Was uns während der Einkäufe in einigen Märkten aufgefallen ist

Nicht zum Scherzen zumute

01.04.2020, LiMa+ Team

Fotos: Volkmar Eltzel (1-2, 4-6), Birgitt Eltzel (3). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Natürlich haben wir nicht vergessen, dass heute der 1. April ist und an Ideen, jemanden in selbigen zu schicken, mangelt es uns auch nicht. Aber irgendwie bleibt uns gerade jeder Aprilscherz im Halse stecken. Wir finden die Lage angesichts der Corona-Pandemie mit zigtausenden Erkrankten und weltweit zehntausenden Verstorbenen zu ernst und bedenklich. LiMa+ hat sich in Marzahn-Hellersdorf umgesehen.

Körperliche Distanz gehört jetzt zum guten Ton

1,50 bis 2 Meter Abstand zu anderen Menschen mit denen man nicht in einer Wohnung zusammenlebt, sind seit dem 22. März in Berlin vorgeschrieben. Diese und viele andere Maßnahmen des Kontaktverbots sind durch den Senat erlassen worden, um die Seuchengefahr durch das Coronavirus einzudämmen. Man darf das Haus nur in bestimmten Fällen verlassen (LiMa+ berichtete). Beispielsweise um den Arzt aufzusuchen, einzeln oder zu zweit bzw. als zusammenwohnende Familie spazieren zu gehen oder zu joggen und einzukaufen. Wie klappt das im Alltag?

Schlange vor Rossmann

Am Montag, 30. März, gibt es vor Rossmann an der Janusz-Korczak-Straße im Hellersdorfer Zentrum „Helle Mitte“ eine lange Schlange. Viele Menschen stehen im Freien, zwischen ihnen herrscht angemessener Abstand. Es ist kalt an diesem Tag, der Wind pfeift. Trotzdem sind die meisten einsichtig und warten geduldig. In die Filiale darf, wie inzwischen auch bei vielen anderen Handelseinrichtungen, nur eine begrenzte Anzahl von Kunden. Die Drogeriekette hat bereits in der vergangenen Woche bundesweit ihre Vorsichts- und Hygieneregeln erhöht, um weitere Corona-Ansteckungen zu begrenzen. So wurden unter anderem die Fototerminals dicht gemacht. Den Service gibt es jetzt online. Zudem überwachen in etlichen Filialen Sicherheitskräfte das Geschehen. Sie steuern, wenn es notwendig wird, den Zutritt und helfen dem Verkaufspersonal, wenn Kunden aggressiv werden.

Beim Bäcker im Spree Center nur zwei Kunden gleichzeitig

Vor der Spree Center Apotheke an der Hellersdorfer Straße in Kaulsdorf-Nord weist ein großer Aufsteller die Kunden auf die Regeln hin: „Bitte wenn möglich einzeln eintreten!“ Mit Filzstift hat jemand hinzugefügt „entspricht Familien!“. Weiter heißt es: „Maximal 3 Personen in der Schlange. Ansonsten draußen warten!“ Und: „Bitte die allgemeinen Hygienevorschriften beachten! Abstand von 1,5 m einhalten!“ An diesem Vormittag respektieren das alle. Das Personal arbeitet hinter Plexiglasscheiben, zieht Kartenzahlung vor. Bargeld wird aber auch noch angenommen. Ebenso Rezepte.

In der kleinen Bäckerei nebenan ist lediglich der Zutritt von jeweils zwei Kunden erlaubt. Gerade ist eine Mutter mit Kind dort – das Geschäft ist damit voll. Kaffee und Kuchen wird jetzt nicht mehr serviert, alles ist nur „to go“. Im Lotto/Zeitschriften-Laden gibt es das volle Angebot, auch die Bücherkiste mit Mängelexemplaren steht noch. Darin kramt gerade niemand, die Verkäuferin steht allein im Laden. Vier Personen zugleich haben Zutritt. Die benachbarte Weltbild-Filiale ist geschlossen, Kunden können derzeit nur den Onlineshop nutzen.

Lidl desinfiziert Einkaufswagen

In die Lidl-Filiale an der Cecilienstraße kommt man am Montag nur noch mit Einkaufswagen hinein, ein Security-Mitarbeiter überwacht das. Der Discounter-Konzern mit rund 3.200 Filialen in Deutschland setzt auf ein einheitliches Hygiene- und Schutzmaßnahmenkonzept. So werden die Griffe der Einkaufswagen aller Märkte regelmäßig desinfiziert – an der Cecilienstraße steht trotz des kalten Windes eine junge Frau mit Sprühflasche und Küchentüchern bereit, um jeden Wagen, den die Kunden zurückgeben, zu reinigen. In der Verkaufsstelle selbst gibt es Abstandsmarkierungen vor den Kassen und auch vorm Brötchenstand. Die Kassiererinnen sitzen hinter Plexiglas und akzeptieren nur Kartenzahlungen. Klappt das mit dem Abstandhalten vor den Kassen ganz gut, geht es am Brötchenstand und in den Gängen nicht immer so rücksichtsvoll zu. Mancher muss sich halt durchdrängeln, auch wenn er damit anderen viel zu nahe kommt. Dabei wird dann noch gehustet. Gesichtsmasken hat nur ein junges Pärchen aufgesetzt.

Polizisten stehen im Weg

Auch im Drogeriemarkt Oberfeldstraße in Biesdorf sitzen am Dienstag, 31. März, die Kassiererinnen hinter Plexiglas und es gibt Abstandsmarkierungen auf dem Boden vor der Kasse. Kartenzahlung wird gerne gesehen. Zumindest geschmacklos: Zwei Polizisten stehen hinter dem Eingang im Weg und unterhalten sich mit zwei Verkäuferinnen, feixend und so laut, dass viele Kunden ungewollt mithören. Die Beamten machen sich über die Abstandsregeln lustig, die sie offenbar für unsinnig halten. Wenn jemand, der infiziert sei, den Markt betrete, helfe das eh nicht. Eine Kundin kommt, sieht die Uniformen und stoppt unwillkürlich. „Kommen sie nur, gehen Sie weiter“, ermuntert einer der Polizisten. Die Kundin geht vorbei, ungewollt ohne Sicherheitsabstand. Gelächter. Das wiederholt sich einige Male.

Endlich Plexiglas bei Rewe

Sowohl im Markt Oberfeldstraße als auch (endlich) in der Filiale Cecilienstraße sind die Kassiererinnen durch Plexiglas geschützt. Am Boden in den Gängen und vor der Kasse Abstandsmarkierungen. Mehrere Kunden tragen Schutzmasken. Es fällt auf, dass überwiegend jüngere Einkaufende sich zwischen den Regalen rücksichtsvoll und vorsichtig bewegen. Sie gehen ganz bewusst auf Abstand und warten sogar, wenn es ansonsten zu eng wird. Leider führt längere Lebenserfahrung bei einigen anderen Kunden nicht unbedingt auch zu rücksichtsvollem Verhalten. Man ist halt in den Einkauf vertieft und achtet kaum auf Abstand. An der Kasse wird schon mal dichter zum Vorstehenden aufgeschlossen. Zumindest werden höfliche Hinweise dann befolgt.

Unser Fazit: Viele Einzelhändler haben innerhalb kurzer Zeit reagiert und versuchen, ihre Mitarbeiter und die Kunden zu schützen, so gut es geht. Auch die meisten Einkaufenden bemühen sich, die Regeln einzuhalten. Es geht aber noch besser.


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