Der alte Dorffriedhof Marzahn soll vor dem Vergessen gerettet werden

Neues Konzept für alten Friedhof

04.04.2019, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn. 1984 fand die letzte Beisetzung auf dem Dorffriedhof von Marzahn an der Landsberger Allee/Allee der Kosmonauten statt. Seitdem wurden dort keine Toten mehr zur letzten Ruhe gebettet. Das 1,3 Hektar große, lang gestreckte Gelände am Rande des Wohnviertels “Am Anger” ist von den Wohnhäusern durch die Bärenstein- und die Pöhlbergstraße getrennt. Der Friedhof ist öffentlich von der Landsberger Allee aus zugänglich, scheint aber wie aus der Zeit gefallen. Gräber sind überwuchert, auf vielen Grabsteinen sind die Inschriften nicht mehr lesbar. Einige Steine sind umgekippt.

Gräber drohen verloren zu gehen

Auf der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Marzahn-Hellersdorf vom März wurde über die Konsensliste ein Antrag der Fraktion der Linken beschlossen, in dem das Bezirksamt aufgefordert wird, „ein Konzept zum Erhalt des alten Marzahner Friedhofs und dessen historisch wertvollen Grabstätten…“ zu entwickeln. Die Gräber bekannter Marzahnerinnen und Marzahner drohten für immer der Nachwelt verloren zu gehen, heißt es in der Antragsbegründung. Mit einem Konzept zum Erhalt und zu einer möglichen Weiternutzung des Friedhofs könne man Handlungsoptionen formulieren und öffentlich diskutieren, beispielsweise mit dem Heimatverein.

Weiterhin solle geprüft werden, ob der Bedarf der in der Nähe befindlichen russisch-orthodoxen Kirche an der Allee der Kosmonauten nach einem eigenen Friedhofsgelände dort berücksichtigt werden kann. Die Kirchgemeinde hätte in der Vergangenheit Interesse an einem Friedhof für ihre Gemeinde geäußert. Durch eine erneute Nutzung könnte womöglich auch die Pflege der alten Grabanlagen sichergestellt werden. Auf dem Areal gibt es große Freiflächen mit Wiesen.

Zunächst Analyse der Erhaltungswürdigkeit

Nadja Zivkovic, Stadträtin für Wirtschaft, Straßen und Grünflächen, teilt auf Nachfrage von LiMa+ mit, dass ein Pflegeentwicklungsplan unter anderem für den Dorffriedhof Marzahn 2019 erarbeitet werden soll. Vorrangig werden darin Maßnahmen zur Vegetationspflege beschrieben. Zunächst werde eine „Analyse zu der Erhaltenswürdigkeit der noch vorhandenen Grabanlagen“ erfolgen. Dann gebe es eine Abstimmung zum Charakter und Anspruch des Friedhofes. Aktuell erfolge die Auswahl eines geeigneten Planungsbüros.

Bereits heute werde die Pflege vom Straßen- und Grünflächenamt und von beauftragten Fremdfirmen vorgenommen. Neue Beisetzungen werde es auf dem alten Dorffriedhof Marzahn nicht geben, denn er sei geschlossen, so die Stadträtin. „Mit der russisch-orthodoxen Kirche finden Gespräche zu einem möglichen Grabfeld auf dem Parkfriedhof Marzahn statt.“

Besondere Bestimmungen für Gräber von Kriegsopfern

Bis 2009 galten für den Dorffriedhof Marzahn die so genannten Ruhefristen des letzten Grabes. Der Zeitraum, in dem eine Grab- oder Urnengrabstelle nach einer Beisetzung nicht neu belegt werden darf, wird von dem örtlichen Friedhofsträger festgesetzt. In diesem Falle vom Straßen- und Grünflächenamt Marzahn-Hellersdorf, das für die Verwaltung und Unterhaltung zuständig ist.

Die Mindestruhezeit in Berlin beträgt laut Bestattungs- und Friedhofsgesetz 20 Jahre. Es gibt jedoch besondere Bestimmungen für Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. So bleibt der Schutz für Gräber von militärischen und zivilen Opfern des Ersten und Zweiten Weltkriegs, nach § 2 des Gräbergesetzes, dauerhaft bestehen.

Es gibt noch zahlreiche Gräber mit Grabsteinen auf dem alten Marzahner Friedhof, auf denen das Todesjahr 1945 vermerkt ist. Dabei handelt es sich vor allem um bei Bombenangriffen Getötete Marzahnerinnen und Marzahner. Die Unterlagen dazu müssten in der Friedhofsverwaltung Marzahn-Hellersdorf noch vorhanden sein.

Geschichte

1893 hatte die damals selbstständige Gemeinde Marzahn beschlossen, einen neuen Friedhof in der Nähe des Dorfes anzulegen. Um 1900 wurde der Plan verwirklicht. Die Lindenallee kam zwei Jahre später hinzu. Die Gräberanlage war der größere Ersatz für den 1889 geschlossenen „Kirchhof auf dem Anger”, wo die Verstorbenen bis dahin bestattet worden waren. Diese Begräbnisstätte wurde 1930 eingeebnet.

In Marzahn-Hellersdorf gibt es folgende landeseigene Friedhöfe: Biesdorf am Biesdorfer Friedhofsweg, Kaulsdorf Dorfstraße, Mahlsdorf am Walter-Leistikow-Weg und Parkfriedhof Marzahn am Wiesenburger Weg.

Geschlossene Friedhöfe ohne weitere Bestattungen sind: Alter Kirchhof Marzahn, Dorffriedhof Marzahn, Friedhof Wuhlgarten, Alter Kirchhof Biesdorf, Sowjetischer Friedhof im Schlosspark Biesdorf, Alter Kirchhof Kaulsdorf und Gemeindefriedhof Brodauer Straße.

.

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden