Modernste Einrichtung Berlins für Geriatrie und Palliativmedizin

Neues Haus im Sana Klinikum eröffnet

23.05.2019, Volkmar Eltzel

Fotos: Kai Abresch (1,8,9,12,15,16), Volkmar Eltzel (2,4-7,10,11,13,14,17-21), Mark Bollhorst (3). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Das Sana Klinikum Lichtenberg verfügt über die modernste medizinische Einrichtung der Hauptstadt für Geriatrie und Palliativmedizin. Am Mittwoch, 22. Mai, wurde sie eröffnet, fast auf den Tag zwei Jahre nach der Grundsteinlegung (LiMa+ berichtete).

Der feierlichen Zeremonie wohnten über 150 Gäste bei, darunter Minister a.D. Prof. Josef Hecken (Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses), Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) und Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke).

Ein beeindruckender Bau

Film: Sana Kliniken Berlin-Brandenburg

Nicht nur das fertige Haus an sich ist beeindruckend, auch der Materialeinsatz beim Bau war enorm. Beispielsweise wurden 800 Tonnen Stahl und 600 Betonmischer-Ladungen in dem Gebäude verbaut. Alleine die eingesetzten Starkstromkabel haben eine Länge von insgesamt 66 Kilometer – eine Strecke vom Campus in Lichtenberg bis zum Großen Wannsee und zurück. Hinzu kommen noch einmal 60 Kilometer Datenleitungen.

Die Trockenbauer montierten rund 11.000 Quadratmeter Wände und 7.500 Quadratmeter Abhangdecken… Die Liste der Superlative ist lang. 65 Firmen arbeiteten sehr erfolgreich an dem Spezialbau zusammen. 34,5 Millionen Euro wurden dafür investiert. 22,5 Millionen Euro davon kamen aus Eigenmitteln der Sana Kliniken AG, 12 Millionen vom Land Berlin.

10.000 Quadratmeter in fünf Etagen

„Wir freuen uns, dass wir unsere ältesten und schwerkranken Patientinnen und Patienten nun unter besten Bedingungen behandeln können“, sagte Dr. Christian von Klitzing, Regionalgeschäftsführer Sana Kliniken AG, Region Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Nunmehr stehen der Alters- und Palliativmedizin insgesamt 141 stationäre Betten zur Verfügung. Das gesamte Sana Klinikum Lichtenberg verfügt ab sofort über 661 Betten – das sind mehr, als das Oskar-Ziethen-Krankenhaus je hatte.

In dem Neubau sind auf rund 10.000 Quadratmetern Fläche in fünf Etagen zwei neue geriatrische Stationen mit 76 Betten, ein besonders ruhiger und geschützter Bereich für Demenz-Erkrankte – die so genannte „Protective Care Unit“ sowie eine Station für Palliativmedizin mit zehn Betten und Unterbringungsmöglichkeit für Angehörige untergebracht. Zudem gibt es große Veranstaltungs- und Konferenzräume für bis zu 300 Personen und ein Restaurant. Ebenerdig befindet sich die Tagesklink mit 25 Plätzen für Ergotherapie, Logopädie, Psycho- und Physiotherapie. Das Untergeschoss – übrigens ein völlig umgebauter Weltkriegsbunker – beherbergt die technischen Versorgungseinrichtungen sowie Sanitär- und Umkleideräume für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Chefarzt Dr. Eric Hilf: „Ein großartiges Haus“

„Von Beginn an waren wir in die Planung und Gestaltung des Hauses mit einbezogen“, sagt Dr. Eric Hilf, Chefarzt der geriatrischen Abteilung. „Jeder einzelne Raum trägt mit unsere Handschrift. Es ist wirklich ein großartiges Haus entstanden.“

In dem geschützten Bereich gibt es eine spezielle Lichtanlage, mit der die Lichttemperatur und –Intensität saison- und tagesabhängig eingestellt werden kann. Alles ist auf die Aktivierung der Patienten ausgerichtet. Alltagsbegleiter helfen beim An- und Ausziehen, ermuntern aber auch zum selbstständigen Essen und gemeinsamen Spielen.

Schrittweise die Selbstständigkeit wiedererlangen

Die anderen Therapiebereiche in der barrierefreien Einrichtung sind zentral und offen angeordnet. Die Patientenräume – alles Ein- und Zweibettzimmer – docken quasi ringsherum an. Auch das Treppenhaus wird zum Üben genutzt. Schließlich müssen viele Patienten Treppen steigen, um in ihre Wohnung zu gelangen, wenn sie wieder zu Hause sind.

