Glocken aus Bronze von derselben Manufaktur wie vor 82 Jahren

Neue Kirchenglocken werden erwartet

01.10.2019, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Mahlsdorf. Für die Evangelische Gemeinde in Mahlsdorf-Süd wird der Erntedanksonntag am 6. Oktober ein ganz besonderes Fest. Die Gemeinde will die neuen Kirchenglocken festlich begrüßen.

Alte Kirchenglocken haben ausgedient

Seit September ist es merkwürdig still geworden rund um die Evangelische Kirche Theodor-Fliedner-Heim in der Schrobsdorffstraße 35/36. Keine Glocke ruft mehr zum Gottesdienst. Die beiden alten Glocken aus Gussstahl wurden aus dem Turm ausgebaut und stehen vor dem Eingang. Nun erwartet die Kirche die neuen (alten) Bronzeglocken. Sie sind genauso wie vor 82 Jahren aus Bronze gegossen. Als im Jahre 1937 das Theodor-Fliedner-Heim gebaut wurde, bekam es Bronzeglocken von der Glocken- und Kunstguss-Manufaktur Petit & Gebr. Edelbrock GmbH & Co. KG in Gescher in Westfalen. Die neuen Glocken sind in derselben Größe mit denselben Tönen von derselben Firma gegossen worden.

Glockenweihe am Reformationstag

Die so genannte „Einholung der Glocken“ soll gefeiert werden. Dazu trifft sich die Gemeinde am Sonntag, 6. Oktober, bereits um 10 Uhr auf dem Ullrichplatz. Dort wird der Transporter mit den Glocken erwartet und bis zum Theodor-Fliedner-Heim begleitet. Für 10:30 Uhr ist ein Festgottesdienst geplant. Bis die Glocken zum ersten Mal geläutet werden, müssen die Mahlsdorfer sich aber noch einige Wochen gedulden. Sie müssen erst im Turm aufgebaut werden. Zum Reformationstag am Donnerstag, 31. Oktober, soll dann die Glockenweihe stattfinden.

Mit Eisenbahn und Straßenbahn kamen neue Bewohner

Mit dem Bau des Theodor-Fliedner-Heimes hatte die Kirche 1937 auf die steigende Einwohnerzahl in Mahlsdorf reagiert. Die Eisenbahnlinie – der Bahnhof in Mahlsdorf wurde am 1. September 1895 eröffnet – brachte neue Einwohner in das Dorf östlich von Berlin. Neue Siedler kauften Grundstücke, die bisher als Ackerflächen oder Weiden genutzt wurden. Die neue Straßenbahn, die ab 1907 das Dorf mit der Stadt Köpenick verband, trug ebenfalls zur Entwicklung bei.

Krieg und Krise

Mit der Gründung von Groß-Berlin im Oktober 1920 gehörte Mahlsdorf dann auch zur Hauptstadt. Damit entwickelte sich auch das kirchliche Leben sehr schnell. Bereits im Jahr 1910 war über eine Kapelle in Mahlsdorf-Süd diskutiert worden. Aber durch den Ersten Weltkrieg, die Inflation und die Weltwirtschaftskrise wurde der Bau immer wieder verhindert.

Der Gedanke an eine Kirche konnte zunächst nicht weiter verfolgt werden. Stattdessen wurde ein Gemeindeheim gebaut. Darin sollte es einen Saal mit 200 Plätzen geben sowie Wohnraum für eine Gemeindeschwester und für den Gemeindediakon. Der Baubeginn mit dem ersten Spatenstich war am 25. Juni 1937. Die feierliche Grundsteinlegung war hingegen erst am 4.Juli. Wie in einem Gemeindebrief zu lesen ist „bei strahlendem Sonnenschein und 35 Grad im Schatten“.

Bronze-Glocken für Kriegsproduktion eingeschmolzen

Bereits nach 12 Wochen Bauzeit konnte am 22. September 1937 das Richtfest gefeiert werden. Einen Monat später, am 27. Oktober 1937, wurden die Glocken mit einem festlichen Gottesdienst auf dem Kirchgelände begrüßt. Damals zog ein Pferdefuhrwerk den geschmückten Karren von Hubertus in der Köpenicker Allee bis in die Schrobsdorffstraße.

Am 22. Dezember 1937 konnte nach nur sechsmonatiger Bauzeit das „Evangelischen Gemeindeheims Theodor Fliedner“ eingeweiht werden. Die Freude über das neue Gemeindeheim und die beiden Bronze-Glocken währte nur wenige Jahre. Der zweite Weltkrieg hat auch in Mahlsdorf-Süd Spuren hinterlassen. Am 31. März 1942 wurden die beiden Bronzeglocken im Auftrag der Reichsstelle für Metalle abgenommen und abtransportiert. Die Bronze wurde für die Kriegsproduktion benötigt. Fast ein Jahrzehnt gab es keine Glocken im Theodor-Fliedner-Heim.

Kirchenglocken von 1951 waren aus Gussstahl

Die Kriegsschäden am Gebäude wurden in kleinen Schritten zwischen 1945 und Ende 1949 beseitigt. Doch neue Glocken kamen erst 1951. Am 4. November 1951 konnte die Gemeinde die neuen Glocken einweihen. Diese beiden Glocken aus Gussstahl haben bis heute gehalten. Nun kommen wieder zwei neue Glocken aus Bronze in den Turm am Theodor-Fliedner-Heim. So wie die ersten Glocken aus dem Jahr 1937 wurden sie in der Bronze-Glocken-Gießerei Petit und Gebr. Edelbrock in Gescher/Westfalen gegossen.

Die erste Glocke hat ein Gewicht von 306,5 Kilogramm und einen Durchmesser von 81 Zentimeter. Sie erklingt im Ton „h“. So wie bei der ersten Glocke aus dem Jahr 1937 ist die Inschrift: „Die Welt steht durch Gottes Wort und der Christen Gebet“ zu lesen. Die zweite Glocke hat ein Gewicht von 174 Kilogramm und einen Durchmesser von 67 Zentimeter. Ihr Glockenschlag erzeugt den Ton „d“ auf der Tonleiter. Auf dieser Glocke ist die Inschrift zu lesen: „Kommt zu Christus als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause. 1. Petrus 2,4-5“.


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