ab kommendem Frühjahr

Bis zum Mittwoch, 7. August, wird noch der Sockelbereich rekonstruiert. Hier mussten die Experten zuvor Graffiti entfernen, um Reste des Original-Kunstwerkes darunter freizulegen. Auf diesem Teil des Gemäldes werden schon die brillant-leuchtenden Farben aufgebracht. – Um gleich am 8. August wieder hinter einer Holzfaser-Schutzwand zu verschwinden. Bis zum Frühjahr 2020. Dann erfolgt der Rest der Arbeiten, nämlich die Farbrekonstruktion mit den bekannt-kräftigen Farben auf der ganzen Wand. „Ohne alles komplett zu übermalen“, betont die Chefin. Sie freut sich schon darauf, dass es weiter geht. „Einen so schönen und anspruchsvollen Auftrag bekommt man schließlich nicht alle Tage.“

Ziel: 27. August 2020

Alle Beteiligten hoffen, dass am 27. August 2020 das alte Wandgemälde in neuem Glanz erstrahlt und gefeiert werden kann. Es wäre auf den Tag genau 35 Jahre nach der ersten Einweihung der naiven Malerei 1985.

Manuel Garcia Moia hatte seinen Entwurf damals zusammen mit dem Grafiker Martin Hoffmann und dem Bildhauer, Maler und Zeichner Trakia Wendisch auf die 255 Quadratmeter große Hauswand aufgebracht. Das farbenprächtige Bild ist nicht so fröhlich, wie es auf den ersten Blick scheint. Denn Moia malte den Stadtteil Monimbó, wie er etwa eine Woche nach dem Aufstand vom 20. Februar 1978 durch Schergen des Somoza-Regimes überfallen wird. 343 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, ermordet, weil sie sich gegen menschenunwürdiges Elend wehrten.

Die Kopie, die wieder entfernt werden musste

2003 brachte der private Hauseigentümer eine Wärmedämmschicht auf die Giebelwand. Das Gemälde verschwand dahinter. Dank der gegründeten Bürgerkunstinitiative zum Erhalt des Nicaragua-Giebelwandgemäldes beim Kulturring in Berlin e.V. wurden rund 100.000 Euro gesammelt und eine Kopie des zuvor dokumentierten Gemäldes auf den Putz aufgebracht. Die Maler Gerd Wulff und Max Michael Holst stellten sie 2005 fertig. Moia veredelte die Kopie mit seinem Signet. Die Initiative sorgte auch für die Erinnerungs-Stele, einen Schaukasten und ein Pflanz-Dreieck auf dem Grundstück vor dem Gemälde. Seit 2006 heißt das Ensemble offiziell Monimbó-Platz.

Dann der Schock: Der Putz war falsch aufgetragen worden und bekam immer mehr Risse. Ende 2012 musste er samt Kopie aus Sicherheitsgründen abgetragen werden. Das angegriffene Original kam zwischenzeitlich wieder zum Vorschein, wurde dann durch eine Schutzschicht gesichert.

Dank an die vielen Helferinnen und Helfer

Erneut trat die Initiative auf den Plan und sammelte Geld für die Wiederherstellung des Gemäldes. Es gab einen Runden Tisch, eine Steuerungsrunde und intensive Diskussionen, wie verfahren werden soll: Dämmung und erneute Kopie oder keine Dämmung und Original? LiMa+ berichtete

Schließlich fiel die Entscheidung, doch das beschädigte Originalbild wiederherzustellen. „Wir haben dank vieler Menschen dafür weit mehr kleine und große Spenden erhalten, als wir erwarten durften“, sagt Christel Schemel, die sich seit 15 Jahren mit ihrem Mann Hans-Joachim für den Erhalt des Bildes engagiert. Sie hält den Kontakt zu Manuel Garcia Moia und ist seine autorisierte Vertreterin.

Auch von Großsponsoren gab es Geld. 49.000 Euro kamen von der Versicherung der Baufirma, die Fehler bei der Wandbeschichtung einräumte. LiMa+ berichtete

Und der Bezirk fördert die Wiederherstellung mit 60.000 Euro. „Wir erstellen eine Fotodokumentation als großes Dankeschön an alle, die mitgeholfen haben und weiter helfen“, sagt die Initiatorin. Die Schüler der Grundschule am Wilhelmsberg haben beispielsweise 80 Zeichnungen angefertigt, um den Bauzaun zu verschönern. Ihnen liegt das große Wandgemälde besonders am Herzen. Denn auch eine Wand im Speisesaal ihrer Schule ziert ein Wandbild Moias. Es heißt „Volksfest in Monimbó“.

Klassenlotterie Berlin unterstützt

Derzeit überlegt man bei der Kunstinitiative, wie das noch unfertige Gemälde an der Hauswand möglicherweise zur bevorstehenden Langen Nacht der Bilder in Lichtenberg am 6. September präsentiert werden kann. „Obwohl es da ja eigentlich um Bilder geht, die von Berliner Künstlern erschaffen wurden“, räumt Christel Schemel ein.

Im April 2020 (je nach Wetter) soll auf jeden Fall die zweite Phase der Wiederherstellung starten. Sie wird auch mit Geldern aus der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin unterstützt. Wenn alles fertig ist, wird das Wandbild auch wieder beleuchtet. Ein Gartenzaun ersetzt die heutige Baustellenabsperrung.


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