Es gibt ein Übungsbad, wo das Ein- und Aussteigen aus der Badewanne trainiert wird und eine Übungsküche. Die Sozialdienst-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfragen vor Therapiebeginn die vorherigen Lebensumstände der Patienten und welche Risiken es gab. So kann ganz gezielt und individuell trainiert werden, damit die Menschen, zum Beispiel nach einer Operation, ihre Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit wiedererlangen. „Das geht, im wahrsten Sinne des Wortes, schrittweise – vom Bett aufstehen, zunächst in den Stuhl, dann in den Gang, später zur Treppe…“, erklärt Chefarzt Dr. Hilf.

Mit viel Liebe zum Detail

Das neue Haus hat ein schönes Ambiente. Zugleich ist es sehr funktional eingerichtet. „Da steckt sehr viel Arbeit mit Liebe zum Detail drin“, sagt der Chefarzt. Beispielsweise gibt es im gesamten Haus eine dezente, aber klare Leit- und Orientierungsstruktur für die älteren Patienten, aber auch für Besucher. Die Türen zu den Patientenzimmern sind in Pastellfarben gehalten. Darauf steht jeweils ein auffallend großer Buchstabe. „Wir haben bewusst keine Zahlen für die Raumkennzeichnungen verwendet“, sagt Dr. Eric Hilf. „Buchstaben kann man sich leichter merken. Außerdem wollen wir vermeiden, dass sich bei uns jemand als Nummer fühlt.“ Auch auf den Fluren gibt es am Boden eine dezente Orientierungshilfe. Der Belag ist hellgrau, entlang der Sockelleisten mit dunkleren Streifen abgesetzt. Vor Zimmertüren, wo der Zutritt ohne Aufforderung nicht erwünscht ist, sind die Streifen durchgezogen. Vor frei zugänglichen Bereichen und Räumen hingegen nicht. „Das funktioniert ganz intuitiv“, sagt der Chefarzt. „Der helle Belag weist den Weg zum Beispiel zu den zentralen Therapiebereichen und Aufenthaltsräumen.“

Die Werkzeugsammlung über dem Bett

Über jedem elektronisch steuerbaren Niederflur-Patientenbett hängt ein markantes Foto, mal sind Sonnenblumen darauf abgebildet, mal ein Leuchtturm am Meer, mal eine Werkzeugsammlung. Das ist hilfreich für die Orientierung und erhöht das Wohlgefühl. Denn in den Patientengesprächen werden nicht nur die vorherigen Lebensumstände erfragt. Es geht auch um Interessen und den früheren Beruf. Sofern möglich, wird ein Bett mit dem Foto ausgesucht, das zu den Erinnerungen einen Bezug herstellt und den Wünschen entspricht. „So geben wir in ungewohnter Umgebung ein kleines Stück Zuhause“, sagt Eric Hilf. Übrigens sind Fotos mit den jeweils selben Motiven noch einmal im Bad über den Regalen angebracht. Zudem gibt es in jedem Patientenzimmer eine Wanduhr mit zusätzlicher Datums- und Wochentags-Anzeige. Auch die Betten und die Bettwäsche sind nicht mehr nur schlicht weiß, sondern farbig. „Auf individuelle Behandlung und Therapie sowie Achtung der Persönlichkeit jedes einzelnen Patienten legen wir besonders großen Wert“, erklärt Jean Franke, Direktorin des Sana Klinikums Lichtenberg.

Blumen und Schokoherzen

„Vor der Eröffnung haben die Teams mit besonders viel Herzblut gearbeitet“, erzählt Dr. Eric Hilf. Mit vielen freiwilligen Überstunden und in der Freizeit an Wochenenden bewältigte man nicht nur den Umzug zweier Stationen und der Tagesklinik aus dem alten Haus. Es wurde auch viel dafür getan, dass alles schön aussieht. So kamen unter anderem viele Blumen auf die Stationen und den Patienten legten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Begrüßung Schokoherzen auf die Kissen.

„Tag der offenen Tür“

Im Vorfeld der Inbetriebnahme des Neubaus schuf das Sana Klinikum Lichtenberg 66 neue Vollzeitstellen für Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten. Insgesamt sorgen dort rund 100 Beschäftigte für das Wohl und die Genesung der Kranken. Stationsleitung Anne Jänke ist seit November 2018 dabei. Sie freut sich immer wieder auf die Patienten-Kontakte: „Zu sehen welche Fortschritte die betagten Menschen in den zwei bis drei Wochen bei uns erreichen, macht mich sehr froh und stolz“, sagt sie. Auch nach der Entlassung in die gewohnte Umgebung gibt es immer noch eine weitere Betreuung in der Tagesklinik.

Im dem Neubau gibt es viel zu entdecken, zum Beispiel ein vom Palliativförderverein Lichtenberg gesponsertes Aquarium. Wer Glück hat, der begegnet am 5. Juni, dem geplanten „Tag der offenen Tür“, auf den Fluren vielleicht dem Chefarzt und seinem ausgebildeten Border Collie-Therapiehund Lewis Oskar persönlich. Denn der weicht seinem Chef nicht von der Seite. Zwei echte Könner eben.


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